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Unsichtbare Jäger: Sniper-Ausbildung in Litauen

Anerkannte Missionen
Datum:
Ort:
Rukla
Lesedauer:
2 MIN

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Rund 50 Kilometer nordöstlich der litauischen Hauptstadt Vilnius, unweit der weißrussischen Grenze, liegt der Truppenübungsplatz Pabradė. An diesem kühlen Morgen, in den ersten Märztagen, ist weit und breit niemand zu sehen. Bei frostigen drei Grad Celsius, leichtem Nieselregen und Nebel hört man das stumpfe Geräusch eines Schusses. Aus welcher Richtung kam der Schuss?

Zwei Soldaten liegen mit Moos getarnt im Wald

Fast unsichtbar: Sniper und Spotter liegen mit Moos bedeckt auf dem Waldboden

Bundeswehr/Anne-Sophie Zedler

Auf den ersten Blick nichts als Zweige, Moos und Tannenzapfen. Doch der Eindruck täuscht: Scharfschützen liegen mit ihrem Scharfschützengewehr G22 gut getarnt in ihren Stellungen. Zwar sind die Sichtverhältnisse nicht die besten, doch das stört die gut ausgebildeten Soldatinnen und Soldaten nicht. Denn ein Scharfschütze ist nie allein unterwegs, er legt sich immer mit seinem Spotter auf die Lauer. Dessen Aufgabe ist es, gezielt Objekte oder mögliche Ziele zu beobachten – auf eine Kampfentfernung von etwa 1.000 Metern.

Das berühmte Adlerauge kann diese Distanz zwar noch erfassen, der Spotter hingegen verlässt sich auf seine Optik. Dies vergrößert Ziele auf das 20- bis 60‑Fache, was eine frühe Aufklärung des Feindes ermöglicht. Den gesamten Vorgang bezeichnet man als Spotting. Das englische Verb „to spot“ bedeutet übersetzt so viel wie beobachten, orten und lokalisieren. Der Spotter klärt jedoch nicht nur das Ziel auf. Zusätzlich gibt er entscheidende Daten wie Entfernung und Windstärke an den Scharfschützen weiter.

Nur jeder Fünfte schafft es zum Sniper

Ein Soldat liegt getarnt im Wald mit der Waffe im Anschlag

Das Ziel ist stets, den Feind ins Visier zu nehmen und dabei unerkannt zu bleiben

Bundeswehr/Anne-Sophie Zedler


„Aller Anfang ist schwer, gerade für jene, die gute Sniper werden wollen“, berichtet Hauptfeldwebel Frank S. Die Herausforderungen beginnen bereits beim ersten Auswahlverfahren in der eigenen Einheit. Die Soldatinnen und Soldaten sollen an ihre Grenzen herangeführt werden, angefangen bei wenig Schlaf, spärlichem Essen bis hin zu hohem Zeitdruck.

Längst nicht alle, die am Auswahlverfahren teilnehmen, schaffen es. Weniger als 20 Prozent bestehen den Lehrgang und dürfen zur weiterführenden Ausbildung. Diese dauert etwas länger als ein Jahr. In dieser Zeit lernt man, wie man sich tarnt, sich leise und unauffällig bewegt und zusammen im Team agiert.


Zusammenhalt und Vertrauen

Scharfschütze und Spotter liegen in ihrer Stellung und nehmen den Feind ins Visier

Der Scharfschütze ist nie allein unterwegs, er bekommt Unterstützung von seinem Spotter

Bundeswehr/Anne-Sophie Zedler

Unabdingbar ist außerdem die Kameradschaft. Die Soldatinnen und Soldaten müssen sich blind auf ihre Kameradinnen und Kameraden verlassen können. Ganz egal, ob es sich um eine Übung oder den Ernstfall handelt. Sie werden in Dreiergruppen ausgebildet und müssen am Ende alle in der Lage sein, sich im Ernstfall gegenseitig zu ersetzen. Eine solche Aufgabe lässt sich nur mit bedingungslosem Vertrauen meistern. Die Scharfschützen versichern, sie vertrauten der ausgezeichneten Ausbildung ihres Gegenübers und würden füreinander die Hand ins Feuer legen. 

Ein norwegischer Soldat mit Gehörschutz redet mit einem am Boden liegenden deutschen Scharfschützen

Austausch zwischen den Nationen: In Litauen begegnen sich auch deutsche und norwegische Soldatinnen und Soldaten

Bundeswehr/Anne-Sophie Zedler

Interessant für die deutschen Scharfschützen sei es zudem, mit den Kameradinnen und Kameraden anderer Nationen zu trainieren, sich gegenseitig auszutauschen und gemeinsam Schießübungen durchzuführen. „Jeder neue Tag ist spannend“, sagen die Scharfschützen übereinstimmend und betonen ausdrücklich den Vorteil des Trainings in einem multinationalen Umfeld.

Trainiert wird durchgehend von morgens bis abends. Die Scharfschützen der Battlegroup Litauen gehen die Grundlagen und Abläufe immer wieder durch. Am Abend gönnen sich die Sniper endlich etwas Ruhe. Im Gegensatz zu anderen Berufsgruppen haben sie immer dann, wenn man sie bei der Arbeit nicht sieht, einen richtig guten Job gemacht.

von Anne-Sophie Zedler

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