Freedom Shield 2026: Premiere im Baltikum
Mit ihrem ersten großen Manöver in Litauen baut die deutsche Panzerbrigade 45 ihre Verteidigungsbereitschaft aus.
Die Panzerbrigade 45 „Litauen“ übt bei Freedom Shield 2026 erstmals das Gefecht im Baltikum. Im dichten Wald mit und gegen Drohnen kämpfen, Flüsse überwinden, Verwundete versorgen und unter realistischen Bedingungen Entscheidungen treffen – all das trainieren die Soldatinnen und Soldaten in einer Stationsausbildung, bevor die Gefechtsübung beginnt.
Freedom Shield 2026 zeigt damit, wie die Bundeswehr gemeinsam mit ihren NATO-Partnern in Litauen die Einsatzbereitschaft der Panzerbrigade 45 „Litauen“ weiter stärkt – realistisch, multinational und konsequent auf die Anforderungen moderner Landes- und Bündnisverteidigung ausgerichtet.
Schritt für Schritt bewegen sich die Panzergrenadiere durch den Kiefernwald. Leise Funksprüche sind zu hören, darüber das unheilvolle Surren von Drohnen. In der Ferne knattern Maschinengewehre. Konzentriert rücken die Soldatinnen und Soldaten vor. Plötzlich ertönen Schreie von Verwundeten. Sofort müssen die Kräfte handeln. Sie erkennen schwere Blutungen, leisten Erste Hilfe, priorisieren Verwundete und behalten gleichzeitig ihren militärischen Auftrag im Blick. Die Verwundetenversorgung gehört zu den wichtigsten Fähigkeiten auf dem modernen Gefechtsfeld.
Bei Freedom Shield 2026 vermitteln erfahrene Ausbilderinnen und Ausbilder des Sanitätsdienstes der Bundeswehr genau diese Fähigkeiten. Mit realitätsnahen Szenarien, Kunstblut und großer Fachkompetenz trainieren sie die Erstversorgung, die Verwundetenevakuierung und den Transport von Verletzten – Fähigkeiten, die im Ernstfall Leben retten können.
Die ausgebildeten Kräfte auf dem Truppenübungsplatz Pabradė stammen unter anderem vom Panzerbataillon 203 aus Augustdorf, verstärkt durch Soldatinnen und Soldaten des Panzergrenadierbataillons 122. Hinzu kommen Kräfte der Multinational Battlegroup Lithuania aus Rukla. Alle durchlaufen die Ausbildungsstation „Kampf um Engen“. Dort müssen Panzergrenadiere, Panzertruppe und Panzerpioniere gemeinsam einen Angriff durch dicht bewaldetes Gelände führen. Über ihnen kreisen Drohnen. Die Waldwege werden zu gefährlichen Korridoren, in denen feindliche Infanterie, Panzerabwehrwaffen und Kamikazedrohnen jederzeit zuschlagen können.
Als die Kampfpanzer unter Beschuss geraten, sitzen die Panzergrenadiere ab und wechseln in den abgesessenen Kampf. Meter für Meter kämpfen sie sich vor, nehmen den Geländeabschnitt ein und ermöglichen den weiteren Angriff der eigenen Kräfte.
Versteckte Sprengladungen und Richtminen können einen Angriff schnell zum Stillstand bringen. Deshalb kommen die Panzerpioniere zum Einsatz. Eine abgesessene Pioniergruppe sucht entlang einer Engstelle nach verdächtigen Veränderungen im Gelände. Jeder Draht, jede frische Erdbewegung und jede Unregelmäßigkeit könnte auf eine Sprengfalle hinweisen.
Wenige Meter vor einem eigenen Kampfpanzer entdecken die Soldaten eine feindliche Richtmine. Während sie versuchen, die Sperre zu beseitigen, eröffnet der Gegner das Feuer. Sofort reagieren die Panzergrenadiere und bekämpfen die feindliche Stellung. Im engen Zusammenwirken gelingt es schließlich, die Sperre zu öffnen und den Weg für die nachfolgenden Kräfte freizumachen.
Während sich deutsche Kräfte durch die Waldengstelle kämpfen, stößt die benachbarte Multinational Battlegroup im Angriff auf ein Gewässer. Pioniere erkunden die Lage mit Drohnen und abgesessenen Spähtrupps. Das Ergebnis: Der Fluss kann mit einer Verlegebrücke überwunden werden.
Gerade beim Übergang über ein Gewässer sind Truppen besonders verwundbar. Deshalb sichern niederländische Panzergrenadiere mit ihren CV90-Schützenpanzern sowie norwegische Leopard-Kampfpanzer den Bereich. Unterstützt durch Drohnen, Flugabwehr und Fähigkeiten der Elektronischen Kampfführung wird der Gegner niedergehalten. So können die deutschen Pionierkräfte einen Brückenlegepanzer Biber an das Ufer bringen.
Während des Gefechts wird einer der Schützen von einer simulierten Kamikazedrohne getroffen. Sofort ertönt ein Signalton. Der Soldat gilt als ausgefallen. Möglich macht dies das Ausbildungsgerät Duellsimulator, kurz AGDUS. Das System arbeitet mit Sensoren und Lasertechnik an Waffen, Fahrzeugen und persönlicher Ausrüstung. Es ermöglicht eine realitätsnahe Darstellung von Treffern und Wirkungen auf dem Gefechtsfeld.
Drohnen dokumentieren zusätzlich das Geschehen aus der Luft. Gemeinsam mit erfahrenen Auswertern entsteht so ein nahezu vollständiges Lagebild. Das macht das Gefecht transparent und ermöglicht eine detaillierte Nachbesprechung. Fehler werden sichtbar, Erfolge nachvollziehbar und wichtige Erkenntnisse unmittelbar in die weitere Ausbildung übernommen.