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Abwehrsysteme

Laserwaffen der Bundeswehr: Was moderne Wirklaser heute können

Drohnen und komplexer werdende Bedrohungsszenarien bringen bewährte Verteidigungssysteme immer häufiger an ihre Grenzen: Raketen sind teuer, Munition begrenzt und Reaktionszeiten zu langsam. Damit rücken Laserwaffen in den Fokus militärischer Entwicklung und Erprobung. Die überzeugen durch Schnelligkeit, hohe Präzision und vergleichsweise niedrige Kosten.

Ein grauer Kasten mit runden und rechteckigen gläsernen Aussparungen sowie Laser-Warnaufklebern.

Bundeswehr/Dirk Bannert

Wirklaser zerstören ihre Ziele im Vergleich zu klassischen Waffen durch einen präzisen und fokussierten Laserstrahl, der auf einen vorher ausgewählten Punkt mit ausreichend Energie ausgerichtet wird. Dabei entsteht dort eine so hohe Wärmekonzentration, dass die Materialien sofort anfangen zu schmelzen, Strukturen geschwächt werden oder Elektronik Schaden nimmt. So können Ziele bekämpft werden, die Kilometer entfernt sind.

Ein Beispiel dafür ist das Lasersystem MILOS (Modular Integrated Laser Optical System), das zusammen mit weiteren Systemen von der Wehrtechnischen Dienststelle für Waffen und Munition (WTD 91) auf deren Laserteststrecke im niedersächsischen Meppen erprobt wird. MILOS ist ein kompakter, statischer Demonstrator, welcher in der jetzigen Bauform dazu verwendet wird, wenig bis nicht bewegliche Ziele zu zerstören. Dabei kann das System Munition wie Minen zur Detonation bringen, Kameras stören oder Zugänge öffnen – alles nur mit konzentriertem Laserlicht.

Präzise und portabel: Das Erprobungsmuster des MILOS überzeugte. Ziel ist es, die Leistung des Systems weiter zu verbessern, um die Wirkdistanz zu erhöhen oder die notwendige Einwirkdauer zu reduzieren. Gesteuert wird das System über ein handelsübliches Gamepad und einen Monitor mit Sicht auf das Ziel. Bei der Erprobung in Meppen hat sich gezeigt, dass die Operatoren diese Steuerung aus dem Alltag kennen und der Umgang somit vertraut ist.

Effektiver Schutz an Land und auf See

Ein weiteres System, welches in Meppen auf Herz und Nieren getestet wird, ist die Joint Universal Platform for Laser Integration, Test and Evaluation in Realtime, kurz JUPITER. Das deutsch-niederländische Projekt umfasst ein Modul des Systems GTK Boxer, in dem die erforderliche Technik einer Laserwaffe integriert und somit flexibel einsetzbar ist. Die JUPITER kann sowohl gegen Drohnen als auch gegen Munition eingesetzt werden. Mit dem System ist das Schießen während der Fahrt möglich, sodass es perspektivisch zum Konvoischutz genutzt werden kann. Die Kooperation zur Optimierung des Systems wird mit den Niederländern fortgeführt. 

Mobil, weil auf der Fregatte „Sachsen“ getestet, ist auch der Laserwaffendemonstrator des Beschaffungsprojekts „Hochpräzise und skalierbare Wirkung gegen agile/signaturarme Ziele im Nah- und Nächstbereich schwimmender Systemträger der Marine“, kurz HoWiSM. Über ein Radar erkennt der Bediener oder die Bedienerin Ziele in der Umgebung, kann sie dann ins Visier nehmen und den Zielpunkt auswählen – nach dem Prinzip „what you see, is what you hit“. Anschließend wird das anvisierte Ziel unschädlich gemacht. Sollte das Radar einmal ausfallen, kann sich das System auch voll auf die tageslichtunabhängigen und leistungsstarken Kamerasysteme verlassen und weiterhin Bedrohungen abwehren. Herausragend dabei ist die sogenannte Hintergrunddiskriminierung. Diese ermöglicht es auch auf lange Distanzen, Ziele präzise zu erfassen und während der gesamten Bekämpfung zu verfolgen. Zum Hafenschutz oder zum Plattformeigenschutz auf See soll das System bereits 2029 einsatzbereit zur Verfügung stehen.

Gegen Drohnenschwärme gerüstet

Das neueste System auf der Teststrecke in Meppen ist der Laserwaffendemonstrator 24, der für die Zielverfolgung auf großen Distanzen optimiert wurde. Diese Laserwaffe im Erprobungsstadium kann drei Münzen – Durchmesser je circa vier Zentimeter – die auf eine handelsübliche Drohne montiert sind, zielgenau auf große Distanzen durchschießen. Auf der Bedienungsoberfläche werden die Ziele nacheinander anvisiert und innerhalb von Sekunden durchschossen. Eingesetzt werden soll das System hauptsächlich zur Drohnenbekämpfung, aber auch gegen Raketen und Artilleriemunition ist ein Einsatz zukünftig denkbar. Das Tracking der Ziele, also das anvisierte Ziel auch bei Bewegung weiterzuverfolgen, übernimmt dabei vollständig die Software. Zukünftig sollen sich die Ziele auch KI-unterstützt auswählen lassen. So wird die Bekämpfung von immer schneller werdenden Drohnen weiter automatisiert, die Reaktionsgeschwindigkeit noch höher. Marktfähig soll das System ab 2028 sein.

