Heer

20 Jahre Ausbildung für Einsätze auf der ganzen Welt

20 Jahre Ausbildung für Einsätze auf der ganzen Welt

  • Zivil-Militärische Zusammenarbeit
  • Heer
Datum:
Ort:
Hammelburg
Lesedauer:
3 MIN

Am 27. Oktober 1999 nahm das Vereinte Nationen Ausbildungszentrum der Bundeswehr offiziell seinen Dienst auf. Seit nunmehr zwei Jahrzehnten werden an dieser zentralen Ausbildungseinrichtung Soldaten, zivile Mitarbeiter der Bundeswehr, Polizisten und Zivilisten für Einsätze auf der ganzen Welt vorbereitet und geschult.

Eine Soldatin mit einem hellblauen Basecap spricht mit Soldaten.

Die angehenden Militärbeobachter müssen zahlreiche Szenarien meistern, die ihnen in einem realen Einsatz ebenfalls begegnen können.

Bundeswehr/Sebastian Vogt

Im Juni 1999 begann die Bundeswehr, ihre Einsätze mit der Beteiligung an der Kosovo Force (KFORKosovo Force) auszuweiten. Aufgrund des damit verbundenen gestiegenen Ausbildungsbedarfs war es der Infanterieschule in ihrer damaligen Struktur nicht mehr möglich, die geforderten Ausbildungsumfänge zu bewältigen. Daher wurde das Vereinte Nationen Ausbildungszentrum der Bundeswehr (VNAusbZBw) innerhalb der Infanterieschule in Hammelburg aufgestellt. Das Zentrum nahm am 27. Oktober 1999 unter Eingliederung bereits bestehender Kräfte zur Einsatzvorbereitenden Ausbildung und der ebenfalls bereits seit 1993 durchgeführten Militärbeobachter-Ausbildung formal seinen Dienst auf.

Vorbereitung für Krisenreporter

Bei einer Übung suchen zwei Journalisten nach einer Explosion Schutz hinter einem Fahrzeug

Journalisten werden am VNVereinte Nationen Ausbildungszentrum in einem einwöchigen und möglichst realen Training auf ihren Einsatz vorbereitet.

Bundeswehr/Sebastian Vogt

Die Bundesregierung entschied 1999, deutschen Journalisten vor einem Einsatz in einer Krisen- und Konfliktregion eine Vorausbildung in Lehrgangsform anzubieten. Der Mord an zwei deutschen Journalisten und ihren Dolmetschern durch Unbekannte im Juni 1999 bei der KFORKosovo Force-Mission war Auslöser dieser neuen Ausbildung für Journalisten. Das Ergebnis war die Einrichtung von „Safety and Security Courses“ am VNAusbZBw ab November 1999.

Dieser Lehrgang entwickelte sich dann zu einer echten Erfolgsgeschichte: Die teilnehmenden Journalisten wurden nicht nur in ihrer Überlebensfähigkeit in Krisengebieten gestärkt, sondern auch mit der Bundeswehr als Institution vertraut gemacht. So konnte in weiten Teilen der Medienschaffenden das Wissen über die Bundeswehr insgesamt nachhaltig vertieft und die Darstellung der Bundeswehr als Ganzes in der Öffentlichkeit deutlich verbessert werden.

Eine Kompanie stellt Rollenspieler

Eine Soldatin tastet den Hinterkopf eines Soldaten ab, der vor ihr steht.

Die Teilnehmenden lernen auch, wie im Einsatzland zum Beispiel an einem Checkpoint Personenkontrollen ablaufen müssen.

Bundeswehr/Sebastian Vogt

In den folgenden Jahren weitete sich das Ausbildungsangebot der Bundeswehr zunehmend aus. Das Konzept der Einsatzvorbereitenden Ausbildung für Konfliktverhütung und Krisenbewältigung, kurz EAKK, wurde durch das VNAusbZBw unter Einbindung aller militärischen Organisationsbereiche entwickelt und im Sommer 2004 erstmals umgesetzt.

