Inhalt
European Union Force Althea

Bosnien und Herzegowina – EUFOR Althea

Die Bundeswehr hat den Auftrag, in Bosnien und Herzegowina bei der Aufrechterhaltung eines sicheren Umfeldes und der Einhaltung des Dayton-Abkommens zu unterstützen, sowie die Ausbildung der bosnischen Streitkräfte zu koordinieren.

Ein Bundeswehrfahrzeug fährt eine Straße entlang

Bundeswehr/Martin Riek

Aktuelle Artikel von der EUFOR Althea

Die Bundeswehr in Bosnien und Herzegowina

Deutschland hatte 2012 seine Beteiligung an dem EU-Einsatz vorerst beendet. Doch seit dem 16. August 2022 ist die Bundeswehr zurück in Bosnien und Herzegowina. Bis zu 50 Soldatinnen und Soldaten sorgen gemeinsam mit ihren multinationalen Partnern für Stabilität in der Region. 

Im Camp Butmir in Sarajevo hat die „Schaltzentrale“ des deutschen EUFOR-Kontingents ihren Sitz: das National Support Element (NSE). Hier sorgen sowohl Soldaten als auch zivile Mitarbeitende aus der Einsatzwehrverwaltungsstelle dafür, dass von Rechnungsführung über Beschaffung bis Logistik alles reibungslos läuft.

Eine Karte von Bosnien und Herzegowina, die das Einsatzgebiet von EUFOR Althea zeigt

Das Einsatzgebiet der Bundeswehr bei EUFOR Althea

Bundeswehr

Das deutsche NSE befindet sich seit Oktober 2025 wieder im Camp Butmir. Also dort, wo auch die anderen 24 Nationen von EUFOR ihr Unterstützungselement haben. Zuvor wurde eine alte Pizzeria vor den Toren von Camp Butmir als NSE umfunktioniert und bot über einen Zeitraum von etwa drei Jahren den Arbeitsplatz für viele Kontingentangehörige. Dies hatte einen einfachen Grund: für die Deutschen gab es im Camp keinen Platz mehr, nachdem die Bundeswehr sich 2012 aus Bosnien und Herzegowina zurückgezogen hatte. Bis zu diesem Zeitpunkt hatten deutsche Kräfte acht Jahre lang im Rahmen von EUFOR dazu beizutragen, dass das Friedensabkommen von Dayton nach Ende des Bosnienkrieges 1995, der mehr als 100.000 Opfer forderte, eingehalten wurde.

Die neue NSE wurde den Bedarf der Truppe entsprechend als Containermodulbau im Camp Butmir errichtet und bietet auf der oberen Etage einen Arbeitsbereich mit Büros und unten einen Besprechungs- sowie Aufenthaltsraum mit Küche und Toilette. Ebenso verfügt die deutsche NSE über ein Feldpostamt, was für die Angehörigen des Kontingents eine willkommene Anlaufstelle ist, um den Liebsten zuhause eine Postkarte zu schicken oder Pakete aus der Heimat zu erhalten. Die neue Containerlösung bietet entscheidende Vorteile im Vergleich zur Vorgängerlösung: kurze Wege, zentrale Materiallagerung und die Eingliederung in einen militärisch geschützten Bereich. 

Die Gemeinschaft des DEU EinsKtgt lebt vom Engagement jedes Einzelnen. Gemeinsame Veranstaltungen fördern das Miteinander und die Kameradschaft. Dabei sind den Ideen keine Grenzen gesetzt: vom gemeinsamen Seemannssonntag oder Ausflügen an den Wochenenden, oder ein Krippenspiel zu Weihnachten. Dabei werden die Veranstaltungen auch gerne von anderen EUFOR Nationen besucht und fördern somit den internationalen Austausch.

