„Unsere Freiheit verteidigt sich nicht von selbst“
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- Berlin
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Die Bundeswehr stellt sich neu auf, um ihr volles Abschreckungspotenzial zu entfalten. Eine zentrale Rolle spielt die Reserve: Im Krisenfall ist sie für den Schutz der Heimat zuständig, weil die reguläre Truppe an der Ostflanke gebraucht würde. Das machte Boris Pistorius auf der Jahrestagung der Reserve deutlich.
Meldung an den Minister: Frau Generaloberstabsarzt Dr. Nicole Schilling begrüßt Verteidigungsminister Boris Pistorius auf der Jahrestagung der Reserve in Berlin. Die Reserve sei für Deutschlands Sicherheit wichtig wie nie, betonten beide im Anschluss
Bundeswehr/Christoph KassetteMindestens 200.000 Reservistinnen und Reservisten braucht die Bundeswehr in den nächsten Jahren, um mit ihren wachsenden Aufgaben in der Landes- und Bündnisverteidigung personell Schritt zu halten. Vor allem im Heimatschutz sind die militärisch ausgebildeten, aber nur zeitweise zur Truppe stoßenden Reservistinnen und Reservisten gefragt: Käme es zu einem bewaffneten Konflikt, müssten die regulären Soldatinnen und Soldaten an der Seite der NATO-Partner die europäische Ostflanke verteidigen. Der Schutz kritischer Infrastrukturen in Deutschland und die logistische Versorgung der Verbündeten würde folgerichtig in den Händen der Reserve liegen.
„Sie sind keine Ergänzung, die wir bei Bedarf einfach hinzuziehen. Sie sind ein integraler Bestandteil unserer Streitkräfte.“
Wie mehr Menschen für den zeitweisen Militärdienst gewonnen werden können, war eines der Themen auf der Jahrestagung der Reserve in Berlin. Jedes Jahr versammeln sich die Akteurinnen und Akteure des Reservistenwesens zur gemeinsamen Bestandaufnahme. Verteidigungsminister Boris Pistorius ließ es sich nicht nehmen, das Treffen mit einem Grußwort zu eröffnen.
„Ohne Sie können wir die Aufgaben, vor denen unsere Bundeswehr steht, nicht erfüllen“, stellte der Minister gleich zu Beginn klar. Das gelte für den Schutz des Landes, das gelte für die Verteidigung der Verbündeten, und das gelte auch für die Durchhaltefähigkeit im Ernstfall. Die Reserve sei nicht nur eine Ergänzung der aktiven Truppen, sondern ein integraler Teil der Streitkräfte. „Sie sind damit ein unverzichtbarer Bestandteil unserer Verteidigungsfähigkeit“, sagte Pistorius. Eine auf Landes- und Bündnisverteidigung ausgerichtete Bundeswehr brauche personelle Tiefe, so der Verteidigungsminister. „Ohne eine leistungsfähige Reserve ist glaubwürdige Abschreckung und wirksame Verteidigung auf Dauer nicht denkbar.“
Die Freiheit der Bundesrepublik Deutschland verteidige sich nicht von selbst, stellte Pistorius hervor. Viel sei für die Neuaufstellung der Reserve in die Wege geleitet worden: Um für personellen Aufwuchs zu sorgen, habe man den Neuen Wehrdienst eingeführt. Um die reguläre Truppe enger mit der Reserve zu verzahnen, sei die Strategie der Reserve überarbeitet worden. Und um mehr Verlässlichkeit bei der Heranziehung von Reservedienstleistenden zu bekommen, sei das Reservestärkungsgesetz in den Bundestag eingebracht worden. Dieses werde voraussichtlich im ersten Quartal 2027 in Kraft treten, schloss der Verteidigungsminister.
„Die Reserve muss Wirkung entfalten. Darauf kommt es an.“
Frau Generaloberstabsarzt Dr. Nicole Schilling ging anschließend weiter ins Detail. „Es hat sich sehr vieles sehr fundamental verändert“, sagte die für Reservistenangelegenheiten der Bundeswehr zuständige Stellvertreterin des Generalinspekteurs. Nun gelte es, dem vielfältigen Miteinander der Reserve eine gemeinsame Richtung zu geben. „Die Reserve muss Wirkung entfalten“, so Schilling. „Darauf kommt es an.“
Die Sicherheitslage im euro-atlantischen Raum sowie im Nahen und Mittleren Osten entwickele sich erstens dynamisch und zweitens nicht zum Positiven, führte Schilling weiter aus. „Das sorgt drittens dafür, dass wir in unseren Anstrengungen nicht nachlassen dürfen“, so die Reservistenbeauftragte. „Ohne Reserve wird Abschreckung überhaupt nicht funktionieren.“ Auch deshalb werde die Bundeswehr künftig auf keine Reservistin und keinen Reservisten mehr verzichten können, schloss Schilling.
von Timo Kather