Heer
Taktik erklärt

Gemeinsam kämpfen: Das Gefecht der verbundenen Waffen

Gemeinsam kämpfen: Das Gefecht der verbundenen Waffen

Datum:
Ort:
Strausberg
Lesedauer:
4 MIN

Bei manchen Mobilgeräten und Browsern funktioniert die Sprachausgabe nicht korrekt, sodass wir Ihnen diese Funktion leider nicht anbieten können.

Sie sind schwer bewaffnet, präzise und gefürchtet: moderne Kampfpanzer. Doch allein und unter sich sind sie verwundbar und selten imstande, Durchbrüche auf dem Gefechtsfeld auszubauen. Die Lösung ist das sogenannte Gefecht der verbundenen Waffen. So kämpfen sich Panzertruppe, Panzergrenadiere und Unterstützer gemeinsam den Weg frei.

Ein Kampfpanzer steht auf einer weiten Grasfläche und feuert. Dahinter Panzer im Nebel.

Feuer und Bewegung: Während die Kampfpanzer Leopard 2 auf die Gegner feuern, weichen befreundete Kräfte unter Nebel aus

Bundeswehr/Mario Bähr

Mit seiner massiven Bordkanone kann ein Kampfpanzer Leopard 2 jede bekannte Panzerung bis zu einer Kampfentfernung von 4.000 Metern durchschlagen – egal ob in Stellung oder aus der Bewegung heraus. Die Truppe ist mit dem Leo in der Lage, sich gegen einen schwer bewaffneten Gegner zu behaupten und den Weg für die eigenen Folgekräfte zu bereiten. Im Gefecht lauern jedoch hinter jeder Ecke potenzielle Gefahren – sogar für die massiv geschützten Kettenfahrzeuge. 

So können selbst einzelne Schützen mit Panzerabwehrwaffen eine ernstzunehmende Bedrohung für die Panzertruppe darstellen – David gegen Goliath. Hierfür nutzt die Infanterie den Wald, das Gelände oder künstliche Deckungen, wie Mauerreste, um sich Kampfpanzern unerkannt anzunähern und sie überraschend aus der Deckung heraus zu bekämpfen. 

Auch Richtminensperren und Ladungen, die versteckt binnen kürzester Zeit angebracht werden, sind für Panzer eine große Gefahr. Mit diesen Kampfmitteln kann es sogar gelingen, die Bewegung der gegnerischen Truppe im Operationsgebiet zu beeinflussen. Auch der Einsatz von bewaffneten Kleinstdrohnen gegen Panzer ist gegenwärtig aus dem Krieg in der Ukraine bekannt und zeigt, dass die Panzertruppe vor allem im Nahbereich auf den Schutz durch die Grenadiere angewiesen ist. 

Teamarbeit gefragt

Zwei getarnte Panzer stehen auf einer weiten Grasfläche nebeneinander.

Symbolbild: Im Gefecht der verbundenen Waffen profitieren unterschiedliche Waffengattungen voneinander. Vor- und Nachteile können ausgeglichen werden. So bilden die Kampf- und Schützenpanzer eine feste Einheit.

Bundeswehr/Mario Bähr

Umgekehrt profitieren auch andere Waffengattungen, wie die Panzergrenadiere, von den weittragenden und präzisen Waffen des Leopard 2. Mit ihnen wird „die Tiefe beherrscht“, wie Soldatinnen und Soldaten sich taktisch ausdrücken. Das bedeutet, dass der Feind mit ihnen auch auf weite Entfernungen wirkungsvoll bekämpft werden kann. Hierfür braucht es jedoch mehr als eine weitreichende Kanone.

Im Kampf dreht sich vieles um Verbindung und Koordination. Einerseits ist damit die Kommunikation zwischen den Bedienern der Waffensysteme und dem Führungspersonal gemeint. Andererseits muss aber auch die räumliche Verbindung während des Gefechts gehalten werden. 

Kampfpanzer sind stark gepanzert, extrem geländegängig und verfügen über eine massive Feuerkraft. Ihr Gefechtstempo kann sehr hoch sein. Da müssen die Grenadiere erst einmal dranbleiben können. Ist die eigene motorisierte Infanterie, im Fall der Bundeswehr die Panzergrenadiere, allerdings in der Lage, mit den eigenen Kampfpanzern mitzuhalten, dann ist vieles möglich. Dann verschmelzen zwei Truppengattungen auf Kette zu einer besonders schlagkräftigen und durchhaltefähigen Einheit.

Die Symbiose aus Panzertruppe und Panzergrenadieren wird auch als der Kern des Gefechts der verbundenen Waffen bezeichnet. Im Heer bilden die Panzer- und Panzergrenadiertruppe sogar eine gemeinsame Truppengattung, die sogenannten Panzertruppen, und eine eigene Kräftekategorie: die Schweren Kräfte.

Sind Panzertruppen Geschichte?

Ein Panzer fährt an zerstörten Häusern eine Stadt vorbei.

