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Drohnenkampf und Drohnenabwehr

Gefechtsfeld der Zukunft: Wie das Heer kämpfen wird

Landes- und Bündnisverteidigung

Gefechtsfeld der Zukunft: Wie das Heer kämpfen wird

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Wie kämpft das Heer künftig? Wie stellt es sich dem Gefecht, um zu gewinnen? Das hat eine Lehr- und Versuchsübung in Munster gezeigt. Soldatinnen und Soldaten verschiedener Verbände führten vor, wie das Gefechtsfeld der Zukunft aussehen wird – und wie sie kämpfen, um zu gewinnen.

Ein Schützenpanzer Puma fährt durch sandiges Gelände, über dem Drohnen schweben.

Die Lehr- und Versuchsübung in Munster, der „Hauptstadt des Heeres“, zeigt, wie die Soldatinnen und Soldaten des Heeres in Zukunft kämpfen werden

Bundeswehr/Marco Dorow

Das Gefecht auf der Schießbahn 3 in Munster beginnt mit einem Surren. Dieses unverkennbare Geräusch ist ein bestimmendes Merkmal der „neuen“ Art zu kämpfen. Drohnen sind im modernen Krieg dabei längst nicht mehr nur Aufklärungsmittel, auch der erste Feindkontakt findet zukünftig meist unbemannt statt.

Eine Stimme aus dem Off erklärt zu Beginn der Übung die Phasen der Operationsführung:

Der eigene Schutzschirm und die sich überlagernden Schutzschirme der Konfliktparteien sind das neue Strukturmerkmal auf dem Gefechtsfeld der Zukunft. 

Ein Soldat im Feldanzug schaut freundlich in die Kamera. Generalleutnant Dr. Christian Freuding, Inspekteur des Heeres Bundeswehr/Maximilian Schulz
„Der Feind wartet nicht auf unsere Fertigmeldung. Wir wissen, wie wir künftig kämpfen wollen, um erfolgreich zu sein. Wir wissen, was wir dazu brauchen, wie wir uns organisieren und wie wir dazu ausbilden.“

Geschwindigkeit zählt: Kein Schutzschirm ohne KI

Der Schutzschirm ist zentral für die Operationsführung und vernetzt alle Ebenen – Aufklärung und Wirkung, vom Einzelsystem bis zum großen Gefechtsverbund. Er wird gespeist aus einer Vielzahl von Sensoren und arbeitet KI-gestützt. Aus allen Richtungen entsteht ein nahezu lückenloses Echtzeit-Lagebild. Bedrohungen werden sofort erkannt und die Soldatinnen und Soldaten reagieren.

Allerdings hängt die Wirkung des Schutzschirmes davon ab, wie schnell und korrekt riesige Datenmengen beschafft und verarbeitet werden können. Es gilt der Grundsatz: Wer Informationen schneller erlangt, verarbeitet und präzise in Wirkung umsetzt, gewinnt.

Der Krieg in der Ukraine hat ein Kriegsbild gezeigt, auf das sich die Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr einstellen müssen. Entsprechend groß sind die Technologiesprünge. Das Heer folgt ihnen und treibt sie voran. Zukünftig entscheidet in Kriegen die Beherrschung sehr großer Datenmengen auch über Sieg oder Niederlage. Künstliche Intelligenz spielt dabei eine zentrale Rolle.

Zwei Drohnen in Großaufnahme auf dem Waldboden

Der Auftrag bleibt, aber zukünftige Gefechte werden anders aussehen. Drohnen verschiedener Größe und Funktion sind im modernen Krieg ein Kernelement.

Bundeswehr/Marco Dorow

Raum zu halten und Raum zu nehmen, auch gegen feindlichen Widerstand, ist der unveränderte Kernauftrag der Landstreitkräfte. Doch wie dies geschieht, wandelt sich. Das Gefechtsfeld wird transparent. Lückenlos erfassen Aufklärungsmittel und Sensoren Bewegungen. Diese erfassten Informationen werden nahezu in Echtzeit verarbeitet. Somit erfolgt unmittelbar nach der Aufklärung der Waffeneinsatz. Die Zeit zwischen Erkennen und Bekämpfen schrumpft auf ein Minimum.

Auch der massenweise Einsatz kostengünstiger vernetzter und verschiedener unbemannter Drohnen verändert die Gefährdung der Soldatinnen und Soldaten signifikant. Zudem wirken Drohnen nicht mehr isoliert, sondern im Verbund. Mit dem Ergebnis, dass Sichtbarkeit zur Verwundbarkeit wird.

Der Schutzschirm wird Voraussetzung für das Gefecht 

Ohne einen eigenen Schutzschirm sind auf dem Gefechtsfeld der Zukunft kaum Bewegungen oder Durchhaltefähigkeit möglich. Erst wenn der eigene Schutzschirm steht und der gegnerische Schutzschirm gestört oder zerstört ist, entsteht die Möglichkeit, dem Gegner ernsthafte Verluste zuzufügen.

