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Technikprüfung

Fallschirmjäger testen neue Nachtsichtbrille im Sprung

Fallschirmjäger testen neue Nachtsichtbrille im Sprung

  • Ausrüstung und Technik
  • Heer
Datum:
Ort:
Stadtallendorf
Lesedauer:
5 MIN

Nachtkampffähigkeit ist auf dem modernen Gefechtsfeld unerlässlich. Deshalb erprobt das Amt für Heeresentwicklung gemeinsam mit Fallschirmjägern der Division Schnelle Kräfte (DSKDivision Schnelle Kräfte) die neue Nachtsichtbrille nun auch für den Fallschirmsprungeinsatz.

Auf einem weißen Tisch liegt eine hellbraune Nachtsichtbrille.

Die Truppe nutzt derzeit verschiedene Nachtsichtbrillen in unterschiedlichen Einsatzbereichen. Die Nachtsichtbrille MIKRON soll die Eigenschaften aller Modelle vereinen.

Bundeswehr/Torsten Kraatz

In einer mehrtägigen Erprobung in Stadtallendorf wird die neue Nachtsichtbrille der Bundeswehr, diesmal bei den Fallschirmjägern, auf Herz und Nieren geprüft. Gemeinsam mit dem Fallschirmspezialzug des niedersächsischen Fallschirmjägerregiments 31 in Seedorf wollen drei Spezialisten sehen, ob die Brille fallschirmsprungtauglich ist – bei Helligkeit und Dunkelheit.

Stabsfeldwebel Martin Müller ist Berater im Stab der DSKDivision Schnelle Kräfte für die sogenannte vertikale Verbringung, wie das Absetzen mit dem Fallschirm auch genannt wird. Zu seinen vielen Aufgaben zählt die Weiterentwicklung des Materials der Fallschirmjägertruppe. Regelmäßig sucht er daher Verbindung zum Amt für Heeresentwicklung in Köln, das sich mit der konzeptionellen Weiterentwicklung der Truppe von morgen beschäftigt. Hauptmann Heiko Niebus verrichtet hier seinen Dienst im Dezernat Materielle Weiterentwicklung Infanterie. Gemeinsam mit Oberstabsfeldwebel Steffen Palmroth hat Niebus die Verantwortung für die Einsatzprüfung der Nachtsichtbrille des Typs MIKRON. In Einsatzprüfungen muss sich neues Material für den jeweiligen Einsatzbereich bewähren, bevor es in die Truppe eingeführt wird. Besonderheit: Die Prüfungen laufen nicht im Labor, sondern draußen in Zusammenarbeit mit dem späteren Nutzer, der Truppe selbst.

Es muss alles sitzen 

In einem Hangar stehen drei Soldaten neben einem liegenden Soldaten in Fallschirmsprungausrüstung.

Stabsfeldwebel Martin Müller (l.), Hauptmann Heiko Niebus (2.v.r.) und Oberstabsfeldwebel Steffen Palmroth (r.) mit einem Fallschirmjäger, ausgestattet mit der neuen Nachtsichtbrille, kurz vor dem Testsprung

Bundeswehr/Markus Mader

Die neue Nachtsichtbrille bietet viele Tragemöglichkeiten. In der Regel trägt sie der Soldat oder die Soldatin im Einsatz jedoch direkt am Gefechtshelm. Der neue Helm der Spezialisierten Kräfte des Heeres etwa, der bereits an die Truppe ausgeliefert wurde, bietet dem Fallschirmjäger die Möglichkeit, die Nachtsichtbrille mittels einer am Helm befestigten Halterung zu adaptieren. Sowohl die Brille selbst als auch die Verbindung zwischen Helm und Nachtsichtbrille müssen dem rauen und strapaziösen Gefechtsalltag eines Fallschirmjägers trotzen können. Die Brille darf sich auch bei Fallschirmsprüngen keinesfalls aus der Verbindung lösen. 