Zwei Jahrzehnte EUFOR-Mission auf dem Westbalkan

Das deutsche Engagement umfasst 2026 insgesamt 36 Dienstposten, die sich auf das NSE mit Einsatzwehrverwaltungsstelle, das MNHQ (Multinational Headquarters) im Camp Butmir und die zwei LOT-Häuser (Liaison and Observation Teams) in Vlasenica im Osten der Republika Srpska und Čapljina im Süden der Föderation Bosnien und Herzegowina verteilen. Das Mandat des deutschen Bundestags wird in der Regel fortlaufend um je zwölf Monate verlängert. Völkerrechtliche Basis für die Mission ist die Zustimmung des UN-Sicherheitsrates, der das Mandat zuletzt im November 2025 verlängerte. Seit mehr als zwei Jahrzehnten setzen sich die Kräfte der Mission also schon für ein stabiles und sicheres Bosnien und Herzegowina ein. „Forward, Onward, Together – EUFOR and Bosnia and Herzegovina“, gemeinsam weiter vorangehen: Dies ist EUFOR-Auftrag und Leitspruch zugleich.

Ein Containergebäude in der Dämmerung

Das neue, deutsche NSE-Gebäude ist eine moderne und modulare Containerlösung.

EUFOR S2/S3-Offizier
Der Einfahrtsbereich einer Stadtvilla. Im vorderen Bereich steht ein Bundeswehrfahrzeug.

In den beiden deutschen Liaison and Observation Team-Häusern arbeiten und leben jeweils acht Soldatinnen und Soldaten

Bundeswehr/Martin Riek

„Hier ist jeden Tag ganz schön viel Bewegung im Land“

Insgesamt rund 1.500 Soldatinnen und Soldaten aus 25 Nationen sind 2026 für die EUFOR-Mission im Einsatz. Im Fokus ihres Auftrages stehen Führungs-, Verbindungs-, Beratungs- und Beobachtungsaufgaben. Die rund 800 Frauen und Männer des multinationalen Einsatzbataillons fahren täglich auf unterschiedlichen Routen raus in ihre Zuständigkeitsräume und schauen nach dem Rechten. Multinationalität sei der Kern der Mission, so der deutsche Kontingentführer. Das internationale Personal im MNHQ unterstütze mit seiner Arbeit in den verschiedenen Stabsabteilungen EUFOR bei der Planung und Organisation der Mission in Bosnien und Herzegowina. Sieben Deutsche tun hier im MNHQ heute Dienst – einer von ihnen ist der Oberstleutnant: deutscher Kontingentführer, Senior National Representative (SNR) und stellvertretender Planer der Mission EUFOR im MNHQ in einer Person.

„Die LOT-Häuser sind der eigentliche Kern der Mission“

LOT: Das steht für Liaison and Observation Team, also Verbindungs- und Beobachtungsteams. Als eine Art Frühwarnsystem und Sensor für EUFOR wirken die LOTs maßgeblich an der Erstellung eines Lagebildes für die Operationsführung mit. Sie tauschen sich mit der Zivilbevölkerung aus und treffen regelmäßig Vertreter lokaler Behörden sowie nationaler und internationaler Organisationen, um sich ein Bild von der Stimmung in der Region zu machen. Seit 2022 unterhält die Bundeswehr diese zwei von insgesamt 20 LOT-Häusern in Bosnien und Herzegowina. Ziel ist es, mit der Präsenz der multinationalen Truppe die lokale Akzeptanz von EUFOR Althea zu erhöhen. Täglich fahren zwei Dreierteams raus auf Patrouille.

Der Kontingentführer hat seine Teams auf ihren Auftrag vorbereitet: Jeder weiß, warum er hier ist und was im Krieg damals geschehen ist. „Jeder soll in seinem LOT-Haus wissen: Wie war die Situation in seinem Raum? Wie war die Entitäten-Verteilung vor und nach dem Krieg?“ Entscheidend sei auch das Wissen darüber, wie viele Krankenhäuser und Polizeistationen es gebe und wie es um die Wasser- und Stromversorgung bestellt sei. „Alles Dinge, die Menschen unzufrieden machen und auf die Straße bringen könnten“, fasst der Kontingentführer zusammen.

In Annex 4 des Friedensabkommens von Dayton ist die heutige Verfassung des Landes, zu dem die Föderation Bosnien und Herzegowina und die Republika Srpska zählen, niedergeschrieben. Sie besagt, dass die Macht paritätisch zwischen den drei konstituierenden Völkern bosnische Kroaten, bosnische Serben und Bosniaken aufgeteilt ist.

