Heer

Digitales Führen in der Bündnisverteidigung

Digitales Führen in der Bündnisverteidigung

  • Multinationalität
  • Heer
Datum:
Ort:
Pabrade
Lesedauer:
4 MIN

Sie ist ein Klassiker unter den Übungen: die computergestützte Stabsübung der 10. Panzerdivision, genannt Schneller Degen. In diesem Jahr wurde sie erstmals auf dem Gebiet des NATO-Partners Litauen ausgerichtet. Auch bei hohen Temperaturen stellten die Soldatinnen und Soldaten der Division ihre Leistungsfähigkeit unter ihrem Motto „zuverlässig – beweglich – schnell“ unter Beweis.

Ein deutscher Soldat knotet mit seinen Händen ein Kabel an einen Mast unter einem grünen Tarnnetz.

Ein Soldat hilft im litauischen Nemenčinė beim Aufbau des Gefechtsstandes.

Bundeswehr/Lydia Birl

Das Ziel des Divisionsstabes war es, Führungselemente, wie Stäbe und Gefechtsstände der Panzerbrigade 12, der Panzergrenadierbrigade 37, der Gebirgsjägerbrigade 23 und der litauischen mechanisierten Infanteriebrigade Iron Wolf in der Planung und Führung von Operationen in der Landes- und Bündnisverteidigung zu trainieren. Die simulationsgestützte Gefechtsstandübung fand mit Schwerpunkt vom 19. bis zum 31. Juli 2021 im litauischen Nemenčinė und in Pabradė sowie, mit Unterstützung des Gefechtssimulationszentrums des Heeres, in Wildflecken statt. Dort in Bayern war zudem auch ein Team der USUnited States Army Europe eingebunden.

Von Deutschland nach Litauen

Mehrere deutsche Soldaten verlassen über eine weiße Treppe ein graues Passagierflugzeug auf einem Flugplatz.

Angehörige der 10. Panzerdivision landen mit einer deutschen Militärmaschine im litauischen Vilnius, um an der Übung Schneller Degen 21 teilzunehmen.

Bundeswehr/Schmidt

Das Training in diesem Jahr in Litauen musste durch die Pandemie vom Winter auf den Sommer verlegt werden. Hierfür wurden der vorgeschobene Divisionsgefechtsstand, die Gefechtsstände der Brigaden, die Übungsauswertung und Teile der Übungsorganisation nach Litauen verlegt, während der Basisgefechtsstand der Division und weitere Truppenteile in Wildflecken verblieben, um von der Ferne aus zu unterstützen.

Der Vorteil: Durch die Übung konnte die 10. Panzerdivision mit Gefechtsständen unterschiedlicher Führungsebenen die Verlegung und Anbindung über weite Entfernungen, bei notwendiger Unterstützung der Gastnation Litauen, realistisch planen und umsetzen. Dies war insbesondere für die Panzergrenadierbrigade 37 in ihrer Vorbereitung auf den Auftrag in 2023 als künftige Speerspitze der NATO, als Very High Readiness Joint Task Force (VJTFVery High Readiness Joint Task Force ), von Bedeutung. Für die Brigade bot die Übung daher einen großen Erkenntnisgewinn.

Zwei litauische Soldaten stehen neben zwei zivilen Pressevertretern unter einem grünen Tarnnetz.

Sogar die litauischen Medien berichten über die Übung Schneller Degen 21.

Bundeswehr/Schmidt

Die Übung Schneller Degen 21 ist jedoch mehr als eine Stabsübung. Die 10. Panzerdivision stellte mit ihr, im Anschluss an ihren früheren Auftrag, Verbände und Einheiten für die anerkannte Mission Enhanced Forward Presence (EFPEnhanced Forward Presence) in Litauen ab, ein weiteres Mal ein sichtbarer Beitrag der deutschen Bündnissolidarität zu Litauen. Zusätzlich intensivierte die Division damit ihre Partnering-Funktion gegenüber dem NATO-Mitglied. Ein weiterer Erfolg: Die Zusammenarbeit zwischen den Großverbänden aus Litauen, den USAUnited States of America und Deutschland wurde vertieft.

Mit der Karte in der Hand stehen zwei deutsche Soldaten draußen auf einem goldbraunen, grünen Feld.

Die Geländeerkundung führt die Soldaten in unbekanntes Terrain, unweit von Panevėžys, nördlich der litauischen Hauptstadt Vilnius.

Bundeswehr/Schmidt

Die Übung ist nicht nur für das Deutsche Heer ein Meilenstein und ein Zeichen seiner Leistungsfähigkeit und Leistungsbereitschaft in der Bündnisverteidigung, sondern auch ein deutliches Zeichen von Glaubwürdigkeit und Verlässlichkeit des Bündnisbeitrages, insbesondere gegenüber Litauen. Interoperabilität ist eine wesentliche Voraussetzung für gemeinsame Bündnisverteidigung. Sie muss durch gemeinsame Ausbildungen und Übungen und einen gegenseitigen vertrauensvollen Informationsaustausch gesteigert werden. Stabsübungen, wie Schneller Degen 21, sind ideal, um digitale Führungsprozesse im gemeinsamen Verteidigungsbündnis mit Alliierten zu erproben und weiterzuentwickeln. Somit wird auch die Digitalisierung des Heeres vorangetrieben.

Große Gastfreundschaft

Ein Fahrzeug in grün wird durch Soldaten in orangen Westen unter einer gelben Hebeanlage am Verladebahnhof in Šeštokai beladen.