Mit der Entscheidung, die praktische Ausbildung durch eingespielte Szenarien zu erweitern, vergrößerte sich das Ausbildungszentrum um eine weitere Komponente. Im Dezember 2006 nahm eine Ausbildungs- und Unterstützungskompanie ihren Dienst auf. Sie stellt Soldaten als Rollenspieler für die einsatznahen Szenarien. Mit dieser weltweit einzigartigen Kompanie kann das VNAusbZBw die Ausbildung hochprofessionell umsetzen.

Zertifiziert durch die Vereinten Nationen

Ein Soldat führt an einem Darsteller, der am Boden liegt, eine durch, eine Soldatin beatmet eine Puppe.

Angehende UNUnited Nations-Militärbeobachter erhalten auch eine Sanitätsausbildung. Hier wird Erste Hilfe an einem Darsteller und einer Puppe trainiert.

Bundeswehr/Sebastian Vogt

Dies war der Beginn der Ausbildungskooperation „Fo(u)r Peace Central Europe (4-PCE)“. Seither führen alle vier Nationen einmal jährlich mit bis zu 80 Lehrgangsteilnehmenden und bis zu 400 Personen, die die Übung anleiten und Rollen spielen, gemeinsam diese Übung durch. „Mit dem Lehrgang leistet das Vereinte Nationen Ausbildungszentrum der Bundeswehr einen wichtigen Beitrag für die Einsatzbereitschaft der Vereinten Nationen. Wir bilden hochqualifiziertes Personal für UNUnited Nations-Missionen weltweit aus“, sagt Oberst Werner Klaffus, Kommandeur des Ausbildungszentrums. Um den multinationalen Ausbildungsverbund umfassend zu gestalten, werden neben internationalen Lehrgangsteilnehmern auch Instruktoren aus nahezu allen Ländern der Erde eingesetzt. Es ist daher keine Seltenheit, dass Lehrgangsteilnehmer und Ausbilder aus über 40 Nationen einen Ausbildungsdurchgang gemeinsam bestreiten.

Seit 2011 eine Dienststelle des Heeres

Soldaten mit blauen Basecaps sind zur Eröffnung einer Ausbildungsreihe auf grünem Rasen angetreten. Vor ihnen liegt ein See.

Seit zehn Jahren bildet das Ausbildungszentrum in Hammelburg zusammen mit seinen Partnerzentren angehende UNUnited Nations-Militärbeobachter für Einsätze auf der ganzen Welt aus.

Bundeswehr/Sebastian Vogt

Seit dem Jahr 2011 ist das VNAusbZBw eine eigenständige Dienststelle und untersteht nunmehr dem Ausbildungskommando des Heeres in Leipzig. Es ist außerdem seit 2015 das Kompetenzzentrum für die Ausbildung der zivilen Angestellten der Bundeswehr, die als Soldaten in Einsätze gehen. Die Ausbildungsinhalte wurden dafür vom Zentrum neu konzipiert und in weiten Teilen ausgearbeitet. „Die zivilen Mitarbeiter genießen meinen allerhöchsten Respekt. Auch sie stehen in den Einsätzen ihre Frau oder ihren Mann und bilden das Rückgrat der Truppe“, so Klaffus.

Nach nunmehr 20 Jahren blickt das in Hammelburg ansässige Ausbildungszentrum auf eine erfolgreiche Geschichte sowie ständig wachsende Kompetenz und Tradition zurück. Die Ausbildungsmöglichkeiten für jährlich etwa 2.500 Trainingsteilnehmende sind vielfältig. Sie werden den aktuellen Anforderungen der Einsätze ständig angepasst. Auch künftig wird das Zentrum gebraucht, seinen Beitrag zu einer einsatznahen und effektiven Einsatzvorbereitung zu leisten.

von Sebastian Vogt

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