Heer
Spezialgrundausbildung

Sprengen: Pioniere in ihrem Element

Sprengen: Pioniere in ihrem Element

Datum:
Ort:
Bogen
Lesedauer:
5 MIN

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„Drei, Zwo, Eins, Zündung“ – ein Feuerball, eine Druckwelle: Mit dem Auslösen der Zündmaschine erschüttert eine Explosion den Sprengplatz. Die Sprengausbildung ist der letzte große Abschnitt der Spezialgrundausbildung der Bogener Pioniere. Für die Offizieranwärter, Hauptgefreiter Jonathan Seib und Gefreiter Benjamin Teichmann, ist es der Höhepunkt ihrer dreimonatigen Ausbildung. Wir begleiten sie an diesem Sprengtag.

Explosionsblitz auf einem gesicherten Gelände

Die Bogener Pioniere lernen beim Belehrungssprengen, wie Sprengmittel wirken

Bundeswehr/Lena Techam

Die beiden Offizieranwärter blicken zurück: Den Grundstein hätten Unterrichtseinheiten über Sicherheitsbestimmungen, verschiedenartige Sprengtechniken sowie Einzelheiten über Spreng- und Zündmittel gelegt, berichten sie. „Anschließend übten alle im Sprenggarten.“ Hier wurde an unterschiedlichen Gegenständen wie Holzpfählen, Stahlrohren oder Mauern, aber auch Eisenbahnschienen und Türen, das Anbringen der Sprengladungen geübt. „Das Anbringen der Sprengkapseln, Sprengschnüre und der Zünder ist dabei der Schwerpunkt“, so die beiden.

Von der Theorie zur Praxis

Im Vordergrund liegt ein gesprengter Holzstamm, dahinter stehen Soldaten im Halbkreis, ein Soldat erläutert.

Im Sprengunterricht wird verdeutlicht, welche Baustoffe mit welchen Sprengmitteln und Methoden gesprengt werden können. Wie und wo die Ladung dabei angebracht wird, spielt eine entscheidende Rolle.

Bundeswehr/Lena Techam

Oberleutnant B. Sewe erklärt: „Mit einem ersten einfachen Sprengen gewöhnen wir die Soldatinnen und Soldaten an den Sprengvorgang“. Der Leitende des Sprengens beschreibt: „Die jungen Kameradinnen und Kameraden befinden sich hinter einer Deckung und sollen den Knall und die Druckwelle einer nahen Explosion kennenlernen.“ Das darauffolgende Belehrungssprengen soll hingegen zeigen, welche Auswirkungen der Sprengstoff und die verschiedenen Ladungsarten auf die Sprengobjekte haben. Der Aufbau einzelner Sprengstationen mit verschiedenen Sprengobjekte ist dabei Bestandteil der Ausbildung.

Vorbereitung ist alles

Zwei Soldaten bauen ein Drahtgestell und hängen zwei Eimer daran auf.

Beim Aufbau der Stationen greifen die Soldaten auf das Wissen aus dem theoretischen Unterricht zurück

Bundeswehr/Jan Diehl

Eingeteilt in Trupps zu drei bis vier Soldaten geht es an die Arbeit. Mit dabei ein Stationszettel mit Anweisungen zum Aufbau und zum Anbringen des Sprengstoffs. Teichmann und sein Kamerad werden an ihrer Station zeigen, welche Wirkung eine kleine Sprengkapsel auf die Umgebung hat. „Wir spannen einen Draht zwischen zwei Eisenpfähle. Daran kommen zwei Blecheimer. Nur einen davon füllen wir mit Wasser“, beschreibt der Offizieranwärter den Aufbau. In beide Blecheimer würden später die Sprengkapseln gehängt und gezündet.

Zwei Soldaten setzen in einen massiven Betonrahmen eine Holztür ein.

