Als Cyber Security Berater im Irak
- Datum:
- Ort:
- Bagdad
- Lesedauer:
- 3 MIN
Auf drei Kontinenten und zwei Weltmeeren: In unterschiedlichen Einsatzgebieten leisten die Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr täglich ihren Dienst. Doch was tun sie genau vor Ort? Was ist ihre spezielle Aufgabe? Was bewegt sie, was treibt sie an? In der Serie „Ich bin iM EINsatz“ stellen wir einige von ihnen ganz persönlich vor.
Leutnant Max F. fährt vier- bis fünfmal die Woche an seine Institutionen, um einen regelmäßigen Austausch mit den irakischen Partnern sicherzustellen
Bundeswehr/PAO DEU KrBGDServus, mein Name ist Leutnant Max F. Ich bin 26 Jahre alt und seit zwei Jahren Soldat. Zur Bundeswehr kam ich als Seiteneinsteiger – unter anderem mit einem Masterabschluss in Cyber Security und mehreren Jahren Berufserfahrung als Berater in der zivilen ITInformationstechnik‑Industrie. Der Schritt in die Streitkräfte war für mich eine bewusste Entscheidung: Ich wollte meine fachliche Expertise dort einbringen, wo sie sicherheitsrelevant ist und unmittelbar Wirkung hat.
Seit August bin ich im Rahmen der NATONorth Atlantic Treaty Organization Mission Iraq (NMI NATO Mission Iraq) als Berater beim Cyber Security Directorate in Bagdad eingesetzt. Mein Auftrag ist es, das irakische Verteidigungsministerium beim Aufbau eines tragfähigen Cyber Security Operating Models zu unterstützen. Dieses Modell legt fest, wie Cyberverteidigung künftig organisiert, geführt und betrieben werden soll. Insbesondere beraten wir hier bei den Prozessen und technischen Schutzmaßnahmen.
Gemeinsam mit meinen irakischen Partnern arbeite ich an der Entwicklung einer national abgestimmten Cyberstrategie. Meine Aufgabe ist hier, den Senior Advisor Oberst Andy S. von der britischen Streitkräften bei allen technischen Fragen in Bezug auf Cyber Security fachlich zu beraten sowie die irakischen Offiziere beim Aufbau eines Security Operation Centre (SOCSecurity Operations Center) zu unterstützen.
Mein Alltag besteht aus Workshops, technischen Reviews, strategischen Abstimmungen und vielen Gesprächen. Es ist ein kontinuierlicher Austausch, der nur funktioniert, weil wir auf Augenhöhe als Team zusammenarbeiten.
Das offene Gespräch mit dem Direktor des Cyber Security Direktorats, Brigadegeneral Ahmed, ist ein wichtiger Bestandteil der Beratungsleistung von Oberst Andy S. und Leutnant Max F.
Bundeswehr/PAO DEU KrBGDCyberverteidigung kann nur im Team zu Erfolg führen, ein Grundsatz, der im multinationalen Umfeld umso mehr gilt. Ich arbeite eng mit Soldatinnen und Soldaten aus zahlreichen NATONorth Atlantic Treaty Organization‑Mitgliedstaaten und Partnernationen zusammen. Von Vorteil für meine Arbeit ist, dass ich meine Universitätsabschlüsse in Großbritannien abgeschlossen habe und Englisch auf einem sehr hohen Niveau spreche, eine Fähigkeit, welche für den Arbeitsalltag in NMI NATO Mission Iraq unabdingbar ist.
Die Mischung aus strategischer Beratung, technischem Tiefgang und interkultureller Zusammenarbeit macht meine Tätigkeit einzigartig. Es bereitet mir unfassbar viel Spaß, meine Erfahrungen aus meiner zivilen Beraterzeit nun im Auftrag der Bundeswehr im Irak anzuwenden und spürbar für die Sicherheit der Region beizutragen.
Auch wenn der Einsatz fachlich unglaublich bereichernd ist, fehlt mir der Alltag zu Hause. Über sieben Monate von Familie und Freunden getrennt zu sein, ist für alle Beteiligten eine große Belastung. Wieder in seinen eigenen vier Wänden zu sein und einen entspannten Sonnenuntergang an der Isar zu genießen, vermisse ich schon. Auch meine ehrenamtliche Tätigkeit im Rettungsdienst fehlt mir sehr.
Gleichzeitig weiß ich, dass mir mein Umfeld zu Hause den Rücken freihält und mir so die volle Konzentration auf meinen Auftrag ermöglicht. Dafür bin ich jeden Tag unfassbar dankbar.
Wenn ich im März wieder nach Hause zurückkehre, freue ich mich vor allem auf Zeit mit den Menschen, die mir wichtig sind. Beruflich reizt mich die Vorstellung, die im Einsatz gewonnenen Erfahrungen in meine Arbeit in Deutschland einfließen zu lassen – insbesondere die Punkte, die ich über Ausbildungsplanung hier gelernt habe, kann ich in meiner Dienststelle in Deutschland einbringen. Außerdem versuche ich, etwas von der hier gelernten irakischen Entspanntheit mitzunehmen. Das tut hin und wieder ganz gut, glaube ich.
von Max F.