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Sieben Tipps für eine erfolgreiche Rekrutenbesichtigung

Sieben Tipps für eine erfolgreiche Rekrutenbesichtigung

  • Ausbildung
  • Heer
Datum:
Ort:
Bischofswiesen
Lesedauer:
5 MIN

Eine Rekrutenbesichtigung ist ein Meilenstein für die Soldatinnen und Soldaten in der Bundeswehr. Schon immer ist sie die Abschlussprüfung einer Grundausbildung. Im Gelände müssen die Rekruten beweisen, dass sie in acht Wochen intensiver Ausbildung gelernt haben, Soldat zu sein. So meistern angehende Gebirgsjäger auf der Reiteralpe in Bayern gemeinsam ihre Rekrutenbesichtigung auf 1.600 Höhenmetern.

Ein Soldat gleitet auf dem Bauch durch den hellen Sand der Hindernisbahn.

Nach zwei Monaten als Soldat geben die Rekruten bei ihrer ersten großen Prüfung gemeinsam alles.

Bundeswehr/Marco Dorow

Die beiden Arme, die seit fast drei Stunden das Gewehr halten, werden langsam müde. Der 20 Kilogramm schwere Rucksack drückt. Auf einem höchstens schulterbreiten Pfad arbeiten sich die Beine Höhenmeter für Höhenmeter nach oben Richtung Schrecksattel. Wie an einer Perlenkette marschieren die Rekruten der Gebirgsjäger aus Bischofswiesen den Berg hoch. Dieser Marsch bringt sie einen Schritt näher an ihr Ziel und gleichzeitig an ihre Grenzen. Morgen früh beginnt unterhalb des felsigen Gipfels ihre Prüfung. Jeder möchte sie bestehen, die Rekrutenbesichtigung bei der Infanterie. Nach acht Wochen Ausbildung zeigen sie ihre Motivation, ihren Durchhaltewille und Zusammenhalt. Eigenschaften, die einen Gebirgsjäger auszeichnen.

Teile deine Kräfte für den Kampf ein

Vier Soldaten marschieren auf einem grauen, schmalen Pfad einen Berg hoch.

Kein Fahrzeug, sondern die eigenen Füße tragen Soldat und Gepäck im alpinen Gelände.

Bundeswehr/Marco Dorow

Etwa zehn bis vierzehn Höhenmeter pro Minute überwinden Gebirgsjäger im Marsch Richtung Gipfel. „Es kommt in erster Linie nicht auf die Geschwindigkeit an, sondern darauf, seine Kräfte einzuteilen und kampfbereit oben in die Kampfzone zu gelangen“, verdeutlicht die Kompaniechefin, Hauptmann Sandra Muth. Am Schrecksattel angekommen, legen jetzt auch die Rekruten in einer kurzen Pause ihre Tarnung an. Helme werden mit Ästen optisch an die Umgebung angepasst, das Gesicht mit Tarnschminke verdunkelt. Bereits jetzt beginnt für sie das taktische Szenar ihrer Abschlussübung. Morgen früh startet jedoch erst die eigentliche Prüfung im Stationskreislauf. Bis dahin wird draußen biwakiert, Streife gelaufen und der Alarmposten ausgelegt. Das Ziel: einen Platz zum Übernachten suchen und Kräfte sammeln. Unter dem Schutz der eigenen Sicherung wollen die Rekruten über Nacht dem rauen Bergwetter trotzen, um morgen früh durchstarten zu können.

Bewahre einen klaren Kopf

Vier Soldaten liegen im Gras und schießen mit ihren Gewehren.

Wenn der Nebel sich auflöst, beginnt am Morgen das Gefechtsschießen im Gebirge.

Bundeswehr/Marco Dorow

In der Früh leuchtet das Rotlicht der Kopflampe den Weg auf der Karte zur Schießanlage. Über Nacht hat es geregnet, die Sicht ist durch den Nebel sehr eingeschränkt. An der ersten Station müssen die ersten Rekruten beweisen, dass sie als Gruppe unter der Führung ihres Ausbilders den Feuerkampf aufnehmen können. Wie bewege ich mich möglichst geschützt im Gelände? Wie kommuniziere ich mit meinem Nebenmann unter Stress, um gemeinsam dem Feind das Annähern zu verwehren? Die Rekruten wollen heute zeigen, dass sie als Gruppe in der Verteidigung im Gebirge funktionieren. Dann die Meldung: „Feind auf 300 Metern erkannt, Bewegung von Ost nach West!“ Der Gruppenführer befiehlt nach der Meldung und der Lageinfo an seine Kameraden: „Fertigmachen zum Feuerüberfall!“

Reagiere flexibel

Zwei Soldaten legen einer Soldatin auf dem Boden einen Verband an.

