Heer
Erster Lehrgang

Wenn der Schütze das Ziel nicht sieht

Wenn der Schütze das Ziel nicht sieht

Datum:
Ort:
Hammelburg
Lesedauer:
2 MIN

Nach zwei Pilotlehrgängen hat jetzt an der Infanterieschule in Hammelburg der erste Lehrgang für Schießlehrer an der Granatmaschinenwaffe stattgefunden. Soweit nichts Besonderes – die Sicherheitsregeln im Umgang mit Waffen besagen, dass nur schießen darf, wer das Ziel sieht. In Hammelburg setzten die Soldaten ein neues Verfahren ein. Beim Non-Line-of-Sight (NLOS, dt.: Nicht-Sichtverbindung) fehlt die Sicht auf das Ziel.  

Der Schütze schießt, der Phosphor der Leuchtspurmunition ist in der Luft als Streifen zu erkennen.

Beim Schießen im NLOS-Verfahren ergibt sich ein unwirkliches Bild: Die Granatmaschinenwaffe ist weit nach oben gerichtet und schießt gen Horizont. Dabei muss der Granatmaschinenwaffentrupp mit dem Beobachter eng zusammenarbeiten.

Bundeswehr/Andrea Rippstein

Mit der Granatmaschinenwaffe werden leicht gepanzerte Bodenziele oder auch Schützengruppen bekämpft. Sie ist eine Unterstützungswaffe und wird in einem Trupp zu Fuß oder auch auf einer Waffenstation eingesetzt. Sie kann auch mit einem Fallschirm an den Einsatzort gebracht werden. Die Soldaten verschießen damit verschiedene Typen von Granaten des Kalibers 40 Millimeter in einer Schussfolge von 300 Schuss pro Minute. Das System, bestehend aus einem Dreibein, der Waffe sowie 32 Schuss Munition in einem Gurtkasten, wiegt mit knapp 80 Kilogramm so viel wie ein ausgewachsener Keiler.

Non-line-of-sight: Ein Verfahren bewährt sich

Der Leitende prüft mit dem Kompass, ob sich die Soldaten an die angegebene Richtung gehalten haben.

Der Leitende und gleichzeitig Prüfer des Schießens: Der angehende Schießlehrer vollzieht jede Entscheidung nach, um sie bewerten zu können.

Bundeswehr/Andrea Rippstein

Während bei den meisten Waffen nur der direkte Schuss auf ein sichtbares Ziel möglich ist, erlaubt es die ballistische Schussbahn der Granatmaschinenwaffe, auch hinter feindliche Stellungen zu wirken. Während des Lehrgangs Schießlehrer Granatmaschinenwaffe erlernen die Teilnehmenden zudem, die Waffe im NLOS-Verfahren einzusetzen. Bei dieser Variante der Zielbekämpfung arbeiten insgesamt vier Soldaten zusammen. Der Truppführer, der Richt- und der Ladeschütze sowie der Beobachter. Letzterer ist dabei nicht an der Waffe.

Bei diesem Verfahren ist der Beobachter der Einzige, der direkte Sicht auf das Ziel hat. Der Granatmaschinenwaffentrupp verlässt sich also auf die Angaben des Beobachters, beim NLOS-Schießen bekommt der Beobachter ein Ziel zugewiesen. Er meldet die Entfernung und den Winkel aus seiner Position an den Truppführer, dieser rechnet die Daten auf die Position des Schützen um und lässt die Waffe vom Schützen richten. Im Anschluss erfolgt eine Zielkorrektur, sofern das Ziel nicht direkt getroffen wird. Bei diesem sogenannten Gabeln ergibt sich immer ein Dreiklang aus Beobachter, Truppführer und Schütze – so lange, bis das Ziel bekämpft ist. Wirken die Soldaten nicht gut zusammen, wird es langwierig, denn bei einer maximalen Kampfentfernung von bis zu 2.200 Metern ergibt sich eine Geschossflugzeit von über 21 Sekunden. In dieser Zeit passiert nichts – ohne erkannten Aufschlag ist keine Korrektur möglich. 

Ausbildung für den besonderen Einsatz

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Vier Soldaten wirken beim NLOS-Verfahren eng zusammen. Nur einer, der Beobachter, hat dabei Sicht auf das Ziel. Er leitet alle anderen an.

Dieses Vorgehen bezeichnen die Soldaten als Sehstreifenverfahren, gleiches wird auch von Artilleriebeobachtern angewendet. Wichtig ist, dass die Granatmaschinenwaffe im taktischen Einsatz nie eigene Kräfte vor sich haben darf – ein seitliches Vorbeischießen ist in gewissen Grenzen erlaubt, das Überschießen jedoch nicht.
Die Teilnehmenden beschäftigen sich selbstverständlich auf ihrem Lehrgang nicht nur mit dem NLOS-Verfahren. Neben einer schriftlichen Prüfung legen die Soldaten eine umfassende praktische Prüfung ab. Dies ist wichtig, da sie im Anschluss als Truppführer und als Ausbilder eingesetzt werden. Die Ausbilder der Infanterieschule legen dabei das Augenmerk auf die Zeit von der Zielzuweisung bis zur Bekämpfung und die Schritte, die dafür nötig sind.

Ein Soldat liegt auf dem Boden, vor ihm Lagekarten. Er schreibt darauf mit einem Stift.

Der Truppführer hat einiges zu tun: funken, Feuerbefehle und Schusskorrekturen befehlen und vor allem mit der Karte und zahlreichen Schablonen arbeiten.

Bundeswehr/Andrea Rippstein
von Thomas Heinl

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