Um zu überprüfen, ob sich auch bei Fallgeschwindigkeiten von bis zu 200 Kilometern pro Stunde nichts löst, hat der Fallschirmspezialzug jetzt den Auftrag, durch unterschiedlich ausgeführte Freifallsprünge zuerst den festen Sitz zu bestätigen. Dabei wird jeder der Sprünge durch die Prüfer videobegleitet und direkt im Anschluss akribisch ausgewertet. Das Zwischenergebnis ist sehr zufriedenstellend: Sowohl die neue Nachtsichtbrille als auch der Helm konnten den Widrigkeiten des freien Falls standhalten. Aus Sicht der Prüfer ist das erste Ziel auf dem Weg zur Freigabe für den manuellen Fallschirmsprung erreicht.

Auch die Fallschirmjäger des Fallschirmspezialzugs sind mit der neuen Ausrüstung bis hierhin mehr als zufrieden. „Alles sitzt fest, nichts wackelt oder behindert mich beim Fallschirmspringen. Mein Helm hat auch mit der Brille einen sehr guten Tragekomfort“, sagt ein Gruppenführer im Anschluss an seinen Testsprung. Die erste Phase konnte damit erfolgreich abgeschlossen werden. Allerdings ist der Test noch nicht zu Ende.

Bewährungsprobe in der Dunkelheit

Im Abendrot gleitet ein Fallschirmspringer durch den Himmel.

Neben der Stabilitätsprüfung wollen die Prüfer den Einsatz der Brille im Sprung bei Nacht erproben

Bundeswehr/Markus Mader

Glück für das Testteam: Die Voraussetzungen zum Nachtspringen sind gut. Bei bestem Fallschirmsprungwetter beginnt Müller mit der Einweisung in den Nachtsprung. Während sich die Soldaten des Fallschirmspezialzugs auf den Sprung in die Dunkelheit vorbereiten, kontrolliert Palmroth noch ein letztes Mal penibel die Befestigung der Nachtsichtbrillen am Helm, damit das wertvolle Material nicht durch einen Anbringungsfehler verlorengeht. Auch die Funktion der Nachtsichtbrillen wird vorher am Boden abermals überprüft. Nachdem die Sprungausrüstung angelegt ist, überprüfen sich die Springer gegenseitig. Ein letzter Blick vom Ausbildungsleiter auf die Soldaten beendet die Überprüfung.

Jetzt ist alles bereit für die Bewährungsprobe der Nachtsichtbrille bei Dunkelheit. Vor dem Hangar dröhnen die Motoren des Luftfahrzeugs. Die Dämmerung nimmt kontinuierlich zu, als der Trupp Fallschirmjäger vor kalter und leicht verschneiter Kulisse ins Kurzstrecken-Transportflugzeug M 28 Skytruck steigt. Nach einigen Minuten Steigflug gibt der sogenannte Absetzer das Zeichen, dass es in wenigen Minuten ernst wird – für Mensch und Material. Er sorgt für den reibungslosen und sicheren Ablauf der Sprungübung. Nach einem letzten prüfenden Blick zur Ausrüstung wechselt das Signallicht von Rot auf Gelb und die Heckrampe öffnet sich. Während die eisige Luft in das Innere des Flugzeuges strömt, warten die Fallschirmjäger konzentriert und hintereinander aufgereiht auf das Absprungsignal.

Plötzlich gibt der Absetzer die Rampe frei und im Sekundentakt stürzen sich die Fallschirmspringer hinab in die Dunkelheit.

Am Boden beobachten Niebus und sein Team das Geschehen. Nach einiger Zeit nähert sich der Trupp der Landezone und geht wie geplant mit allen Truppsoldaten in den Landeanflug über. „Alle erfolgreich und sicher gelandet“, freut sich Niebus und läuft in den Flugzeughangar, um die Auswertung vorzubereiten.

Vielseitig einsetzbar

In einem Hangar liegen zwei Helme mit Nachtsichtbrillen auf einer schwarzen Tasche.