Das Sprengen von Türen, genannt Schaffen von Zugängen, ist wichtig für den späteren Ausbildungsabschnitt Orts- und Häuserkampf

Bundeswehr/Jan Diehl

Seib soll mit seinem Trupp einen dicken Holzpfahl sprengen. Nacheinander empfangen alle anderen Trupps auch ihr Baumaterial. Der Offizieranwärter bindet leere Sandsäcke um den Holzpfahl: „Dahinter verschwindet später der Sprengstoff“, erklärt er. Auch an den anderen Stationen laufen die Vorbereitungen auf Hochtouren. Nebenan verkeilen Seibs Kameraden zwei alte Türen in je einem Betonrahmen. Zwei weitere stopfen eine alte Feldjacke mit gefüllten Sandsäcken aus und befüllen einen alten Kampfstiefel mit Schotter.

Die Sprengmittel werden angebracht

Zwei Soldaten modellieren formbaren Sprengstoff um einen Holzstamm herum.

Der formbare Sprengstoff kann sehr gut an den Unebenheiten verschiedener Untergründe angepasst werden

Bundeswehr/Lena Techam

Nachdem der Grundaufbau der Stationen abgeschlossen ist, empfangen die Soldaten die Spreng- und Zündmittel. An der Station Blecheimer hängt je eine Sprengkapsel am Draht im Eimer. „Sie werden später elektrisch gezündet. Wir müssen aufpassen, dass wir einen Mindestabstand zwischen den Kabelenden der elektrischen Sprengkapsel und dem Zündkabel einhalten. Außerdem dürfen wir keine Handys bei uns tragen oder müssen diese ausschalten“, erklärt Teichmann einen Teil der Sicherheitsbestimmungen.

Seib und sein Kamerad sind dagegen damit beschäftigt, den formbaren Sprengstoff an dem Holzpfahl zu befestigen und mit dem Sandsack zu verkleiden, sodass er nicht verrutscht. Die Besonderheit dabei: „Einige Stationen werden mit der richtigen Menge Sprengstoff geladen, andere mit weniger. Wir möchten den Soldaten damit zeigen, welche Auswirkungen das auf den Sprengerfolg hat“, fügt der Leitende Offizier an. Normalerweise würde diese Sprengladung noch von außen verdämmt, da sonst zu viel Sprengwirkung verlorengehen würde. Aber darauf verzichten die Soldaten heute.

Vor dem großen Knall

Ein Bundeswehrstiefel ist mit einer Sprengkapsel versehen und steht auf einem grauen Kiesplatz.

Kampfstiefel mit Sprengkapsel: Praktische Beispiele zeigen, was wäre wenn …

Bundeswehr/Lena Techam

Alle Stationen sind mit Sprengstoff geladen und die Zündmittel liegen in sicherem Abstand bereit. Sewe geht mit allen Soldaten die Stationen noch einmal ab und erklärt die zu erwartende Wirkung. „Die Explosion der Sprengkapsel in der Feldjacke und im Kampfstiefel soll zeigen, welche Verletzungen selbst kleinste Mengen Sprengstoff bei unsachgemäßer Handhabung verursachen können.“ An der Station Tür würden verschiedene Verfahren zum Sprengen von verschlossenen Türen, Toren oder Fenstern demonstriert werden. Das sogenannte Schaffen von Zugängen habe eine ganz besondere Bedeutung beim Kampf in Häusern und Gebäuden.

Achtung: Es wird gesprengt

Ein Soldat bläst in ein Schalmeihorn.

Oberleutnant B. Sewe bläst in das Schalmeihorn. Mit bestimmten Tonfolgen signalisiert der Leitende, was beim Sprengen passiert.

Bundeswehr/Lena Techam

Ein langer Ton durchschneidet die Ruhe auf dem Sprengplatz: „Gefahrenbereich räumen und Deckung aufsuchen“, verheißt er. Ein Teil der Soldaten wird die Stationen zünden, alle anderen verlassen den Gefahrenbereich. Mit Gehörschutz, Brille und Gefechtshelm geht der erste Zündtrupp mit dem Leitenden in Richtung Sprengplatz.