Wie das konkret aussehen kann, zeigt die Vorführung in Munster: Das kleine Heidedorf, ein Übungsdorf inmitten einer Schießbahn, ist das strategische Ziel der Operation. Zum Aufbau des Schutzschirmes sind das Luftverteidigungssystem IRIS-T SLM sowie das Flugabwehrsystem Skyranger 30 in Stellung gegangen. Die Uranos KI-Ausstattung nutzt Drohnen, Bodenkontrollstationen und Künstliche Intelligenz. Sie sammelt Daten, die in der Luft und am Boden aufgezeichnet werden, und erstellt ein Echtzeit-Lagebild.

Die Aufklärungssysteme FALKE und Twister, die bodengebundene Drohne Gereon oder das unbemannte Kettenfahrzeug Themis tragen mit ihren Daten zum Schutzschirm bei. Parallel geht in Heidedorf der Roboter Ziesel mit dem adaptierten mehrrollenfähigen leichten Lenkflugkörpersystem MELLS in Stellung und bekämpft unbemannt die ersten gegnerischen Ziele.

Feuer und Bewegung bringen die Entscheidung

Drohnen bekämpfen ein Fahrzeug aus der Luft. Feuer markiert die Trefferwirkung.

Die Loitering Munition Systeme, sogenannte Kamikazedrohnen, ändern das Gefecht grundlegend. Sie bekämpfen präzise gegnerische Ziele auf sehr große Entfernung.

Bundeswehr/Marco Dorow
Ein Kampfpanzer Leopard bei der Schussabgabe.

Wenn der Schutzschirm steht, schlägt die Zeit für die hochbewegliche Operationsführung. Angriffsschwung und Feuerkraft sind die Grundlage des Erfolges.

Bundeswehr/Marco Dorow

Die Entscheidung bringt nach wie vor der Kampf. Doch aus „die letzten 100 Meter gehören dem Heer“ wird auf dem Gefechtsfeld der Zukunft „die letzten 5.000 Meter gehören dem Heer“. Die gegnerischen Sensorsysteme sind gesättigt und der Schutzschirm des Gegners wird geschwächt – gute Voraussetzungen, um die Entscheidung zu suchen.

In Munster gehen Geschütze der Artillerie in Stellung. Raketenwerfer MARS, Radhaubitze RC 155, Panzerhaubitze 2000 und der Mehrfachraketenwerfer PULS bereiten mit ihrem weitreichenden Feuer den Einsatz der Panzertruppen sowie der schweren Infanterie vor. Die abstandsfähigen Systeme schwächen den gegnerischen Schutzschirm aus sehr großer Distanz. 

Kamikazedrohnen kreisen

Auch hier kommen neue Systeme zum Einsatz. Über Heidedorf fliegt die Loitering Munition, umgangssprachlich Kamikazedrohne, mithilfe eines eigenen Antriebs in den Einsatzraum und kreist dort eine gewisse Zeit in der Luft. Eigene Sensoren und eine intelligente Software erkennen selbstständig Ziele und identifizieren einen feindlichen Kampfpanzer oder Gefechtsstand.

Der Bediener entscheidet schließlich, das Flugobjekt samt Sprengladung gegen das Ziel einzusetzen. Auch ganze Drohnenschwärme werden zukünftig eingesetzt, um die Sensorik des Gegners zu stören, zu überlasten oder sogar zu bekämpfen. Der Vorteil liegt klar auf der Hand: eine schnelle Reaktionsfähigkeit sowie eine präzise Bekämpfung mit einer meist höheren Reichweite als der von Artilleriegranaten.

Mittlere und Schwere Kräfte mit Angriffsschwung

Nun sucht der militärische Führer im Gefecht der verbundenen Waffen die Entscheidung: Kampfpanzer Leopard und Schützenpanzer Puma vereinen Präzision und Schlagkraft. Panzergrenadiere sitzen in der Ortschaft von ihren Pumas ab und bekämpfen den Gegner auf kurze Distanz. Die Leoparden kämpfen gleichzeitig auf große Entfernungen und sichern die Flanken. Weitreichende Feuerunterstützung aus einem gemischten Schwarm Kampfhubschrauber Tiger und dem leichten Kampfhubschrauber H145M zerschlagen auf große Entfernung den feindlichen Gegenstoß.

Fazit

Das Gefecht um Heidedorf hat vielfältige Waffensysteme gezeigt – solche, die das Heer schon hat und solche, die in den kommenden Jahren in die Truppe kommen sollen. Es sind Systeme, die zusammen operieren, mit dem Ziel, einen eigenen Schutzschirm aufzubauen, den gegnerischen zu durchdringen und im dynamischen Gefecht die Entscheidung herbeizuführen. So soll das Heer auch auf dem Gefechtsfeld der Zukunft bestehen.

von René Hinz

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