Heer
Ausbildung im SIRA-Stützpunkt

Aufklärer im digitalen Gefecht

Aufklärer im digitalen Gefecht

  • Digitalisierung
  • Heer
Datum:
Ort:
Hammelburg
Lesedauer:
3 MIN

Ende Januar hat sich das Aufklärungsbataillon 13 aus Gotha im SIRA-Stützpunkt Hammelburg auf die Zertifizierung seines Gefechtsstandes vorbereitet. SIRA steht für simulationsgestützte Rahmenübung und bedeutet Führungsprozesse werden ausschließlich digital am Computer trainiert. Für die nächsten drei Jahre wird das Bataillon eine Führungsrolle auf NATO-Ebene spielen.

Zwei Soldaten zeigen mit Stiften auf eine aufgehängte Landkarte, auf der verschiedene Stellen mit Pinnadeln markiert sind.

Die klassische Lagekarte wird auch in der digitalen Übungsanlage SIRA noch von Hand geführt. Volle Konzentration ist gefordert, um alle Lagemeldungen an den richtigen Stellen einzutragen.

Bundeswehr/Tim Bartelmeh

Von 2022 bis 2024 übernimmt das Aufklärungsbataillon 13 mit seinem Kommandeur, Oberstleutnant Friedrich Biebrach, die Führung der ISRIntelligence, Surveillance and Reconnaissance-Kräfte der NATO Response Force (Land), der multinationalen Eingreiftruppe des westlichen Verteidigungsbündnisses. ISRIntelligence, Surveillance and Reconnaissance steht für Intelligence, Surveillance and Reconnaissance (Nachrichtenwesen, Überwachung und Aufklärung).

Im Oktober 2021 kamen Vertreter aller sechs europäischen Nationen, die sich an diesen ISRIntelligence, Surveillance and Reconnaissance-Kräften beteiligen, zu einem multinationalen Workshop in Gotha zusammen, um ihre Einsatzgrundsätze zu präsentieren. Die unterschiedlichen Fähigkeiten und Mittel der multinationalen Partner erweitern das Spektrum der Gothaer Aufklärer um ein Vielfaches und fordern die Führung besonders.

Das dabei gewonnene Verständnis wurde nun während der SIRA-Ausbildung in Hammelburg in die Tat umgesetzt. Das Szenario: Der Gegner greift aus dem Raum Südthüringen Richtung Schweinfurt an und versucht die Brückenübergänge über den Main zu nehmen. Tatsächlich bewegt sich kein einziges Gefechtsfahrzeug: Denn SIRA ist ein Gefechtsübungssimulationssystem und alles läuft nur über die Computer.

Fünf internationale Partner beteiligt

Sechs Soldaten sitzen an einem Tisch mit Laptops. Einer von ihnen hält einen Kopfhörer ans Ohr.

Im SIRA-Stützpunkt wird vor allem der Führungsprozess geübt. Wie in der Realität steht der Bataillonskommandeur mit seinen Einheiten per Funk in Verbindung und ist auf deren korrekte Meldungen angewiesen.

Bundeswehr/Tim Bartelmeh

Lagestudium, Einteilung des Personals und Vorbereitung aller Führungsunterlagen – dies alles ist schon am Heimatstandort geschehen. In Hammelburg angekommen, gilt es, Zellen und Gefechtsstand aufzubauen sowie SIRA-Bediener auszubilden. Die fünf internationalen Partner werden durch Personal des Aufklärungsbataillons 13 im System abgebildet und geführt, immer eng an den im Oktober gemeinsam erarbeiteten Einsatzgrundsätzen.

Auch ohne die internationalen Partner ist die Befehls- und Kommandosprache bereits Englisch. „Die sich ständig ändernde Lage, das Entwickeln neuer Pläne und Verfassen neuer Befehle ist während des laufenden Gefechts schon sehr anspruchsvoll. Dies alles auf Englisch ist nochmal eine besondere Herausforderung“, schildert Oberstleutnant Biebrach seine Erfahrungen als Führer des virtuellen Bataillonsgefechtsstandes.

Modernes Führungssystem im Heer

Eine Soldatin sitzt vor einem Laptop und tippt.

Mit Sitaware, dem neuen Führungsinformationssystem des Heeres, werden Nachrichten und Lagemeldungen zwischen den Gefechtsständen ausgetauscht.

Bundeswehr/Tim Bartelmeh

Die gemeldeten Aufklärungsergebnisse der Kompanien laufen per Sitaware, dem neuen Führungsinformationssystem des Heeres, auf dem Bataillonsgefechtsstand zusammen. Dann heißt es, alle Informationen zu einem bewerteten Lagebild zusammenzufassen. Durch Lageeinspielungen der Übungssteuerung entsteht für das Personal auf dem Gefechtsstand und den Kommandeur regelmäßig die Notwendigkeit, die eigene Absicht anzupassen und neu zu planen. Dieser Prozess lässt sich am SIRA-Stützpunkt hervorragend in Echtzeit abbilden. Der neue Entschluss des Bataillonskommandeurs wird anschließend entweder per Funk oder per Sitaware wieder an die Kompaniechefs verteilt. Diese wiederum passen ihre Konzepte an die Absicht des Kommandeurs an und setzen diese um.

Rückgriff auf die Lagekarte

Die während dieser Woche gesammelten Erfahrungen und Eindrücke haben ein weiteres Mal gezeigt, wie wichtig es ist, digitale und analoge Lagekarten parallel zu führen. Fallen die modernen Führungssysteme aus, wie es in der Übung simuliert wurde, braucht es altmodisch Karte und Folienstift, um führungsfähig zu bleiben. Elektronische Systeme wie Sitaware erleichtern zwar das Koordinieren der Kräfte, bleiben am Ende aber eben nur „Hilfs“-Mittel für den militärischen Führer.

Das Urteil des Bataillonskommandeurs fällt positiv aus: „Ich bewerte den SIRA-Durchgang als sehr gewinnbringend für das Bataillon. Wir konnten noch bestehende Ausbildungslücken auf Ebene des Bataillonsgefechtsstandes identifizieren und haben nun bis zur nächsten Großübung im März Zeit, diese zu schließen“, so Oberstleutnant Biebrach. Für den Januar 2023 hat sich das Aufklärungsbataillon bereits wieder zur Übung angemeldet.

von Tim Bartelmeh

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