Heer

36 Stunden bis Wislanien angreift

36 Stunden bis Wislanien angreift

  • Ausbildung
  • Heer
Datum:
Ort:
Bischofswiesen
Lesedauer:
2 MIN

Von der weiten, staubigen Wüste bis hin zur eisigen Felswand – Gebirgsjäger sind Spezialisten für den Kampf in jedem Gelände. Gerade aber die Verteidigung im Mittelgebirge bedarf im Vergleich zum Einsatz im Flachland als auch zum hochalpinen Gelände anderer Fähigkeiten. Das Führungspersonal der Reichenhaller Jager übt mit Unterstützung der Infanterieschule aus Hammelburg die Verteidigung im Mittelgebirge.

Vier Soldaten stehen im Wald an einem Hang, ein Soldat redet und gestikuliert.

Kompaniechef Major Christian Houben erläutert den anwesenden Soldaten die nächsten Handlungsschritte.

Bundeswehr/Bastian Wild

Nur 36 Stunden bleiben dem Bataillon bis zum Eintreffen des Feindes, der aus dem Staat Wislanien heraus angreift. In dieser fiktiven Ausgangslage müssen die Kompanien ihre Verteidigungsoperation, mit dem Namen Emsige Gams, auf dem Übungsplatz Silberg in Bischofswiesen planen. Vom ersten Vorbefehl des Bataillons bis zum Verteidigungsbeginn müssen alle Abläufe präzise durchdacht und vorbereitet sein. Dazu gehört auch das Erkunden der Stellungsräume, in denen die Soldaten gedeckt auf den Feind warten. Befehle werden vorbereitet auf Ebene der Kompanien und auch der Züge. Diese Abläufe sind der Ausbildungsschwerpunkt einer Weiterbildung für das Führungspersonal des Gebirgsjägerbataillons 231 aus Bad Reichenhall. Um die Reichenhaller Jager vier Tage lang auszubilden, sind extra Ausbilder und Schiedsrichter der Infanterieschule aus dem unterfränkischen Hammelburg nach Bad Reichenhall gereist.

Genaue Planung für eine flexible Verteidigung

Auf Waldboden liegen Zweige, Blätter, Schnüre, Steine, Infokarten mit taktischen Symbolen sowie farbliche Markierungen.

Der Geländesandkasten ist ein Miniaturmodell des Geländes aus natürlichen Materialien mit, wie in diesem Fall, farblichen Markierungen. An ihm kann der Befehl zu einer taktischen Lage mit einfachen Mitteln dargestellt werden.

Bundeswehr/Bastian Wild

„Die Verteidigung ist beweglich zu führen. Das ist keineswegs banal und erfordert einiges an Vorarbeit“, erklärt der Leiter des Übungszentrums der Infanterie, Oberstleutnant Björn-Ulrich Kohlbach, beim einleitenden Unterricht. Für verschiedene Phasen des Gefechts müssen die Soldaten ihre Stellungen und Wechselstellungen erkunden und die Logistik und Sanitätsversorgung berücksichtigen. Sperren, auf die der Feind während seines Angriffs auflaufen soll, müssen vorher angelegt werden. Obendrein müssen die Gebirgsjäger Möglichkeiten zur Feuerunterstützung, etwa durch Mörser, planen. Ob ihr Plan aufgeht, zeigt sich jedoch erst im Gefecht.

An der Führerweiterbildung nehmen nicht nur die Kompaniechefs und Zugführer, sondern auch Spezialisten aus dem Bereich Feuerunterstützung sowie der Pioniertruppe und des Sanitätsdienstes teil. Dabei wird der Kompaniechef zusammen mit seinem Kompanietruppführer als Teilnehmer in der Ausbildung genauso gefordert wie seine Zugführer. Sie alle werden entsprechend ihrer tatsächlichen Funktion in die Übung eingebunden.

Wo liegt die beste Stellung?

Mehrere Soldaten stehen an einem Waldhang bei Nebel und schauen ins Gelände.

Die Gebirgsjäger erkunden die Stellungen für die Verteidigung und besprechen die Ergebnisse mit Blick ins Gelände.

Bundeswehr/Bastian Wild

Bei allen Ausbildungsabschnitten müssen die Teilnehmenden das Gelände mit seinen Besonderheiten erfassen. Der Silberg hat den Charakter eines Mittelgebirges. Die Verteidigung in diesem Gelände unterscheidet sich sowohl vom Einsatz im Flachland als auch vom Einsatz im hochalpinen Gelände allerdings deutlich. Taktische Entscheidungen, wie die Wahl einer Stellung am Vorder- oder Hinterhang eines Berges, können entscheidend für den Ausgang der Operation sein. Genauso müssen die Anschlussversorgung und die Rettungskette dem Gelände angepasst werden. Bereits im Mittelgebirge kann die Unterstützung durch Tragtiere erforderlich werden, weil die Versorgung mit Fahrzeugen eventuell nicht mehr möglich ist.

Auch die erfahrenen Reichenhaller Jager lernen Neues und vertiefen Bekanntes, wie ihr Bataillonskommandeur, Oberstleutnant Dennis Jahn, betont: „Hier konnte sicherlich jeder Teilnehmer sein taktisches Verständnis in einer Verteidigungslage noch einmal auffrischen.“ Das Anwenden der Einsatzgrundsätze der Verteidigung sei deshalb so wichtig, weil dies auch aufgrund der Auslandseinsätze in den letzten Jahren zu kurz gekommen sei. Nach der fordernden Weiterbildung zieht der Kommandeur ein positives Fazit: „Das Ausbildungsziel haben wir definitiv erreicht und dafür möchte ich der Infanterieschule an dieser Stelle danken.“

von Andreas Gruber

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