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Übung in Litauen

Mit Drohnen, digitalem Netz und Lasertechnik üben an der NATO-Ostflanke

Landes- und Bündnisverteidigung

Mit Drohnen, digitalem Netz und Lasertechnik üben an der NATO-Ostflanke

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Die Panzerbrigade 45 trainiert bei der Übung Freedom Shield 2026 in Litauen erstmals unter realistischen Gefechtsbedingungen. Um die Einsatzbereitschaft der Brigade weiter zu steigern, bringt das Gefechtsübungszentrum Heer (GÜZ) gemeinsam mit der Industrie modernste Ausbildungstechnik und Fachpersonal nach Litauen – in bislang einmaligem Umfang.

Zwei Soldaten knien neben einem Waldweg an einem Baum bei Staub.

Doppelte Premiere: Bei der ersten Gefechtsübung der Panzerbrigade 45 in Litauen werden die Kräfte des Gefechtsübungszentrums in bislang nie dagewesenem Umfang eingebunden

Bundeswehr/Marco Dorow

Ziel ist es, den Ausbildungsstand der Truppe schneller und nachhaltiger zu verbessern. Dazu entsteht bei Freedom Shield 2026 ein Gefechtsfeld, auf dem nahezu jede Bewegung und jede Entscheidung nachvollziehbar wird. „Wir stellen ein gläsernes Gefechtsfeld her“, erklärt Oberst Heiko Diehl, Leiter des GÜZ. „Alles, was wir auf dem Gefechtsfeld sehen und hören können, wird durch uns ausgewertet – perspektivisch auch mit Unterstützung Künstlicher Intelligenz.“

Hinter dem Begriff „gläsernes Gefechtsfeld“ verbirgt sich ein Zusammenspiel aus erfahrenen Ausbildern, Auswertern, moderner Sensorik, digitaler Vernetzung und der Infrastruktur, die Litauen für die Übung bereitstellt. Dadurch entsteht ein realistisches Lagebild, das den Soldatinnen und Soldaten unmittelbares Lernen aus ihren Entscheidungen ermöglicht.

So funktioniert das Ausbildungssystem 

Oberleutnant Jannik H. arbeitet in der Auswertezentrale und begleitet die Ausbildung der Truppe nahezu in Echtzeit. „Ich bereite hier die Auswertung der Kompanieausbildung vor – gemeinsam mit dem Kompanieausbilder draußen im Gelände. Auf meinem Bildschirm verfolge ich die Ausbildung den ganzen Tag live und stehe per Funk im ständigen Kontakt mit den Ausbildern“, erklärt er.

Während der Ausbildung erhalten die Kompanien taktische Aufträge, die sie unter wechselnden Bedingungen lösen müssen. Die Auswerter analysieren dabei fortlaufend das Vorgehen der Truppe. Welche Entscheidungen treffen die militärischen Führer? Wie reagieren die Soldatinnen und Soldaten auf neue Lagen? Welche Maßnahmen führen zum Erfolg?

Drei Soldaten sitzen vor Computerbildschirmen an Tischen in einem hellen holzverkleideten Raum.

In der Auswertezentrale erstellen Auswerter wie Oberleutnant Jannik H. Informationspakete für die Ausbilder, um das taktische Vorgehen der Truppe während der Übung nachvollziehbar zu machen

Bundeswehr/Marco Dorow

Wer gibt welche Befehle und wie reagiert die Truppe?

Um diese Fragen beantworten zu können, wird nahezu alles auf dem Gefechtsfeld erfasst. Fahrzeuge, Drohnen sowie jede einzelne Soldatin und jeder einzelne Soldat sind Teil des Systems.

Dafür werden Mensch und Material mit Sensorik, Positionssendern und Lasertechnik ausgestattet. Die gewonnenen Daten fließen in ein digitales Netzwerk ein und ermöglichen eine präzise Darstellung des Gefechtsverlaufs. Soldatinnen und Soldaten tragen spezielle Westen mit Sensoren, Fahrzeuge sind mit Laser- und Auswertungstechnik ausgerüstet.

„Wir können dadurch Effekte darstellen und nachvollziehen: Wer schießt auf wen? Wer erkennt wen? Wer befindet sich wo?“, erläutert Jannik H. Zusätzlich begleiten Videoteams die Ausbildung und liefern Aufnahmen direkt aus dem Gefecht. Auch der Funkverkehr wird dokumentiert und ausgewertet. Dadurch lässt sich später exakt nachvollziehen, welche Befehle gegeben wurden und wie die Truppe darauf reagiert hat.