Am Verladebahnhof in Šeštokai kommen Fahrzeuge und Material für die Übung Schneller Degen 21 an.

Bundeswehr/Thomas Schulze

Zwar übten nur die Stäbe der 10. Panzerdivision und die der Brigaden, doch war deren Verlegung eine logistische Kraftanstrengung. Als ein wichtiger Schlüsselfaktor für den Übungserfolg war und ist die Unterstützung der Gastnation Litauen zu sehen. Deren Landstreitkräfte hatten dazu eine Verbindungsorganisation aufgebaut, die nach der Wahrnehmung der deutschen Verantwortlichen ihnen jeden Wunsch von den Augen ablas. Dabei verfügt der geografisch und demografisch viel kleinere NATO-Partner über wesentlich weniger finanzielle Ressourcen als Deutschland. Das Bruttoinlandsprodukt Litauens betrug 2020 rund 46 Milliarden Euro, das Deutschlands 3.336 Milliarden Euro. Divisionskommandeur Generalmajor Ruprecht von Butler sprach von einer „tiefen Dankbarkeit“ der 10. Panzerdivision.

Der Stab der 10. Panzerdivision einschließlich des vorgeschobenen Gefechtsstandes und der Übungsleitung befand sich im General Adolfas Ramanauskas-Gefechtsausbildungszentrum der litauischen Streitkräfte in Nemenčinė, nördlich von Vilnius. Dort konnte man auf die vorhandene Infrastruktur, wie beispielsweise Unterbringungsmöglichkeiten, zurückgreifen. Für die Planung stand ein riesiger Konferenzraum ausgestattet mit einer überdimensionalen Karte des Operationsgebietes sowie Bildschirme zur grafischen Darstellung und für Videokonferenzen mit dem Stab in Wildflecken zur Verfügung. Dort fand die taktisch-technische Simulation statt. Ein vor Ort vorhandenes Kino wurde zu einem täglichen Rückblick, dem sogenannten After Action Review, genutzt. Die Brigadestäbe waren auf dem Truppenübungsplatz Pabradė untergebracht.

Präsident kommt in Uniform

Mehrere Soldaten verschiedene Nationen stehen bei einer Zeremonie auf einem betonierten Platz vor vielen Flaggenmasten.

Der Inspekteur des Heeres, Generalleutnant Alfons Mais (M.), grüßt den Präsidenten Litauens, Gitanas Nausëda, (l.) in Pabradė.

Bundeswehr/Schmidt

Zu jeder größeren Übung gehört ein Besuchertag, der Distinguished Visitors Day, mit ranghohen Vertretern aus Militär und Politik. „Unsere Herzen freuen sich“, sagte dabei etwa der Vize-Verteidigungsminister Litauens, Vilius Semeška, über die Anwesenheit der Deutschen. Er schlug vor, einmal die Verlegung einer kompletten Division von Deutschland nach Litauen zu trainieren. Wie wichtig der Baltikstaat der Schnelle Degen 21 ist, zeigte an einem anderen Tag auch der Präsident Litauens Gitanas Nausëda. Zur Überraschung vieler trug der Präsident Uniform – allerdings ohne militärische Rangabzeichen. Nausëda würdigte den Beitrag Deutschlands zur Bündnisverteidigung und zur Unterstützung Litauens im Kampf um Frieden und Freiheit.

Reaktionen von Gästen

Eine Zivilistin steht zwischen grünen Containern eines Gefechtsstandes neben mehreren Soldaten in Uniform.

Die Wehrbeauftragte Eva Högl spricht mit Soldatinnen und Soldaten auf dem vorgeschobenen Gefechtsstand der Panzerbrigade 12 in Pabradė.

Bundeswehr/Rebecca Schneider

Beim Abschlussappell dankte Divisionskommandeur von Butler allen Beteiligten, insbesondere dem Unterstützungspersonal für ihre Leistungsbereitschaft. Auch Generalleutnant Valdemaras Rupšys, der Verteidigungsminister Litauens, zeigte sich mehr als erfreut über die Übung und die geglückte Zusammenarbeit. Schließlich trainierte die litauische Iron Wolf-Brigade erstmals unter der Führung einer deutschen Division. Damit wurde sogar ein kleines Stück Militärgeschichte geschrieben. Und was sagt die Wehrbeauftragte des Deutschen Bundestages, Eva Högl, die zusammen mit dem Inspekteur des Heeres, Generalleutnant Alfons Mais, zu Besuch war? Sie lobte die Professionalität der Truppe: „In Litauen hatte ich die Gelegenheit, mit vielen Soldatinnen und Soldaten zu sprechen. Ich freue mich, dass hier alles so gut klappt und die Übung ein Erfolg ist“, so die Politikerin nach ihrem Besuch.

Die Übung Schneller Degen 21 ist zu Ende. Während das Unterstützungspersonal aktuell in Litauen mit dem Rückbau und der Rückführung des Materials beschäftigt ist, darf Bilanz gezogen werden: Das Motto der 10. Panzerdivision - „zuverlässig - beweglich - schnell“ - hat auch bei Schneller Degen 21 gepasst.

Training der digitalen Führung

Mit der computergestützten Stabsübung Schneller Degen 21 zeigt die 10. Panzerdivision, wie digitale Führungsprozesse zwischen NATO-Partnern trainiert und für ein Szenario der Landes- und Bündnisverteidigung vorangebracht werden.
von Rainer Wenning

Über die Übung Schneller Degen 21

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