Und wieder ertönt das Horn: Zwei kurze Töne hintereinander, das Sprengsignal 2 warnt „Jetzt wird gezündet“, die Zündleitungen werden mit der Sprengladung verbunden. Kurz darauf steigt eine Fontäne aus dem gefüllten Wassereimer, der Kampfstiefel fliegt durch die Luft. Große und kleine Explosionen wechseln sich ab, sie werden lauter, die Druckwellen größer. „Bis zu 500 Gramm Sprengstoff zünden wir heute“, so der verantwortliche Oberleutnant. Die Soldaten um ihn herum sind sichtlich beeindruckt von dem Trümmerflug, der Druckwelle und dem deutlich wahrnehmbaren Explosionsknall. Schließlich sind alle Ladungen gesprengt. Sewe überprüft, ob alle Sprengladungen explodiert sind und der Sprengplatz wieder sicher ist. Er gibt Entwarnung: drei kurze Töne hintereinander.

Bilder vertiefen die Ausbildung

Ein Soldat kniet neben dem angesprengten Kampfstiefel. Mit seinen violetten Handschuhen zeigt er das Loch im Stiefel.

Die Kampfstiefel bieten keinen Schutz vor einer Explosion im nahen Umfeld. Die violetten Handschuhe machen das Loch im Stiefel sichtbar.

Bundeswehr/Lena Techam

Alle Soldaten kehren zurück auf den Sprengplatz. Wie vor dem Sprengen wird Station für Station die Wirkung besprochen. Überall liegen Holzsplitter herum. Der Wassereimer ist fast leer. Teichmanns zweiter Eimer ist durch die Explosion der Sprengkapsel an vielen Stellen mit kleinen Löchern übersät. „Bei einem Sprengunfall bohren sich kleinste weggesprengte Teile in Ihre Haut. Für einen Chirurgen ist es praktisch unmöglich, sie wieder zu entfernen“, macht Sewe den jungen Soldaten bewusst. Dass die Feldjacke und der Stiefel keinen Schutz gegen Sprengmittel bieten, zeigen die Löcher in der Ausrüstung. „Der Soldat, der diesen Stiefel getragen hätte, wäre nun schwer verletzt“, macht der Offizier deutlich, als er das Loch zeigt.

Ein dicker Holzpfahl ist aufgrund der Explosion umgefallen. Sein oberes Ende ist vollkommen zersplittert.

Nach dem Sprengen wird der Sprengerfolg, wie hier an diesem Baumstamm, eingehend von den Soldaten ausgewertet

Bundeswehr/Lena Techam

Der Holzpfahl an der Station von Seib steht nicht mehr. Die Druckwelle einer Explosion hat ihn umgeworfen. Das obere Ende ist komplett zersplittert. Der getrocknete Pfahl wurde trotz der niedrigen Menge Sprengstoff zerstört. „Ein Baum, der im Saft steht, wäre nur leicht beschädigt“, merkt Sewe an. Die Türen sind ebenfalls zerstört und hängen zum Teil noch in den Angeln. Hier haben alle Methoden zum Öffnen, wie geplant, funktioniert. Das Schloss wurde herausgesprengt und die Tür in der Mitte halbiert.

In einem dicken, raumhohen Betonrahmen hängt eine in der Mitte zerteilte Holztür.

Die Sprengausbildung endet erfolgreich, doch für die Offizieranwärter ist die Ausbildung noch lange nicht vorbei

Bundeswehr/Lena Techam

Alle zeigen sich beeindruckt über das Ergebnis des Sprengtages. Doch es ist nicht das Ende der Spezialgrundausbildung. Seib, Teichmann und die anderen jungen Soldaten werden bei einer dreitägigen Abschlussübung zeigen, was sie in den vergangenen drei Monaten gelernt haben. Dann folgt für alle der Weihnachtsurlaub.

Für die Offizieranwärter geht es im neuen Ausbildungsjahr an das Ausbildungszentrum Pioniere nach Ingolstadt. Dort werden sie auf dem Fahnenjunkerlehrgang zum Gruppenführer ausgebildet

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In der Ausbildung lernen Pioniere bereits früh, wie Sprengmittel wirken
von Jan Diehl

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