Zielverfolgung auf große Distanzen: Die Laserwaffendemonstratoren zeigen ihr Können

Portätfoto eines Mannes mit hellroten, grauen Haaren und Bart Armin S. , Geschäftsfeldmanager Lasertechnik, WTD 91 Bundeswehr/Dirk Bannert
„Laserwaffen sind effektiv – das haben wir heute bewiesen. Zusammen mit der Industrie können wir die nächsten Schritte wagen.“

Vorteile und Herausforderungen

Die Vorteile von Laserwaffen sind klar: geringere Kosten pro Einsatz, keine Munition notwendig, hohe Präzision und eine nahezu sofortige Wirkung. Auf der Teststrecke der WTD 91 in Meppen werden die zukünftigen Lasersysteme auf ihre Wirksamkeit getestet und weiterentwickelt, damit sie der Truppe zeitnah zur Verfügung stehen. Denkbare Einsatzszenarien sind hier besonders der Liegenschaftsschutz und der Schutz der Soldatinnen und Soldaten. Außerdem ist mit Wirklasern vom Entschärfen eines Sprengsatzes auf wenige 100 Meter Entfernung bis zur Bekämpfung von Satelliten alles möglich.

Es gibt jedoch auch physikalische Faktoren, die den Waffen Grenzen setzen. Atmosphärische Einflüsse wie Nebel, Regen oder Staub können die Wirksamkeit des Laserstrahls reduzieren. Auch flirrende Luft am Boden kann die Präzision beeinflussen. Kritisch bei einer Laserwaffe sind auch die dafür notwendigen Fertigungstechnologien, die hohen Anforderungen an die Güte der Laser, Optiken, Kamerasysteme und Mechatronik. Hier sind viel Spezialwissen und Know-how für die Fertigung erforderlich. Darüber hinaus muss die Laserwaffe den harten militärischen Einsatzbedingungen genügen. Energiemanagement und Wetter werden bei der Auslegung solcher Systeme berücksichtigt, denn auch hier gilt: Eine Laserwaffe wird für ein gewisses Zielspektrum und Einsatzszenario optimiert, um so die Verteidigungsfähigkeiten der Bundeswehr sicherzustellen.

Auf dem Weg zur Marktreife

Wirklaser oder auch Laserwaffen gehören zu den technologisch spannendsten Entwicklungen innerhalb der Streitkräfte. Die Bundeswehr und ihre Partner in der Wissenschaft und der wehrtechnischen Industrie arbeiten mit Hochdruck daran, diese Systeme einsatzfähig zu machen. Seit über zwei Jahrzehnten forschen die Partner an waffentauglichen Lasern und Lasersystemen. Der nächste Schritt ist, diese zur Marktreife zu bringen. Für die Zukunft dürften die Laserwaffen vor allem eins sein: eine leistungsfähige Ergänzung zu klassischen Waffensystemen, um sich der ständig ändernden Bedrohungslage anpassen zu können.

von Anna Schmitt

Fragen und Antworten

Was versteht man unter sUAS?

Die Abkürzung steht für small Unmanned Aircraft System, also für ein kleines unbemanntes Luftfahrzeug – besser bekannt als Drohne. 

Wie zerstört ein Laser eine Drohne?

Mit dem Laserstrahl werden sensible Komponenten im Antriebsstrang der Drohne zerstört. Einer der Rotoren, der Akku, die Leitwerke oder der Motor sind dabei die effektivsten Ziele. 

Welche Vorteile haben die Wirklaser gegenüber Raketen?

Der Laser zeichnet sich durch seine Präzision aus und durch die Tatsache, dass er so lange wirken kann, wie ausreichend Energie zur Verfügung steht. Weil er keine Munition benötigt, hat ein Laser klare Vorteile in der Vermeidung von Kollateralschäden. Im Bereich Logistik und Durchhaltefähigkeit verspricht die Laserwaffentechnologie langfristig strategische Vorteile.

Welche Nachteile haben Wirklaser?

Die Wirksamkeit von Laserwaffen kann durch Sichtbedingungen auf das Ziel beeinträchtigt werden. Außerdem benötigen die Laser eine starke Energieversorgung und eine leistungsfähige Kühlung. 

Können Drohnenschwärme bekämpft werden?

Grundsätzlich ja. Die Abwehrsysteme können mehrere Ziele nacheinander schnell bekämpfen. Die Effektivität hängt von der Auslegung des Laserwaffensystems und der Anzahl der Drohnen ab. Das Radar kann dutzende Ziele erfassen und das Lasersystem diese nach Priorität und Bedrohungslage „abarbeiten“.

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