Heer

Haus aus Schnee

Haus aus Schnee

  • Ausbildung
  • Heer
Datum:
Ort:
Bad Reichenhall
Lesedauer:
4 MIN

Der Schnee pfeift in das Gesicht der Gebirgsjäger aus Bad Reichenhall. Nach dem kräftezehrenden Aufstieg auf den Berg wollen sie sich eine Unterkunft bauen, um sich darin mehrere Nächte der eisigen Kälte zu entziehen. Sie nutzen den Schnee und errichten daraus ein Iglu. So entsteht eine Hütte aus Schnee.

Ein Paar Ski stecken im Schnee vor einem Iglu in der weißen Schneelandschaft.

Im Winterkampf ist das Iglu eine mögliche Alternative, sich der eisigen Umgebungstemperatur zu entziehen.

Bundeswehr/Maximilian Schulz

Der Aufbau beginnt. Vorab: Für den Bau des Iglus wird Zeit und viel Schnee benötigt. Sollte die Schneeschicht nicht dick genug sein, muss der Schnee angehäuft werden. Die Soldaten nehmen dafür ihre Schneeschaufel und tragen aus der Umgebung Schnee zu einem Hügel zusammen. Ist die Menge ausreichend, werden zwei Löcher ausgeschaufelt. Das eine Loch dient später als Ein- und Ausgang, das zweite Loch wird der Schlafbereich. Darin können nach der Fertigstellung in der Regel zwei bis fünf Soldaten übernachten.

Ein Soldat im weißen Schneetarnanzug schaufelt im Schnee mit einer blauen Schneeschaufel.

Ist nicht sofort genug Schnee vorhanden, müssen die Soldaten mit Schneeschaufeln nachhelfen.

Bundeswehr/Maximilian Schulz

Der Innenraum entsteht

Ein Soldat im weißen Schneetarnanzug schaufelt im Schnee mit einer blauen Schneeschaufel.

Durch eine schmale Querverbindung gelangen Personen später in das Iglu.

Bundeswehr/Maximilian Schulz

Beide Löcher sind jetzt ungefähr schultertief. Nun wird eine Querverbindung, ein Tunnel zwischen den Öffnungen geschaufelt, durch die man später von außen in den Innenbereich gelangt und eine durchgehende Sauerstoffversorgung entsteht. Im Anschluss kriechen drei bis vier Personen durch diesen Tunnel und stellen sich innen im Kreis in das zweite Loch. Der Tunnel ist gerade mal breit genug für eine Person.

So wird das Dach gebaut

Vier Soldaten mit Schneetarnanzug stehen im Kreis in einem Schneeloch dicht beieinander.

Überwindungssache und Gewohnheit: Für den nötigen Bau des Daches werden die Soldaten regelrecht eingeschaufelt.

Bundeswehr/Maximilian Schulz

Hat man noch nie ein Iglu gebaut, wird der nächste Schritt erst einmal ungewohnt klingen, denn um ein Dach zu bauen, werden die Soldaten von außen eingeschaufelt. Die vier neigen sich dafür wie eine Kuppel mit ihren Köpfen zusammen. In dieser Position müssen sie im Anschluss ungefähr eine halbe Stunde ausharren, bis das Dach fertiggestellt ist. Sie nehmen eine Plane und legen sie über sich. Darüber wird jetzt von außen Schnee aufgetragen.

Cool bleiben

Vier Soldaten mit Schneetarnanzug stehen im Kreis in einem dunklen Iglu. Eine Stirnlampe leuchtet rot..

Mit vereinter Kraft stützen die Soldaten von innen die fragile Dachkonstruktion, bis sie später von selbst hält.

Bundeswehr/Maximilian Schulz

Innen wird es dunkel. Die Schneemasse von oben wird langsam spürbar. Die Atmung verstärkt sich, denn die Soldaten müssen von innen mit Kraft gegendrücken. Die Last von oben und die Enge werden langsam unangenehm. Der Kopf neigt sich nach unten und das Gesicht presst sich an den Oberkörper. Mit ihrer Körperwärme verdichten die Soldaten zusätzlich den Schnee von innen. Dabei hält eine Person durch den Tunnel permanent Verbindung zur Gruppe im Innenbereich. Warum? Sollte etwas schiefgehen und das Iglu einstürzen, kann schnell reagiert werden. Die bloßen Rufe von Innen sind schließlich von außen durch den geräuschdämmenden Schnee nicht wahrnehmbar. Von oben verdichtet ein Soldat mit Skiern das frische Schneedach. Im Innenbereich sind die Tritte bis zuletzt spürbar. Ist die Decke verdichtet und stabil, können drei von vier das Iglu verlassen.

