60 Sekunden: Erkennungsmarke I Bundeswehr
Jede Soldatin und jeder Soldat der Bundeswehr hat sie – die Erkennungsmarke. Das Video erklärt alle Fakten in nur 60 Sekunden.
Die Erkennungsmarke gehört zu den persönlichsten Ausrüstungsgegenständen in den Streitkräften – jede ist so individuell wie die Person, die sie um den Hals trägt. Oft wird die Erkennungsmarke umgangssprachlich auch „Hundemarke“ genannt – historisch gesehen nicht ganz zu Unrecht.
Die Erkennungsmarke besteht aus nahezu unverwüstlichem Edelstahl und dokumentiert wichtige persönliche Daten. Die hier gezeigte Version hat noch die Kennung "GE". Aktuelle Modelle haben "DEU" eingeprägt, um Verwechslungen mit Georgien auszuschließen.
Bundeswehr/Andreas BienertWenn Soldatinnen oder Soldaten fallen, ist es wichtig, Ihre Identität eindeutig feststellen zu können. Nur so können beispielsweise die Angehörigen ohne Verwechselungsgefahr informiert werden. Durch eine Perforation in der Mitte lässt sich die Erkennungsmarke teilen. Die eine Hälfte wird für die notwendigen Formalitäten innerhalb der Bundeswehr benötigt, die andere verbleibt an der Gefallenen oder am Gefallenen.
Doch nicht nur dafür ist die Marke wichtig. Der Vermerk der Blutgruppe verschafft im Falle einer Verwundung wertvolle Zeit, wenn beispielsweise eine Transfusion notwendig sein sollte. Die Erkennungsmarke dient damit nicht nur der Identifikation, sondern rettet womöglich auch Leben.
Die Erkennungsmarke der Bundeswehr besteht aus hochfestem, feuer- und wasserfestem Edelstahl. Sie ist in zehn Felder unterteilt, die auf der oberen und unteren Hälfte spiegelbildlich identisch geprägt sind. Wenn die Hälften an der Sollbruchstelle getrennt werden, bleiben damit auf beiden alle Informationen zur Person erhalten. Die Prägungen auf der Marke sind genau festgelegt und verschlüsseln die Identität der Soldatinnen und Soldaten:
Alles auf einen Blick: Neben der eindeutigen Personenkennziffer zeigt die Erkennungsmarke unter anderem auch Angaben zu Blutgruppe und Nationalität
Bundeswehr/Astrid HöfflingSoldatinnen und Soldaten mit Spezialaufgaben nutzen zudem Erkennungsmarken, die nicht magnetisierbar sind. Diese sind auf der Rückseite mit der Prägung „NM“ versehen. Sie verursachen keine magnetischen Interferenzen und werden deswegen beispielsweise an die Kampfmittelräumer ausgegeben.
Die Idee einer Marke zur Identifikation von Soldaten entstand um das Jahr 1866 im Vorfeld des Deutsch-Österreichischen Krieges. Den entscheidenden Impuls soll dabei ein Berliner Handwerker 1864 gegeben haben, der dem preußischen Kriegsministerium vorschlug, Soldaten mit Identifikationsmarken auszustatten. Als Vorbild diente ihm die Berliner Hundesteuermarke, was der Marke schnell ihren bis heute bekannten Spitznamen einbrachte.
Das Tragen dieser „Erkennungszeichen-Marken“ war in den ersten Jahrzehnten noch freiwillig. Verpflichtend wurde es erst 1914 mit Beginn des Ersten Weltkriegs. Die typische Sollbruchstelle in der Mitte wurde 1916 eingeführt. So konnte eine Hälfte am Gefallenen verbleiben und die andere Hälfte zur Registrierung an die dafür zuständige Dienststelle geschickt werden.
Bis zum Zweiten Weltkrieg war es üblich, den Namen des Soldaten und den seiner Einheit auf der Marke einzustanzen. Mit Ausbruch des Krieges wurde die Marke anonymisiert, um dem Gegner keine Rückschlüsse auf Truppenbewegungen zu ermöglichen. Statt des Klarnamens wurden verschlüsselte Nummern oder Einheiten eingeprägt. Zudem wurde erstmals die Blutgruppe erfasst.
von Dennis Püschel