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Schutz der NATO-Ostflanke

Deutschland und Niederlande übernehmen mehr Verantwortung im Baltikum

Landes- und Bündnisverteidigung

Deutschland und Niederlande übernehmen mehr Verantwortung im Baltikum

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Deutschland und die Niederlande übernehmen gemeinsam mehr Verantwortung für den Schutz der NATO-Ostflanke. Das 1. Deutsch-Niederländische Korps wird ab 1. Juli 2026 NATO-Landoperationen in Estland und Lettland führen. Für Litauen und Nordostpolen wird weiterhin das Multinationale Korps Nordost zuständig sein.

Deutsche und niederländische Soldaten stehen angetreten nebeneinander, ein Soldat hält eine Flagge

Angetreten zum Schutz des Baltikums: Soldatinnen und Soldaten des 1. Deutsch-Niederländischen Korps während der militärischen Übergabezeremonie an der estnisch-lettischen Grenze

Bundeswehr/Mario Bähr

Das 1. Deutsch-Niederländische Korps und das Multinationale Korps Nordost werden sich also künftig die Verantwortung für die Sicherheit des Baltikums teilen. Bislang war allein das Multinationale Korps Nordost für das Baltikum sowie den nordöstlichen Teil Polens zuständig. Künftig führt das 1. Deutsch-Niederländische Korps unter anderem die NATO-Truppen der estnischen Division und der multinationalen Division Nord, die für den Schutz Lettlands zuständig ist. Die in Litauen stationierte Panzerbrigade 45 der Bundeswehr untersteht weiterhin dem Multinationalen Korps Nordost. Gleiches gilt für die litauische NATO-Division und die multinationale Division Nordost, die von Polen aus operiert. 

Die Alliierten stehen zusammen

Im Verteidigungsfall werden aus den beiden taktischen Hauptquartieren in Münster (1. Deutsch-Niederländisches Korps) und Szczecin (Multinationales Korps Nordost) die Operationen der alliierten Landstreitkräfte im Baltikum geführt. Dazu gehören nicht nur die NATO-Truppen in Estland, Lettland und Litauen, sondern auch die nationalen Landstreitkräfte der baltischen Länder. Im Frieden werden in den Hauptquartieren Manöver und Maßnahmen zur wirksamen Abschreckung Russlands organisiert, Verteidigungspläne vorbereitet und neue Kräfte in die militärischen Strukturen vor Ort integriert. 

Künftig könnten bis zu 50.000 Soldatinnen und Soldaten ihre Befehle vom 1. Deutsch-Niederländischen Korps erhalten. Operative Erfahrung hat es reichlich: Es war 2003, 2009 und 2013 das Hauptquartier der internationalen Stabilisierungstruppe für Afghanistan (ISAF) und stand in den letzten 20 Jahren siebenmal für die schnelle Eingreiftruppe der NATO in Bereitschaft. Den Befehlshaber des Korps stellen im turnusmäßigen Wechsel beide Länder. Derzeit ist es Generalleutnant Peter Mirow aus Deutschland. Zudem dienen Soldaten und Soldatinnen aus 14 NATO-Partnerstaaten in dem Hauptquartier. Aufgestellt wurde das Korps 1995.

Das Korps wird seine Präsenz im Baltikum ab Herbst 2026 ausbauen. Dann wird ein sogenanntes Verbindungselement mit 16 Stabsoffizieren eingerichtet. Bis zum Herbst halten jeweils zwei Verbindungsoffiziere den Kontakt zu den Gastgebernationen Estland und Lettland.

NATO-Schutz für das Baltikum

Das Baltikum liegt ganz im Osten des europäischen NATO-Bündnisgebiets. Estland und Lettland teilen sich eine Grenze mit Russland, Litauen grenzt an Russlands Verbündeten Belarus und die russische Exklave Kaliningrad. Die drei NATO-Mitglieder wurden im Zweiten Weltkrieg von der Sowjetunion annektiert und wandten sich nach dem Ende des Kalten Krieges der Europäischen Union und der NATO zu. 

Spätestens seit Beginn des russischen Angriffskrieges in der Ukraine 2022 sehen die baltischen Staaten ihre Freiheit wieder durch Russland bedroht. Zudem gibt es nur eine schmale Landverbindung zwischen dem Baltikum und Zentraleuropa, den Suwalki-Korridor. Um Russland von einem Angriff abzuschrecken, hat die NATO ihre Truppenpräsenz in Estland, Lettland und Litauen massiv erhöht. NATO-Kampfjets schützen den baltischen Luftraum. Am Boden arbeiten die jeweiligen nationalen Landstreitkräfte mit multinationalen NATO-Verbänden zusammen. Deutschland übernahm dabei bislang vor allem in Litauen eine militärische Führungsrolle. Nun kommen im Schulterschluss mit den Niederlanden auch Estland und Lettland hinzu.

von Timo Kather

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