Bosnien und Herzegowina steht weiter vor Herausforderungen

Im Grunde sei EUFOR eine politische Mission. Soldaten, die in Afghanistan gedient hätten, seien anderes gewohnt. „Schwer bewaffnet mit Splitterschutzwesten ins Gefecht – das gibt es hier nicht“, betont der Kontingentführer. Denn Kernauftrag von EUFOR ist die Unterstützung der bosnischen Behörden bei der Aufrechterhaltung eines sicheren Umfeldes. Im Falle einer krisenhaften Zuspitzung greift EUFOR auf NATO-Kräfte zurück, zum Beispiel von KFOR aus Kosovo.

EUFOR sei ein nicht zu unterschätzender Wirtschaftsfaktor: Die Lebenssituation und -zufriedenheit der Menschen würden sich verschlechtern, sollte es EUFOR künftig nicht mehr geben. „Und dann kommen die Leute, die zündeln, wieder auf den Plan“, so der Kontingentführer. „Deshalb: Der Einsatz ergibt Sinn. Das ist für mich keine Frage.“ Allein durch Uniform und Präsenz böte das deutsche Kontingent eine gewisse Abschreckung. „Es gibt keinen in der EU, der diese Lücke füllen könnte.“

Informationsbroschüre

zum Einsatz EUFOR Althea

Flyer (Stand: 06/2024) PDF, nicht barrierefrei, 4 MB
Broschüre Die Bundeswehr im Bosnien und Herzegowina

Bundeswehr

Q&A EUFOR Althea

Die Bundeswehr war bereits von 2004 bis 2012 in Bosnien und Herzegowina im Einsatz. Warum sind wir zehn Jahre später wieder vor Ort?

Die Bundeswehr war bereits von 2004 bis 2012 an der EU-Mission EUFOR Althea beteiligt. Nach dem Abzug unterstützte die Bundesregierung EUFOR weiterhin politisch.
Hintergrund für die erneute militärische Beteiligung bei EUFOR  Althea ist die aktuelle politische Entwicklung in Bosnien und Herzegowina. Die ethnische Spaltung zwischen Bosniaken und bosnischen Kroaten auf der einen und bosnischen Serben (Republika Srpska) auf der anderen Seite dominiert die Politik und erschwert Fortschritt und Reformen. Gleichzeitig besteht vor dem Hintergrund des Ukrainekriegs die Gefahr, dass Russland über die Destabilisierung des Balkans weiter Druck auf die EU ausüben könnte. Vor allem mit Blick auf die Wahlen im Oktober 2026 werden weitere Spannungen befürchtet. Daher sind die Wahlen und die Präsenz von EUFOR von essentieller Bedeutung für eine demokratische Zukunft der Region.

Was sind die rechtlichen Grundlagen für den Einsatz?

Völkerrechtlich leiten sich die Befugnisse zur Durchführung bei EUFOR Althea aus der VN-Sicherheitsratsresolution 2183 (2014) ab. Zuletzt wurde diese durch die Resolution 2795 vom VN-Sicherheitsrat 2025 verlängert. In dieser Resolution beauftragt der VN-Sicherheitsrat die Mitgliedstaaten der Europäischen Union, für weitere zwölf Monate eine multinationale Stabilisierungstruppe (EUFOR Althea) als Rechtsnachfolgerin der SFOR-Stabilisierungstruppe einzurichten, die ihren Auftrag zur Umsetzung des Dayton-Friedensabkommens in Zusammenarbeit mit der NATO durchführen wird.

Am 8. Juli 2022 billigte der Bundestag die deutsche Beteiligung bei EUFOR Althea erstmals. Das aktuelle Bundestagsmandat läuft bis Ende Juni 2026.

Wie viele Bundeswehrsoldaten sind bei EUFOR Althea im Einsatz?

Das Mandat sieht den Einsatz von bis zu 50 Bundeswehrsoldatinnen und -soldaten in Bosnien und Herzegowina vor. Insgesamt sind aktuell rund 1.500 internationale Soldatinnen und Soldaten aus 19 EU-Mitgliedsstaaten und sechs Nicht-EU-Mitgliedstaaten bei EUFOR Althea beteiligt.