Nach dem Gefechtsschießen müssen die Rekruten einen verwundeten Kameraden versorgen. Im Ernstfall müssen sie routiniert handeln können.

Bundeswehr/Marco Dorow

Die Gruppe hat das Gefechtsschießen gemeistert. Jetzt geht es in Schützenreihe unter gegenseitiger Sicherung zur nächsten Station. Plötzlich stoßen die Rekruten auf ihrem Weg auf eine verwundete Kameradin. Sofort müssen sie reagieren und zeigen, wie sie unter Feuerschutz einen Verwundeten mit ersten Maßnahmen versorgen und abtransportieren. Die Person hat eine Schusswunde sowie mehrere offene Brüche. Das Tourniquet, ein Hilfsmittel zum Abbinden für stark blutende Gliedmaßen, wird angelegt, um die Blutung vorerst zu stoppen. Der Helikopter ist angefordert. Mit dem Bergetuch müssen sie die verletzte Person unter Deckung bis an den Hubschrauber bringen.

Gib niemals auf

Ein Soldat überwindet mit einem Seilsteg eine tiefe Schlucht zwischen dem grauen Felsgestein.

Auf dem Bauch kraulen die Rekruten über ein Seil. Unter ihnen geht es in die Tiefe. Konzentration und Schwindelfreiheit sind gefordert.

Bundeswehr/Marco Dorow

Hier oben auf dem Hochplateau auf über 1.600 Meter lauert das ein oder andere Hindernis auf die Gruppe. Eine 30 Meter breite Schlucht muss überwunden werden. Gebirgsjäger nutzen dafür den Seilsteg. Über ein doppelt gespanntes Seil hangeln sie sich, an mehreren Karabinern befestigt, auf die andere Seite. Der Trick: Das rechte Bein baumelt nach unten, während die Arme ziehen und die Füße schieben. Die Technik, die auch Kommandokraul genannt wird, hilft dabei, sich in voller Gefechtsausrüstung über ein gespanntes Seil bewegen zu können. Ein geübter Soldat braucht für dieses Hindernis nur wenige Sekunden. Für die Rekruten ist das Überwinden noch ungewohnt. Besonders der starke Wind, der von der Seite bläst sowie Äste, die sich in den Weg stellen, erschweren die Überwindung.

Meistere besondere Herausforderungen

Ein Soldat hängt am Seil an einer grauen Felswand.

Besonderes Highlight bei der Rekrutenbesichtigung ist die Arbeit am Berg mit Seil und Klettergeschirr.

Bundeswehr/Marco Dorow

Die Arbeit mit Seil und Klettergeschirr ist für Gebirgsjäger ein übliches Verfahren. Auch die Rekruten werden bereits in ihrer Grundausbildung an das Thema herangeführt und das Vorgehen später in der Folgeausbildung vertieft. Dieser Zusatz macht die Grundausbildung bei den Gebirgsjägern einzigartig. Das Abseilen muss gelernt sein, um sich im felsdurchsetzten Gelände sicher bewegen zu können. Später werden sie lernen, auch schweres Gepäck mit dem Seil abzulassen. Bei der Rekrutenbesichtigung muss erst einmal die Gruppe eine einfache Felswand hoch- und wieder herunterkommen. Nichtsdestotrotz ist es eine Herausforderung, denn sie sollen beweisen, dass sie gelernt haben,  trittsicher und koordiniert vorzugehen. Im Eilmarsch geht es dann 1,5 Kilometer zur nächsten Station. Knapp acht Minuten braucht die Gruppe für diese Strecke. Keiner bleibt zurück, sollte ein Soldat ausfallen.

Lerne, Stress zu kontrollieren

Zwei Soldaten setzen ein Gewehr aus Einzelteilen, die in einer Holzkiste liegen, zusammen.

Auch nach einem Eilmarsch muss der Rekrut einen klaren Kopf bewahren und sein Wissen aus acht Wochen Ausbildung an der Waffe anwenden können.

