Heer
Sprungtauglich und sehr robust

Traumberuf: Fallschirmjägeroffizier

Traumberuf: Fallschirmjägeroffizier

Datum:
Ort:
Hammelburg
Lesedauer:
4 MIN

Eine Berufsausbildung im Zivilleben dauert zwei bis drei Jahre, bei der Bundeswehr sieht das etwas anders aus. Die Ausbildung zum Offizier in der Fallschirmjägertruppe ist anstrengend und zeitaufwendig. Welche Zwischenstationen gibt es? Wie lange dauert die Ausbildung und welche Teilbereiche umfasst sie?

Ein Fallschirmjägeroffizier mit voller Ausrüstung vor der untergehenden Sonne

An einen Offizier der Fallschirmjägertruppe werden viele Anforderungen gestellt. Er oder sie muss sprungtauglich, körperlich robust, physisch und psychisch fit sein und den unbedingten Willen zum Sieg haben.

Bundeswehr/Benjamin Bendig

Am Anfang steht immer die Grundausbildung. Sie dauert drei Monaten und wird in einem der insgesamt 18 Verbände des Heeres absolviert, in der Truppe, wie es umgangssprachlich heißt. Wichtig ist, dass die Grundausbildung zumindest vorerst über die spätere Truppengattung entscheidet. Besteht der Traum, Fallschirmjäger zu werden, dann sollte die Grundausbildung auch in einem Verband der Fallschirmjäger stattfinden. Während der Ausbildung lernen die Soldaten ihr Handwerk. Marschieren, Schießen, Biwak, Rechte und Pflichten stehen auf dem Lehrplan, hierbei geht es um die Grundlagen. Nach den ersten drei Monaten, also der Grundausbildung, trennen sich die Wege von Offizieren, Feldwebeln, Unteroffizieren und Mannschaftssoldaten in die vier Karrierewege der Bundeswehr.

Die folgenden Ausbildungsschritte bis zum Studium sind modular aufgebaut und können je nachdem, wie es zeitlich passt, in unterschiedlicher Reihenfolge erfolgen. Eine der Zwischenstationen bis zum Studium für angehende Offiziere des Heeres ist der sogenannte Fahnenjunkerlehrgang. Dieser dauert dreieinhalb Monaten und wird truppengattungsspezifisch durchgeführt. Für die angehenden Führer der Heeresinfanterie geht es hierzu nach Hammelburg an die Infanterieschule. Im Fahnenjunkerlehrgang erhalten die Soldaten die erste Prägung in ihrer jeweiligen Truppengattung. Sie wissen also, worauf es etwa als Jäger, Gebirgs- oder Fallschirmjäger ankommt. Weiter erfahren die noch jungen Soldaten, was es heißt, ein militärischer Führer zu sein, in der Theorie wie auch Praxis. Auch werden sie ausgebildet, selbst Schießvorhaben zu leiten. Damit aber noch nicht genug.

Erst Truppenpraktikum, dann Studium

Mehrere Soldaten hocken und liegen vor einem NH-90-Hubschrauber, der Offizier befehligt seine Soldaten.

Truppe zu führen, vor allem in hochintensiven Einsätzen, ist nicht jedermanns Sache. Ein Fallschirmjägeroffizier muss das jedoch können.

Bundeswehr/Andrea Rippstein

Nachdem Armeen immer im Verbund, oftmals multinational operieren, ist es wichtig, sich zu verständigen. Der Militärjargon ist geprägt von vielen Fachbegriffen, weswegen die angehenden Offiziere für drei Monate einen Englisch-Lehrgang besuchen. Dort wird ihnen ein sogenanntes Sprach-Leistungs-Profil abgefordert. Die letzte Station vor dem Studium ist das Truppenpraktikum mit einer Dauer von drei Monaten. Hier lernen die Soldaten die Struktur, Aufgaben und Tätigkeiten innerhalb der jeweiligen Verbände kennen und können das erlernte Wissen praktisch anwenden. Der Erfahrungsschatz der jungen Soldaten erweitert sich in dieser Zeit enorm. Danach werden die jungen Offizieranwärter an die Universitäten versetzt und beginnen ihr Studium.