Wo genau sind die deutschen Soldatinnen und Soldaten stationiert?

Ein Teil der deutschen Soldatinnen und Soldaten ist beim internationalen Hauptquartier der Mission im Camp Butmir in Sarajevo eingesetzt. Den Hauptauftrag erfüllt das deutsche Einsatzkontingent mit den Liaison and Observation Teams (Verbindungs- und Beobachtungsteams, kurz LOT), die im Rahmen der multinationalen Mission in der Fläche des Landes verteilt sind. Ein sog. LOT-Haus der Bundeswehr befindet sich in Vlasenica in der serbischen Teilrepublik Srpska im Nordosten des Landes. Ein weiteres LOT-Haus der Bundeswehr ist in Čapljina, im Süden des Landes in der Föderation Bosnien und Herzegowina verortet.

Wie funktionieren die sanitätsdienstliche Versorgung und die Rettungskette?

Entsprechend der nationalen und internationalen Vorgaben realisiert die Bundeswehr im Einsatz eine bruchfreie und belastbare Rettungskette.
Die Rettungskette unterteilt sich nach Art und Umfang sanitätsdienstlicher Unterstützung, von der Selbst- und Kameradenhilfe auf unterschiedlichen Behandlungsebenen, aufsteigend über die sanitätsdienstliche Erstversorgung bis zur abschließenden klinischen Versorgung, falls erforderlich auch in Deutschland.

Dabei ergeben sich die verschiedenen Stufen der Rettungskette wie folgt:

  • Selbst- und Kameradenhilfe vor Ort, jedes deutsche LOT-Team verfügt je über einen Einsatzersthelfer Bravo.
  • Verbringung in die Role 1 ins HQ EUFOR in Sarajevo (dort erfolgt die medizinische und notfallchirurgische Versorgung) oder in ein ziviles Krankenhaus im Rahmen des Host Nation Supports. Der Transport geschieht entweder bodengebunden durch den zivilen Rettungsdienst oder über den Lufttransport des österreichischen TacAE (Tactical Aeromedical Evacuation) weiter zur Abholung durch,
  • den StratAE (Strategic Aeromedical Evacuation) für den Weitertransport nach Deutschland, um den Patienten hier einer weiterführenden medizinischen Behandlung zuzuführen.
Wie kann ich jemandem etwas in den Einsatz schicken?

Informationen über die Postversorgung in den Einsatzgebieten der Bundeswehr finden Sie auf den folgenden Seiten: Feldpost (bundeswehr.de)

Kontakt für die Presse

Mehr zum Thema

Anfang Footer Es ist uns ein Anliegen, Ihre Daten zu schützen

Auf dieser Website nutzen wir Cookies und vergleichbare Funktionen zur Verarbeitung von Endgeräteinformationen und (anonymisierten) personenbezogenen Daten. Die Verarbeitung dient der Einbindung von Inhalten, externen Diensten und Elementen Dritter, der eigenverantwortlichen statistischen Analyse/Messung, der Einbindung sozialer Medien sowie der IT-Sicherheit. Je nach Funktion werden dabei Daten an Dritte weitergegeben und von diesen verarbeitet (Details siehe Datenschutzerklärung Punkt 4.c). Bei der Einbindung von sozialen Medien und interaktiver Elemente werden Daten auch durch die Anbieter (z.B. google) außerhalb des Rechtsraums der Europäischen Union gespeichert, dadurch kann trotz sorgfältiger Auswahl kein dem europäischen Datenschutzniveau gleichwertiges Schutzniveau sichergestellt werden. Sämtliche Einwilligungen sind freiwillig, für die Nutzung unserer Website nicht erforderlich und können jederzeit über den Link „Datenschutzeinstellungen anpassen“ in der Fußzeile unten widerrufen oder individuell eingestellt werden.

  • Logo der Bundeswehr

    Es ist uns ein Anliegen, Ihre Daten zu schützen

    Detaillierte Informationen zum Datenschutz finden Sie unter Datenschutzerklärung