Bundeswehr/Marco Dorow

Ein Infanterist muss die Waffe und das Funkgerät beherrschen. Ein beliebtes Training: Die Waffenkiste wird mit verschiedenen zerlegten Waffen gefüllt und die Soldaten müssen die Teile unterscheiden und zusammensetzen können. Rekruten lernen so, diese Aufgabe unter Zeitdruck und physischer Belastung zu meistern. Auch das Orientieren im Gelände sowie das Erkennen von Feind gehört zu den Aufgaben, die unter Stress funktionieren müssen.

Unterstützt euch gegenseitig

Vier Soldaten stehen auf der Hindernisbahn an einer grauen Holzwand. Einer hilft einem anderem mit der Räuberleiter.

Auf der Hindernisbahn unterstützen sich die Gebirgsjägerrekruten an jedem Hindernis. Das spart Zeit und Energie.

Bundeswehr/Marco Dorow

Die Rekrutenbesichtigung endet nach drei Tagen Gefechtsdienst im Gebirge und zahlreichen Eilmärschen an der Hindernisbahn. Hier geben sie gemeinsam noch einmal alles und unterstützen sich beim Überwinden der Hindernisse. Eine Erfahrung, die zusammenschweißt. Für den Großteil der 160 Rekruten endet die fordernde Rekrutenbesichtigung erfolgreich und mit den Worten der Kompaniechefin: „Ihre Rekrutenbesichtigung ist beendet.“ Sichtbar erleichtert geht damit der erste Meilenstein auf dem Weg zum Gebirgsjäger zu Ende. Die Dusche zum Abschluss haben sie sich verdient.

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Mehrere Soldaten marschieren mit Ausrüstung einen schmalen Bergpfad hoch.

Schritt für Schritt geht es für die Rekruten den Berg hinauf.

Bundeswehr/Marco Dorow
Ein Soldat nutzt Tarnschminke im Gesicht, um sich an die Farbe der Umgebung anzupassen.

Gemeinsam mit ihren französischen Kameraden legen die Rekruten nach dem Marsch ihre Gesichtstarnung an.

Bundeswehr/Marco Dorow
Zwei Soldaten liegen getarnt auf dem Boden und halten Ausschau nach dem Feind.

In Stellung mit Blick ins Tal nach alter Gebirgsjägerweisheit: „Wer die Höhen hat, hat die Tiefen.

Bundeswehr/Marco Dorow
Zwei Soldaten bauen gemeinsam im Wald ihre Zelte auf und werfen einen Rucksack.

Am Platz der Gruppe beginnen die Vorbereitungen für die Nacht.

Bundeswehr/Marco Dorow
Drei Soldaten werden in dunkler Nacht unter Rotlicht in das Klettergeschirr eingewiesen.

Die Rekruten bereiten sich auf das Klettern vor.

Bundeswehr/Marco Dorow
Ein Soldat hält zwei Magazine mit gold-blauer Munition in der linken Hand.

Bevor der Feind bekämpft wird, müssen die Rekruten aufmunitionieren.

Bundeswehr/Marco Dorow
Vier Soldaten mit Gepäck marschieren und tragen einen verwundeten Soldaten bei einer Übung auf einem Waldweg.

Der erste Ausfall: Rekruten tragen einen verwundeten Soldaten.

Bundeswehr/Marco Dorow
Ein Soldat rutscht auf dem Bauch über ein Seil, das über eine Schlucht gespannt ist.

Am Seilsteg müssen die Soldaten die Nerven bewahren.

Bundeswehr/Marco Dorow
Vier braune und graue Kühe stehen auf einer grünen Wiese nebeneinander und schauen in die Kamera.

Die Rekruten werden bei ihrer Prüfung neugierig beäugt.

Bundeswehr/Marco Dorow
Zwei Soldaten gleiten mit ihrer Waffe unter Drähten entlang, die bodennah gespannt sind.

Vor schönstem Alpenpanorama müssen die Rekruten gemeinsam die anstrengende Hindernisbahn überwinden.

Bundeswehr/Marco Dorow
Viele Soldaten nutzen den Hochdruckreiniger in einer Waschhalle nach der Rekrutenbesichtigung.

Geschafft! Nach der anstrengenden Prüfung wird erst einmal alles saubergemacht.

Bundeswehr/Marco Dorow

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von Peter Müller

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