Soldat und Behinderung

Und was ist, wenn es doch passiert?

Soldat im Rollstuhl
Potrait von General Eberhard Zorn
Generalinspekteur der Bundeswehr, General Eberhard Zorn. Bundeswehr/Jana Neumann
"Nehmen Sie Hilfeangebote an"

Liebe Kameradinnen und Kameraden,
liebe zivile Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter,

schnell kann man dem Alltag entrissen werden und muss fortan unter völlig anderen Rahmenbedingungen weiterleben. Ursachen sind häufig Arbeits-, Wege- und Verkehrsunfälle oder auch plötzliche Erkrankungen. Uns allen ist jedoch bewusst, dass es auch während unseres Dienstes zu einsatzbedingten Verletzungen oder Verwundungen und zu einem anerkannten Grad der Behinderung kommen kann. Unabhängig von Ihrem persönlichen Schicksal gilt für Sie alle, dass wir Sie nicht allein lassen, sondern in die Mitte unserer Gemeinschaft nehmen und für Sie da sind!

Das Seminar „Soldat und Behinderung“ ist eines von vielen Angeboten innerhalb der Bundeswehr, Sie bei Ihrem Weg zurück in diese Gemeinschaft zu unterstützen. 2019 habe ich mich bei einem Besuch auf diesem Seminar selbst davon überzeugt, dass das vertrauensbildende Umfeld und das dort zustande kommende Netzwerk den Teilnehmerinnen und Teilnehmern helfen, einen neuen Alltag zu gestalten.

Bei meinen Truppenbesuchen treffe ich immer wieder auf Menschen mit Behinderungen. Sie alle leisten jeden Tag ihren Dienst aus Überzeugung und mit Stolz, weil die Bundeswehr ihnen, wie jedem anderen Bundeswehrangehörigen Vertrauen schenkt und Verantwortung überträgt.

Daher möchte ich Sie ermutigen, im Bedarfsfall die Hilfsangebote anzunehmen.

Ihr
Eberhard Zorn

Seminar Soldat und Behinderung

Mit der Einrichtung eines Seminars Soldat und Behinderung hat die Bundeswehr ihr Angebot der Fürsorge und Betreuung ihrer Soldatinnen und Soldaten erweitert. Betroffene werden in diesem Seminar über Besonderheiten, Schutzvorschriften sowie zielgerichtete Angebote informiert.

Zwei Menschen Informieren sich bei einem Vortrag über da Thema Soldat und Behinderung

Reger Informationsaustausch der Teilnehmer auf dem Lehrgang Soldat und Behinderung.

Bundeswehr/Verena Forth

In den Streitkräften haben ca. 1.000 Soldatinnen und Soldaten angezeigt, dass sie einen anerkannten Grad der Behinderung (GdB) haben. Nach einem Pilotprojekt in den Jahren 2012 bis 2013 hat BMVgBundesministerium der Verteidigung entschieden, pro Jahr vier Seminare Soldat und Behinderung mit jeweils 25 Teilnehmenden durchzuführen. Zielsetzung ist es, die Betroffenen umfassend zu den Inhalten der Sozialgesetzgebung, Unterstützungsleistungen und -angebote des Sozialdienstes und der Sanitätsdienstlichen Versorgung sowie der Vorgaben zur Personalführung bzw. Aufgaben der Interessenvertretungen zu informieren. Ausgewiesene Fachleute, meistens aus den zuständigen entscheidenden Referaten/Dezernaten selbst, tragen vor. Neben dieser Informationsvermittlung steht der unmittelbare Austausch der Teilnehmenden untereinander im Fokus. Wesentlicher Bestandteil des Seminars ist, Erfahrungen mit anderen Betroffenen auszutauschen, Synergien zu nutzen und sich zu vernetzen.

Aufgrund der Fülle an Informationen ist die Dauer des Seminars auf eine Woche festgelegt. Hierzu wird eigens ein Seminarhaus oder -hotel angemietet, in welchem die Seminarteilnehmer ohne störende Einflüsse dem Seminarangebot folgen können.  Für die Teilnehmenden wird auch hierdurch eine Art vertrauensvolle Atmosphäre geschaffen.  Behindertengerechte Zimmer und sanitäre Einrichtungen ermöglichen es, dass auch Menschen mit besonderem Handicap am Seminar teilnehmen können.

Ein Soldat steht vor einer Leinwand und präsentiert einen Vortrag

Auf dem Lehrgang Soldat und Behinderung wird ausführlich von den Fachleuten zur Thematik informiert und diskutiert. Hier durch Oberstarzt Dr. Andreas Lison vom Zentrum für Sportmedizin der Bundeswehr in Warendorf.

Bundeswehr/Verena Forth

Die Teilnahme an dem Seminar ist freiwillig und kann nur durch die Betroffenen persönlich beantragt werden. Begründet ist diese Vorgehensweise mit den privaten und ggf. besonders schützenswerten Angaben. Auf spezielle Umstände der Teilnehmenden (z.B. Begleithund, Rollstuhl, Katheter, zeitweise Freistellung vom Seminar wegen Dialyse etc.) wird individuell eingegangen; diese stellen keine Hürden zur Teilnahme dar.

Fazit:
Mit diesem Seminar werden den betroffenen Soldatinnen und Soldaten die Verfahren und Wege aufgezeigt, die sicherstellen sollen, dass sie vollumfänglich am dienstlichen und privaten Leben teilhaben können. Dabei sind auch Erfahrungen anderer Betroffener besonders wertvoll.

Als Teilnehmer sind vorgesehen:

  • Behinderte und schwerbehinderte Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr ab einem anerkannten GdB von 30 und/oder einer anerkannten Wehrdienstbeschädigung (WDBWehrdienstbeschädigung)
  • Soldatinnen und Soldaten in einem laufenden Anerkennungsverfahren (diese können nach Einzelfallprüfung seitens der Seminarleitung berücksichtigt werden)
  • Im Rahmen freier Kapazitäten richtet sich das Seminarangebot auch an Lotsinnen und Lotsen für Einsatzgeschädigte, Sozialarbeiter/innen und Sozialberater/innen sowie die hauptamtlichen Vertrauenspersonen der schwerbehinderten und gleichgestellten Menschen. Ihre Teilnahme dient dazu, das Wissen auf diesem speziellen und sensiblen Gebiet zu erweitern bzw. zu vertiefen.

Seminaroffizier:        0228 /43320-546
Seminarfeldwebel:   0228 /43320-572

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Das Team der Ansprechstelle stellt eine persönliche und vertrauensvolle Betreuung sicher.

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