Praktischer Innenausbau

Ein Soldat mit einem Schneetarnanzug liegt im Iglu aus Schnee auf seinem Schlafplatz.

Der Soldat hat nicht viel Raum für seinen Schlafplatz im Iglu.

Bundeswehr/Maximilian Schulz

Mit einer Schaufel werden jetzt die massiven Schneewände durch den verbleibenden Soldaten von innen bearbeitet, ausgehöhlt und mit einer warmen Wasserflasche geglättet. So kann sich das Kondenswasser gleichmäßig sammeln und nicht von einer Kante aus auf den Schlafbereich tropfen. Die beiden Schlafplätze befinden sich entlang der Außenwand, leicht erhöht über dem Boden. Auf den Schnee legen die Reichenhaller Jager eine dämmende Unterlage sowie ihren Biwaksack aus Stoff und einen wärmenden Schlafsack. Ein Kältegraben im Tunnel ist die tiefste Stelle im Iglu. Hier sammelt sich die kalte Luft. Nicht nur die Soldaten, sondern auch ihre Ausrüstung muss im Iglu Platz finden.

Sauerstoffversorgung

Ein Soldat im Schneetarnanzug sitzt auf dem Boden in einem Iglu aus Schnee.

Durch den schmalen Gang gelangt Sauerstoff in das Innere des Iglus. Zusätzlich wird hier noch ein Kältegraben ergänzt.

Bundeswehr/Peter Müller

Damit die Soldaten auch während der Ruhephase nicht ersticken, muss permanent eine ausreichende Sauerstoffzufuhr von außen nach innen sichergestellt werden. Ein Kerzenlicht im Inneren signalisiert, ob der Sauerstoff noch ausreicht. Wenn nicht, würde die Flamme erlöschen. Während die beiden Soldaten ruhen, behält sie die Igluwache regelmäßig im Auge. Die Wache betritt alle Iglus, schaut nach der Kerze und nach der Atmung der Soldaten. Das vermittelt Sicherheit.

Die Wände kommen näher

Ein Soldat im Schneetarnanzug steht mit seinen Skiern auf dem Iglu, dahinter verschneite Nadelbäume..

Von außen verdichtet ein Soldat das Schneedach mit seinen Skiern.

Bundeswehr/Maximilian Schulz

Während der Nacht verdichtet sich der Schnee und die Schneemassen kommen näher. Damit wieder ausreichend Platz gegeben ist, muss erneut von innen ausgehöhlt und von außen nachgeschaufelt und verdichtet werden. Ein Iglu muss kontinuierlich gepflegt werden. Sollte das Iglu über Nacht einstürzen, zeigt eine zweieinhalb Meter lange Sonde, die von oben durch die Schneekuppel gestochen wird, wo exakt sich die Soldaten befinden.

Iglu pro und contra

Ein Soldat in Schneetarnuniform fährt auf Skiern an einem verschneiten Zelt vorbei.

Ein Iglu hat nicht nur Vorteile. Es muss ständig gepflegt und erhalten werden.

Bundeswehr/Maximilian Schulz

Der Vorteil des Iglus gegenüber einem Zelt ist zunächst die optimale Tarnung durch die weiße Schneeschicht. „Die Soldaten sind darin aus der Luft durch den Feind nur schwer aufklärbar“, erklärt Feldwebel Pascal R.*. Er bildet bei der Gebirgsjägertruppe seine Kameraden auf der Reiteralpe unter anderem im Bau eines Iglus aus. Das Iglu bietet den Soldaten zudem die Möglichkeit, sich der frostigen Umgebung durch die im Iglu konstant vorherrschende Innentemperatur von null bis minus ein Grad zu entziehen. Im Vergleich zum Zelt braucht der Aufbau und der Betrieb eines Iglus dafür mehr Zeit und ausreichend Schnee.


*Name von der Redaktion geändert

von Peter Müller

mehr lesen

  • Zwei Soldaten stehen in Schneetarnanzügen, Schneestöckern und Waffe in einer verschneiten Landschaft.
    • Ausbildung
    • Heer

    Das Heer im Winterkampf

    Das Deutsche Heer zeigt, welche Ausstattung und welche Ausbildung nötig sind, um im Kampf im Eis zu bestehen.

  • Ein Kletterseil rahmt das grüne, ovale Wappen. Spitzhacke und Gewehr kreuzen sich, darauf ein Edelweiß, unten rot die Zahl 231.
    • Heer

    Gebirgsjägerbataillon 231

    Erfahren Sie mehr über das Gebirgsjägerbataillon 231 aus Bad Reichenhall in Bayern und seine spezielle Ausrüstung.