Die MIKRON (r.) wird künftig gleich mehrere Nachtsichtbrillen ablösen und ihre hervorragenden Eigenschaften in einem Gerät vereinen. Darunter zählt auch das Modell XACT nv33 (l.).

Bundeswehr/Markus Mader

In der Bundeswehr sind aktuell mehrere Modelle von Nachtsichtbrillen in Gebrauch. Diese werden für unterschiedliche Zwecke verwendet. Warum gibt es unterschiedliche Brillen? Nachtsichtbrillen müssen bei wechselnden Einsatzarten jeweils ein anderes Leistungsprofil bieten. So benötigt beispielsweise Kraftfahrpersonal andere Spezifikationen als Fallschirmjäger im Fallschirmsprungeinsatz. Da die bislang beschafften Nachtsichtbrillen nicht querschnittlich einsetzbar sind, musste bis dato auf unterschiedliche Geräte zurückgegriffen werden, um alle Einsatzmöglichkeiten abdecken zu können. Um den Dienstalltag der Truppe zu vereinfachen, soll mit der MIKRON nun eine Nachtsichtbrille eingeführt werden, die in der Lage ist, alle Einsatzzwecke gleichermaßen abzudecken. Aus diesem Grund ist die neue Brille aktuell in der Einsatzprüfung. Viele dieser Prüfungen hat sie bereits erfolgreich absolviert, egal, ob hinter dem Steuer oder eben jetzt im taktischen Sprungeinsatz.

Alle Anforderungen erfüllt

Ein Fallschirmspringer springt aus einem Flugzeug und schwebt über der Landschaft.

Gleich mehrere Testsprünge muss die neue Nachtsichtbrille über sich ergehen lassen und zeigen, dass sie für den harten Einsatz bei den Fallschirmjägern taugt

Bundeswehr/Markus Mader

Nach mehrtägiger Prüfphase sind alle Beteiligten mit dem Ergebnis sehr zufrieden. „Die Nachtsichtbrille hält, was sie verspricht, sowohl beim Freifallspringen als auch in der Gleitphase. Damit konnte sie überzeugen“, so der Truppführer des Fallschirmspezialzugs. Alle vorgegebenen Anforderungen vom Amt für Heeresentwicklung konnten erfüllt werden. Jetzt beginnt für Niebus und Palmroth die Schreibarbeit. Alle Ergebnisse müssen verschriftlicht werden, damit nach der Genehmigung eine Beschaffung der neuen Brille eingeleitet werden kann. Künftig soll sie die anderen Brillen ersetzen. „Ich bedanke mich für die sehr gute Unterstützung durch Stabsfeldwebel Müller und natürlich durch das Fallschirmjägerregiment 31. Ohne diese professionelle Unterstützung wäre dieses gute Ergebnis nicht möglich gewesen“, resümiert Niebus abschließend.

Besser sehen mit Restlichtverstärker

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Ein Soldat fotografiert einen Fallschirmspringer in einem Hangar.

Jeder Schritt der Einsatzprüfung wird schriftlich und bildlich vom Prüfteam, darunter Oberstabsfeldwebel Steffen Palmroth (l.), festgehalten

Bundeswehr/Markus Mader
Ein Soldat mit Sprungausrüstung liegt auf einer Plane in einem Hangar. Neben ihm steht ein Soldat und prüft die Ausrüstung.

Im Hangar überprüfen Oberstabsfeldwebel Steffen Palmroth (l.) und Stabsfeldwebel Martin Müller (r.) noch einmal alle Ausrüstungsgegenstände, ob sie fest und sicher sitzen

Bundeswehr/Markus Mader
Ein Soldat liegt in einem Hangar auf dem Boden und trägt einen Helm.

Die MIKRON ist ein sogenannter Restlichtverstärker, der das Licht vom Mond und den Sternen nutzt, dass durch moderne Elektronik verstärkt wird

Bundeswehr/Markus Mader

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von Markus Mader

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