Im NATO-Einsatz KFORKosovo Force auf dem Balkan 1999 wurden auch Panzertruppen eingesetzt

Bundeswehr/Michael Maletz

Ein kurzer Rückblick: Der Kalte Krieg ist Geschichte, in den Stabilisierungseinsätzen der Bundeswehr der vergangenen Jahrzehnte spielten Kampf- und Schützenpanzer nur eine untergeordnete Rolle. Ihre Fähigkeiten sind nicht gewollt oder werden nicht benötigt. Lediglich zu Beginn des Einsatzes im Kosovo sieht man Kampf- und Schützenpanzer in größerer Anzahl im Verbund. Dort rechnet die Führung zunächst mit einer konventionellen Streitmacht als möglichen Gegner. Anschließend verschwindet das durchsetzungsstarke Duo rasch wieder von der Bildfläche.

„Seit 2014, mit Beginn des Konfliktes in der Ostukraine und der Annexion der Krim durch Russland, spätestens jedoch mit Beginn des russischen Angriffes auf die Ukraine im Februar 2022, werden schwere gepanzerte Kräfte vom Abstellgleis zurück ins Gedächtnis, zurück auf das Schlachtfeld katapultiert“, erklären Oberstleutnant Jörg W. vom Panzerbataillon 104 und Oberleutnant Rudolph U. vom Panzergrenadierbataillon 122. 

Kampf- und Schützenpanzer würden seither wieder eine wichtige Rolle in Gefechten spielen, sind sich die Soldaten einig. Dies wird insbesondere anhand der Diskussionen und der medialen Aufmerksamkeit rund um die Frage der Lieferung von Kampf- und Schützenpanzern an die Ukraine durch westliche Staaten deutlich.

So kämpft ein gepanzerter Gefechtsverband 

Zwei getarnte Panzer stehen auf einer Grafik gegenüber, dazu grüne Schrift auf weißem Grund.

Kampf- und Schützenpanzer haben Unterschiede, die sie im Zusammenwirken ausgleichen und somit voneinander profitieren

Bundeswehr/Matthieu Brandl

Kampf- und Schützenpanzer werden im Gefecht nicht als einzelne Fahrzeuge eingesetzt, da sonst ihre Schwächen deutlich zutage treten können. Meistens bilden gepanzerte Kräfte einen Verbund. Im Zusammenwirken mit anderen Waffengattungen sind sie am stärksten, indem sie flexibel und schlagkräftig einen mehrere Kilometer breiten Gefechtsstreifen verteidigen oder in dieser Breite angreifen können. Das ist das sogenannte Gefecht der verbundenen Waffen. 

Je nach Auftrag und Lage kann sich ein Gefechtsverband aus etwa 40 bis 60 Gefechtsfahrzeugen zusammensetzen. Die vereinte Spitze bilden Kampf- und Schützenpanzer. Sie sind es, die dem Gegner im direkten auf- und abgesessen Kampf begegnen und ihn bekämpfen. Erst die Zusammenarbeit dieser beiden Waffengattungen schafft die hohe Reaktions- und Durchsetzungsfähigkeit, die in einer Vielzahl von verschiedenen taktischen Lagen benötigt werden.

Ohne Unterstützer kein Erfolg

Ein Tankwagen steht auf einer Betonfläche zwischen zwei Panzern beim Betanken.

Unterstützungskräfte tragen wesentlich zum Erfolg der Kampftruppe im Gefecht bei. Sie liefern unter anderem Betriebsstoffe und Munition, übermitteln Aufklärungsergebnisse, leisten Feuerunterstützung oder bereiten den Weg durch Sperren.

Bundeswehr/Jörg Koch

Damit das Gefecht der verbundenen Waffen funktioniert, ist jedoch auch die Kampfunterstützung notwendig. Darunter fallen die sogenannten Heeresaufklärungskräfte, die Artillerie, die Pioniere und gegebenenfalls weitere Kräfte, wie zum Beispiel Kampfhubschrauber. Die Kampfunterstützung verstärkt den Erfolg der gepanzerten Kräfte innerhalb des Gefechts wesentlich. Niemals zu unterschätzen: die Einsatz- und Führungsunterstützungskräfte. 

Dazu zählen insbesondere die logistischen Kräfte sowie die Führungsunterstützung. Der Erfolg des Gefechtsverbandes hängt maßgeblich von ihnen ab. Sie sorgen beispielsweise für den Nachschub und halten die Verbindung zwischen allen beteiligten Kräften aufrecht. Schließlich gilt: Nur im Verbund zwischen Kampf- und Schützenpanzern, unter Abstützung auf weitere Fähigkeiten, die allesamt wie Zahnräder ineinandergreifen, ist der Erfolg gepanzerter Kräfte auf dem Gefechtsfeld überhaupt möglich.  

von PIZ Heer 

Bei manchen Mobilgeräten und Browsern funktioniert die Sprachausgabe nicht korrekt, sodass wir Ihnen diese Funktion leider nicht anbieten können.

mehr zum Thema