Spezialisiertes Trainingsprogramm innerhalb der UN-Mission UNMISS
- Datum:
- Ort:
- Juba
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Jedes Jahr stellt die Bundesregierung erhebliche Mittel bereit, um die weltweiten Missionen und Einsätze der Vereinten Nationen (UN) zu unterstützen. Ein wesentlicher Teil dieser Unterstützung: Die Bundeswehr übernimmt eine zentrale Rolle bei der Planung und Umsetzung von Ausbildungen für die verschiedenen UN-Missionen.
Das In-Mission Training Team hilft der Führung des Hauptquartiers von UNMISS bei der Planung, Durchführung und Nachbereitung einer Stabsübung
Bundeswehr/Marc TessensohnEin Team von Spezialistinnen und Spezialisten der Bundeswehr ist dafür verantwortlich, die Kräfte ausgewählter UN-Missionen im Einsatzland zu schulen und zu trainieren. Die erfahrenen Offiziere und Unteroffiziere sorgen dafür, dass die eingesetzten Truppen und das zivile Personal optimal vorbereitet sind, um ihre anspruchsvollen Aufgaben in den Krisengebieten der Welt zu erfüllen.
Unter der Leitung von Oberst Gunther Wiedekind war ein solches Team im August 2024 im Force Headquarters (FHQ) der UN-Mission UNMISS (United Nations Mission in South Sudan) in Juba, der Hauptstadt des Südsudan, im Einsatz, wo Truppen der Vereinten Nationen seit der Unabhängigkeit des Landes bei der Friedenssicherung unterstützen. Das Team setzte sich aus zwei Unteroffizieren mit Portepee und fünf Offizieren zusammen. Die vor Ort durchgeführten Schulungen umfassten unter anderem sicherheitsrelevante Themen, operative Verfahren und die Vorbereitung auf Notfallsituationen.
Die Schulungen sind darauf ausgerichtet, die bereits laufenden Missionen zu optimieren. Ein zentraler Bestandteil ist daher das In-Mission Training (IMT). Dieses spezialisierte Trainingsprogramm wird innerhalb einer Mission durchgeführt, nachdem das Personal bereits im Einsatzgebiet angekommen ist. Es gewährleistet, dass die Einsatzkräfte ihre Aufgaben in der Mission effektiv und sicher erfüllen können.
Spezifisches Wissen und Fertigkeiten, die hierfür notwendig sind, werden neu vermittelt oder aufgefrischt. Zu den Themen des IMT gehören unter anderem die Sicherheitslage vor Ort, kulturelle Sensibilisierung, die Koordination zwischen verschiedenen Einheiten und Organisationen, Menschenrechte und der Schutz von Zivilisten.
Die Organisation von Schulungen innerhalb einer Mission erfolgt nach einem speziellen Verfahren, das unter dem Begriff Exercise Planning and Execution (EPX, deutsch: Übungsplanung und -durchführung) bekannt ist. Das Verfahren ist bei Friedenssicherungseinsätzen von zentraler Bedeutung. Es legt fest, wie Trainingsprogramme geplant und umgesetzt werden sollen, um das Personal vor Ort bestmöglich auf verschiedene Szenarien vorzubereiten, mit denen es während der Mission konfrontiert werden könnte. Auch die Schulungen im Südsudan wurden nach dem EPX-Verfahren umgesetzt.
Bei UNMISS wurde im Anschluss an die letzte intensive Ausbildungsübung vor Ort, die Command Post Exercise (CPX), Mitte August zudem ein sogenanntes Hot Wash-up durchgeführt. Dabei handelt es sich um ein schnelles, direktes Debriefing, das unmittelbar nach dem Abschluss einer Operation, Übung oder eines Einsatzes durchgeführt wird. Diese Nachbesprechung ist dafür gedacht, spontane Eindrücke und Erfahrungen festzuhalten, bevor sie verblassen. Geleitet wurde sie von Generalleutnant Mohan Subramanian, dem Force Commander der UNMISS aus Indien.
Generalleutnant Mohan Subramanian (r.), Force Commander bei UNMISS, war zur Nachbesprechung der Ausbildungsübung vor Ort. Dort bekam er einen direkten Eindruck über die Erkenntnisse und setzte direkt Änderungen um.
Bundeswehr/Marc Tessensohn
Am Ende der Ausbildungsübung stehen die Vertreterinnen und Vertreter aus dem UNMISS-Hauptquartier gefestigter zusammen und sind für Notsituationen gewappnet
Bundeswehr/Marc TessensohnGeneralleutnant Subramanian zeigte großes Interesse an den Ausbildungsresultaten und ließ sich die Ergebnisse vom Ausbildungsteam detailliert präsentieren. Er nutzte dabei die Gelegenheit, um die Herausforderungen und Probleme zu erläutern, mit denen die UN-Mission konfrontiert sei. In seiner Ansprache betonte er die Wichtigkeit eines kontinuierlichen Dialogs und Austauschs unter den Truppen und internationalen Partnern. Mit Teilnehmenden aus 70 bis 80 verschiedenen Nationen innerhalb der UNMISS sei ein offener und ehrlicher Austausch unerlässlich, um Missverständnisse zu vermeiden und gemeinsame Lösungen zu finden.
Während des Hot Wash-ups hatten auch die Vertreterinnen und Vertreter der beteiligten Nationen die Möglichkeit, ihre Eindrücke und Erfahrungen direkt zu teilen. Viele lobten die positive Atmosphäre während der Schulungen und die klaren Anweisungen, die vom Ausbildungsteam gegeben wurden. Gleichzeitig wurden aber auch konstruktive Vorschläge gemacht, wie zukünftige Ausbildungsdurchgänge noch effektiver gestaltet werden könnten. Diese unmittelbaren Rückmeldungen sind entscheidend, um aus den aktuellen Erfahrungen zu lernen und den Ablauf der UN-Mission im Südsudan kontinuierlich zu verbessern.
von Michael Michallek