Das Studium ist keine Pflicht, sondern die Regel. Das bedeutet auch, man kann bei besonderer Eignung in der Bundeswehr Offizier werden, ohne studiert zu haben. Denn Offizier ist kein anerkanntes Berufsbild. Das Studium hat jedoch den Zweck, dass die Soldaten nach ihrer Regelverpflichtungszeit von zwölf Jahren einen staatlich anerkannten Abschluss vorweisen. Nach ihrem insgesamt vierjährigen Studium an einer der beiden Universitäten der Bundeswehr in München oder Hamburg mit dem Abschluss Master kommt der vorletzte Schritt der Offizierausbildung, der Offizierlehrgang Truppendienst. Dieser dauert wiederum viereinhalb Monate und findet an der Offizierschule des Heeres in Dresden statt. Hier liegt der Schwerpunkt besonders auf allem, was der militärische Führer als theoretische Grundlagen, wie beispielsweise das Straf-, Disziplinar- und Beschwerderecht, wissen muss. Zusätzlich gilt es, körperliche Robustheit zu erhalten oder herzustellen, um auch Sportausbildungen leiten und umsetzen zu können.

Fallschirmspringen als Lehrgang

Ein Fallschirmjäger hängt an seinem gelb-grünen Fallschirm unter dem Himmel.

Kein Fallschirmjägeroffizier ohne Springerabzeichen: Wer sich nicht traut, aus Flugzeugen zu springen, hat keine Chancen in der Fallschirmjägertruppe.

Bundeswehr/Benjamin Bendig

Der Abschluss der Offizierausbildung ist der Offizierlehrgang Teil III. Dieser gliedert sich in Modul A und Modul B. Während das Modul A mit einer Dauer von fünfeinhalb Monaten den angehenden Infanterieoffizier dazu befähigt, einen Zug in den querschnittlichen infanteristischen Aufgaben zu führen, zu erziehen und auszubilden, wird es im Modul B noch spezifischer. Voraussetzung in diesem Fall ist zusätzlich noch der Fallschirmspringerlehrgang, der nochmals sechs Wochen dauert. In der Ausbildung zum Fallschirmjägeroffizier lernen die Soldaten in drei weiteren Monaten, einen Fallschirmjägerzug bei Luftoperationen im gesamten Aufgabenspektrum und Fähigkeitsprofil von Spezialoperationen zu führen und auszubilden. Hier stehen die Einsatzgrundsätze der Fallschirmjägertruppe im Fokus.

Nach insgesamt nun sieben Jahren und drei Monaten haben die Soldaten ihr Ziel erreicht: Fallschirmjägeroffizier der Bundeswehr.

Springen und kämpfen

  • Grafische Zeichnung eines Turms und eines Flachbaus, darüber ein Polygon in Grau und Grün.

    Die Infanterieschule im fränkischen Hammelburg ist die zentrale Ausbildungsstätte der Infanteristen. Die Wache und das Stabsgebäude sind jedem, der einmal in der Saaleck-Kaserne war, bekannt.

    Bundeswehr/Marie Heike
  • Ein mit Zweigen getarntes kleines Kettenfahrzeug fährt einen Waldweg im Herbst entlang.

    Der Waffenträger Wiesel ist luftverlastbar. Die Soldaten der Fallschirmjägertruppe müssen nicht nur aus dem Flugzeug springen, sondern auch kämpfen können. Dieses leicht gepanzerte, kleine Kettenfahrzeug ist hierzu perfekt geeignet.

    Bundeswehr/Benjamin Bendig
  • Aus einem Flugzeug springen Fallschirmjäger ab, ein Schirm hat sich bereits geöffnet.

    Ob Helikopter oder Flugzeug – der Sprungdienst, also Sprungübungen gehören zum Alltag der Fallschirmjäger. Die Verfahren und Abläufe müssen die Soldaten komplett verinnerlichen – hier geht es um ihr Leben und das der Kameraden.

    Bundeswehr/Andrea Rippstein
von Thomas Heinl

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