Rasche Kriegstüchtigkeit benötigt besondere Ausbildung

Die Kombination aus moderner Technik und erfahrener Ausbildung ermöglicht eine besonders realitätsnahe und faktenbasierte Bewertung des Gefechtsverlaufs. „Das ist unser Gamechanger“, sagt Oberst Diehl. „Wir sind keine Kontrolleure. Wir verstehen uns als Mentoren, die die militärischen Führer unterstützen. Gemeinsam mit unserem Team und der Systemtechnik im Hintergrund machen wir Ausbildung besser, moderner und wirksamer.“

Das Gefechtsübungszentrum begleitet die Panzerbrigade 45 von der Kompanieausbildung bis hin zur Zweiparteien-Gefechtsübung. Erstmals werden die Fähigkeiten des Ausbildungszentrums in dieser Größenordnung außerhalb des Standorts in der Altmark eingesetzt. Allein das GÜZ hat dafür 28 Container mit Technik und Material nach Litauen transportiert. Hinzu kommen zusätzliche Systeme der Industriepartner.

Nahezu alle eingesetzten Gefechtsfahrzeuge und übenden Soldatinnen und Soldaten sind mit dem Ausbildungsgerät Duellsimulator, kurz AGDUS, ausgestattet. Das System simuliert Trefferwirkungen und ermöglicht eine realitätsnahe Darstellung von Gefechtssituationen, ohne scharfe Munition einzusetzen. Langfristig soll die mobile Variante des Systems weltweit einsetzbar sein und die Ausbildung deutscher Kräfte auch außerhalb des GÜZ unterstützen.

Ein Soldat kniet neben einem Kampfpanzer Leopard auf einem sandigen Waldweg bei Sonne.

Auch die Kampfpanzer des Panzerbataillons 203 werden für Freedom Shield mit der Duellausstattung AGDUS versehen. In der Panzerkanone befindet sich ein Laser.

Bundeswehr/Marco Dorow

Mit dem mobilen Auditorium mitten in der Übung

Neben der klassischen Gefechtsausbildung werden auch moderne Technologien in das System eingebunden. Dazu gehören insbesondere Drohnen, deren Wirkung auf das Gefechtsfeld zunehmend an Bedeutung gewinnt. „Die ersten Tests waren erfolgreich“, erklärt Oberstleutnant York O., einer der Ausbilder vor Ort. „Das ist der Weg, den wir künftig weitergehen werden.“

Ein weiteres Novum bei Freedom Shield 2026 ist das sogenannte mobile Auditorium. Dabei handelt es sich um ein verlegbares Auswertungssystem installiert auf einem Transportfahrzeug, das erstmals direkt im Übungsgelände eingesetzt wird. Dank mobiler Datenverbindungen können Ausbilder und Auswerter nun auch außerhalb fester Infrastruktur auf Lagebilder, Videomaterial und Funksprüche zugreifen. 

Bessere Verteidigungsfähigkeit an der NATO-Ostflanke

Im mobilen Auditorium werden Videosequenzen, Kartenausschnitte und taktische Replays auf großen Bildschirmen dargestellt. So können Entscheidungen und Handlungen der Truppe detailliert nachvollzogen und ausgewertet werden.

Während Kampfpanzer Leopard 2 und Schützenpanzer Puma durch das Gelände rollen, begleitet York O. gemeinsam mit seinen Zugschiedsrichtern die Ausbildung unmittelbar vor Ort. „Wenn ich feststelle, dass etwas besonders gut oder auch nicht optimal gelaufen ist, markiere ich diesen Moment für die spätere Auswertung“, erklärt er. „Dann bitte ich die Auswerter in der Zentrale, daraus ein Replay zu erstellen.“

In der Auswertezentrale entstehen daraus anschauliche Ausbildungsprodukte, die den Soldatinnen und Soldaten helfen, ihr eigenes Handeln besser zu verstehen und daraus zu lernen. So schließt sich der Kreis zwischen Ausbildung im Gelände, digitaler Auswertung und unmittelbarem Lernerfolg – ein wichtiger Beitrag für die Einsatzbereitschaft der Panzerbrigade 45 „Litauen“ und die Verteidigungsfähigkeit der NATO an ihrer Ostflanke.

Mit Drohnen, digitalem Netz und Lasertechnik üben an der NATO-Ostflanke

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