Deutsche Spezialisten unterstützen bei der Counter-IED-Ausbildung
- Datum:
- Ort:
- Gao
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- 3 MIN
Der United Nations Mine Action Service führt regelmäßig eine Weiterbildung zu Counter-Improvised Explosive Devices durch. Das umfasst die Beseitigung der improvisierten Sprengvorrichtungen, den sogenannten IEDs, und die Auswertung der Spuren nach einem Anschlag. Das deutsche Weapons Intelligence Team (WIT) hat erstmals die Ausbilder und Auswerter der Vereinten Nationen im Training unterstützt.
Alles im Blick. Das Weapons Intelligence Team steht den malischen Auszubildenden beratend zur Seite
Bundeswehr / Daniel RichterZum deutschen WIT gehört jeweils ein Soldat der Infanterie, des militärischen Nachrichtenwesens, ein Feldjäger und ein Entschärfer (Kampfmittelabwehrspezialisten). Sie untersuchen und ermitteln nach Anschlägen oder Vorkommnissen mit IEDs. Dabei zieht das Team Rückschlüsse auf die Strategien des Täters und das Verhalten eigener und verbündeter Truppen.
Bei der Weiterbildung können Soldaten aus Bangladesch, Guinea, Indonesien, Kamerun, Niger, Senegal und dem Chad von dem Wissen der deutschen Spezialisten profitieren.
Nach einem Anschlag rücken zuerst die Kampfmittelabwehrkräfte an. Sie sichern den Ort der Detonation aber auch den Fundort von IEDs. Danach folgt das WIT. „Sie erstellen einen ersten Bericht, der eine wichtige Grundlage für weitere Auswertungen ist. Dieser soll denjenigen, die nicht am Vorfallort gewesen sind, vermitteln, welches Szenario sich hier abgespielt hat“, sagt Oberleutnant Sandro S., Leiter des deutschen WIT.
Das deutsche Weapons Intelligence Team unterstützt die malischen Auszubildenden und gibt Hilfestellungen
Bundeswehr / Daniel RichterSolche Berichte lernen die Teilnehmenden UNMAS und United Nations Police in MINUSMA bei der Weiterbildung auf einfache Weise selbst anzufertigen. Denn nicht immer kann ein WIT selbst vor Ort sein. Schritt für Schritt arbeiten die Lehrgangsteilnehmer deshalb ihre Checkliste ab. Erster Anlaufpunkt sind die EOD-Kräfte vor Ort. Von ihnen lassen sie sich in die Anschlagssituation einweisen. Wissbegierig fragen sie die deutschen Experten, wie sie es am besten angehen sollen. „Wir zeigen ihnen auf, worauf es ankommt. Zum Beispiel geben der Explosionskrater, Munitionsteile und Schrapnelle, aber auch Verpackungsmaterialien Rückschlüsse auf den Tathergang. Dabei können die Spuren bis zu 100 Meter weit vom Anschlagsort führen“, erklärt Stabsfeldwebel Stephan M., Fachmann für die Kampfmittelabwehr im WIT.
MINUSMA Soldaten sichern die Beweise an der Anschlagsstelle
Bundeswehr / Daniel RichterVon UNMAS und UNPOL sind 13 Offiziere aus ganz Mali zu der Ausbildung nach Gao gereist. „Dies zeigt bereits die Wertigkeit und Qualität der Ausbildung“, sagt Donat B., der Ausbildungsleiter. „Am ersten Tag bekommen sie viele Grundkenntnisse über C-IED, Fotografie, Spurensicherung und das Berichtswesen vermittelt, die sie in den zwei kommenden Tagen in der Praxis anwenden und umsetzen müssen“, führt der Franzose weiter aus. Er und ein Soldat der französischen Gendarmerie sowie das deutsche WIT unterstützen die Auszubildenden.
Hauptfeldwebel Ben R. erklärt einem MINUSMA Angehörigen worauf es beim Fotografieren ankommt
Bundeswehr / Daniel RichterSchutzhandschuhe sind von Beginn an Pflicht. Denn eventuell vorhandene Fingerabdrücke und andere Spuren dürfen nicht unbrauchbar werden. Anschließend werden die Beweise an der Anschlagsstelle nummeriert und digital mit einem Fotoapparat oder dem Handy dokumentiert. „Beim Fotografieren ist es wichtig, dass ein Fotolineal für den Maßstab oder einen Vergleichsgegenstand zur Größenermittlung danebengelegt wird“, erklärt Hauptfeldwebel Ben R., Feldjäger des WIT.
Ein MINUSMA Soldat tütet gerade ein Beweisstück, die Reste einer Mine, ein
Bundeswehr / Daniel RichterNachdem die Spuren gesichert und digital festgehalten wurden, werden diese in die jeweiligen Sicherungsbeutel verpackt. Jeder Beutel erhält eine Beweisnummer und der Gegenstand beziehungsweise der Fundort werden aufgeschrieben. Nur so bleibt die Beweiskette nachvollziehbar. Stück für Stück setzt sich nun das Puzzle zusammen. Am Ende der Ausbildung stellen die Teams ihren Bericht vor.
Erfolgreicher Abschluss. Oberleutnant Sandro S. übergibt einem MINUSMA Soldaten sein Zertifikat
Bundeswehr / Daniel RichterZum Abschluss des Lehrganges erhielten die Teilnehmenden ihre Zertifikate. „Es war ein sehr interessanter Lehrgang. Wir konnten viel mitnehmen. Danke auch an die deutschen Soldaten, die uns noch ein paar wichtige Tipps mit auf den Weg gegeben haben“, freut Major Youssouf K., ein Lehrgangsteilnehmer aus dem Sektor Nord in Kidal. Lehrgangsleiter Donat B. ist sich sicher, was auch die Auszubildenden bestätigten, dass das deutsche WIT im positiven Sinne Spuren hinterlassen hat. Er freut sich auf künftige Zusammenarbeit mit den deutschen Kameraden.
von Daniel Richter