Cyber- und Informationsraum

Lagezentrum Cyber- und Informationsraum im Pilotbetrieb

Lagezentrum Cyber- und Informationsraum im Pilotbetrieb

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Lesedauer:
4 MIN

Im Gemeinsamen Lagezentrum werden alle Informationen aus der Dimension Cyber- und Informationsraum mit modernster Technik gebündelt, in einen Zusammenhang gestellt und ausgewertet.

Lars Ruth steht vor einem Bildschirm mit vielen Kacheln und Informationen

Fregattenkapitän Ruth erklärt eine Grafik auf der Bildschirmwand des gemeinsamen Lagezentrums

Bundeswehr/Martina Pump

Fregattenkapitän Lars Ruth ist ITInformationstechnik-Spezialist. Im Kommando Cyber- und Informationsraum ist er mitverantwortlich ein gemeinsames Lagezentrum Cyber- und Informationsraum aufzubauen, welches die militärisch relevante Lage aller relevanten Aspekte des Cyber- und Informationsumfelds miteinander korreliert. Am 24. Oktober ist der Pilotbetrieb gestartet. Im Interview erklärt Ruth den Fortschritt des Projektes und den künftigen gesamtstaatlichen Nutzen.

Herr Fregattenkapitän, ein Lagezentrum Cyber- und Informationsraum – was kann man sich darunter vorstellen?

Vereinfacht gesagt werden im Gemeinsamen Lagezentrum alle Informationen aus der Dimension Cyber- und Informationsraum mit modernster Technik gebündelt, in einen Zusammenhang gestellt und ausgewertet. Im Lagezentrum wird so eine bessere Einordnung und Bewertung verschiedenster Ereignisse im Cyber- und Informationsraum ermöglicht. Beispielsweise können so Informationen über Kommunikationsinhalte technischer Netzwerke mit deren technischen Parametern und den Informationen über deren Betreiber in Bezug zueinander betrachtet werden. Diese Verknüpfung unterschiedlicher „Datenwelten“ ist der eigentliche Mehrwert des Gemeinsamen Lagezentrums.

Die Rechte Hand des Herrn Ruth beim Bedienen des Multifunktionbildschirms

Information aus einer Hand - Detail Touchscreen im gemeinsame Lagezentrum

Bundeswehr/Martina Pump
Und dies gab es bisher nicht?

Nein, in der bisherigen Struktur war die Verantwortung für Lagebearbeitungen in den bestehenden Organisationsbereichen der Streitkräfte aufgeteilt. Dort war auch die notwendige Expertise anzutreffen. Die Aspekte des Cyber- und Informationsraums wurden bisher nicht zentral aufbereitet, gepflegt und analysiert.

Läuft diese Aufbereitung und Analyse denn dann vollautomatisch?

Ohne Personal funktioniert das natürlich nicht, der Personalansatz ist aber wie wir meinen mit rund 70 Personen sehr schlank. Zum einem werden dies Analysten sein, die an der Lageerarbeitung mitwirken. Zudem wird eine Gruppe, die Informationen, die im Lagezentrum gewonnen werden, in militärische Planungen des Organisationsbereich Cyber- und Informationsraum vorausdenken und einbringen. Sie erstellen die Wirkforderungen für Effekte im Cyber- und Informationsraum. Mit einer dritten Gruppe, dem Unterstützungselement für multinationale Einsätze, kann das Lagezentrum dann für einen ausreichenden Zeitraum 24/7 betrieben werden.

Diese Personen erstellen und bewerten also eine Gesamtlage für die Dimension Cyber- und Informationsraum. Weshalb ist so eine Gesamtlage eigentlich notwendig?

Der Cyber- und Informationsraum ist eine entscheidende Dimension für den Einsatz der Streitkräfte. Der Schutz der eigenen Informationstechnik und der Integrität eigener Informationen ist in seiner Bedeutung für den Erfolg des Einsatzes essentiell. Niemand mag akzeptieren, dass präzise Waffen korrumpiert und fehlgeleitet werden. Die Folgen würden verschlimmert, wenn unklar bliebe, wer Verursacher ist. Dieses Problem der Attribuierung lässt sich auch mit dem Gemeinsamen Lagezentrum nicht grundsätzlich lösen. Allerdings werden dort Ereignisse mit Daten korreliert, die man von mutmaßlichen Akteuren kennt. Durch die mathematische Aufbereitung der Daten und eine sehr komplexe Netzwerkanalyse kann man dann eine strukturierte Aussage über mögliche Zusammenhänge treffen. In der Folge kann dann aufgrund der Forensik eine weitere Analyse der Daten durchgeführt werden.

Am 24. Oktober ist das Lagezentrum nun in einem ersten Pilotbetrieb gegangen. Herr Fregattenkapitän, wie kam es dazu?

Ich war selbst ab Juni 2016 Mitglied des Aufbaustabs Cyber- und Informationsraum.  Uns wurde im Aufbaustab schnell deutlich, dass ein dringender Bedarf an einer gebündelten Lagebearbeitung und so einem eigens dafür zu schaffenden Gemeinsamen Lagezentrum besteht. Uns wurde aber auch klar, dass dies mit dem möglichen Personalansatz im Verhältnis zum komplexen Sachverhalt ohne Weiteres nicht realisierbar ist. Eine angemessene ITInformationstechnik-Unterstützung existierte noch nicht und musste erst entwickelt werden. In sieben Wochen wurde dann ein Demonstrator einer künftigen ITInformationstechnik-Struktur entwickelt, realisiert und getestet. Auf Grundlage dieses Demonstrators wird nun nach nur neun Monaten Entwicklungszeit das System in den Pilotbetrieb gehen. Die Entwicklung fand unter Nutzung agiler Managementmethoden und einer sehr engen Zusammenarbeit mit zivilen Firmen statt. Diese Form des Projektmanagements ist innerhalb der Streitkräfte bislang einmalig. Innerhalb von insgesamt nur zehn Monaten sind so ein ITInformationstechnik-System, ein Gebäude und ein Team entstanden, das eine Lage führen kann, die es bisher nicht gab.

Herr Fregattenkapitän, was ist denn nun der Nutzen für die Bundeswehr von diesem Lagezentrum für die Bundeswehr und gesamtstaatlich?

Die Erkenntnisse, die wir im Lagezentrum erarbeiten sind unmittelbar relevant für Aspekte militärischen Handelns. Sie ermöglichen es dem Inspekteur Cyber- und Informationsraum, den Streitkräften das gesamte Portfolio nicht-kinetischer Wirkmöglichkeiten anzubieten. So können wir die Effektivität des Einsatzes von Kräften erhöhen und die Möglichkeiten des gezielten Handelns in modernen Konflikten verbessern. Das Gemeinsame Lagezentrum kann aber auch einen erheblichen Beitrag zum Schutz der ITInformationstechnik-Systeme der Bundesrepublik Deutschland liefern, denn die Erkenntnisse können natürlich nicht nur rein militärisch genutzt werden. Die Realität zeigt, dass Konflikte zum Glück in der Regel unterhalb der Schwelle kriegerischer Auseinandersetzungen ausgetragen werden. Handlungsstränge im Rahmen auch hybrider Konfliktaustragung fordern jedoch eine gesamtstaatliche Reaktion des Ziellandes. So sind Erkenntnisse des militärischen Verantwortungsbereichs auch relevant für die staatliche Risikovorsorge im Generellen – eine Zusammenarbeit zwischen Behörden und staatlichen Ressorts sollte deshalb die Regel und nicht die Ausnahme darstellen. Hier können wir mit dem Lagezentrum einen wichtigen Beitrag leisten.

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