Heer

Wer entscheidet, wenn alles digital läuft?

Wer entscheidet, wenn alles digital läuft?

  • Digitalisierung
  • Heer
Datum:
Ort:
Leipzig
Lesedauer:
2 MIN

Stellen Sie sich vor, wie in den Sechzigerjahren viele Familien mit einem VW Käfer nach Italien gefahren sind: Die Kinder auf der Rücksitzbank nicht angeschnallt. So ungefähr ist heutzutage das Verhalten vieler im Internet. Dieses plastische Beispiel leitete Fragen und Inhalte zu einem zweitägigen Diskurs am Ausbildungskommando in Leipzig ein.

Drei Personen sitzen auf einer Bühne und ein Zuhörer steht mit dem Rücken zur Kamera im Plenum.

Über Digitalisierung und Cybersicherheit diskutieren Prof. Gabi Dreo Rodosek (v. l.), Moderator Christian Thiels und Prof. Holger Mey mit Soldaten und Gästen.

Bundeswehr/Alexander Pensch

„Künstliche Intelligenz und Sicherheit – Chancen und Risiken“ war das Thema der sicherheitspolitischen Informationsveranstaltung vom 7. bis 8. Februar. Cyber-Security, Digitalisierung und künstliche Intelligenz sind nur einige der Schlagworte, die gesellschaftlich diskutiert werden. Wie wird sich unser Leben in Zukunft verändern? Was bedeutet das für unsere Sicherheit? Wer trifft noch Entscheidungen? Über Digitalisierung als eines der Kernthemen unserer heutigen Zeit sprachen Experten, Soldaten und geladene Gäste. Christian Thiels, Leiter des Presse- und Informationsstabes und Sprecher der Bundesministerin der Verteidigung, moderierte die Veranstaltung.

Zwei Cyber-Experten, zwei Aspekte

Ein Soldat steht auf einer Bühne hinter einem Rednerpult und begrüßt die vor ihm Sitzenden.

Zahlreiche Gäste und Interessierte folgen der Einladung des Ausbildungskommandos zur sicherheitspolitischen Veranstaltung.

Bundeswehr/Alexander Pensch

Den Input rund um Digitalisierung und Cyber-Security lieferten zwei ausgesprochene Experten auf diesem Fachgebiet: Prof. Holger Mey ist Vizepräsident Advanced Concepts bei Airbus Defence and Space. Er forscht und referiert vorwiegend zu zukünftigen sicherheitspolitischen Herausforderungen und Folgerungen für Streitkräfte und Industrie. In seinem Vortrag ging es hauptsächlich um die ethischen Aspekte. Prof. Gabi Dreo Rodosek widmete sich darauf aufbauend den technischen Aspekten. Sie ist Professorin für Kommunikationssysteme und Netzsicherheit an der Universität der Bundeswehr München. Ihr Arbeitsschwerpunkt ist die Cybersicherheit vernetzter IT-Systeme, Cyber Defence sowie Security Analytics und Netztechnologien. Beide legten mit ihrem Fachwissen die Grundlage für den anschließenden Dialog.

Wertegerüst für künstliche Intelligenz

Wie sich die Gesellschaft auf den stärker werdenden Einfluss von künstlicher Intelligenz auf alle Lebensbereiche einstellt, war eine der Kernfragen. Mit Vernunft müsse ein Wertegerüst definiert werden, das als Basis für Entscheidungen diene, die automatisierte Systeme zu bestimmten Handlungen anweise, beschrieb Prof. Mey in seinen Erläuterungen. „Ein auf künstlicher Intelligenz basierendes, eigenständig handlungsfähiges System muss aber auch technisch dazu in die Lage versetzt werden, wehrhaft gegenüber Angriffen von außen zu sein.“ Eine einzige Sicherheitslücke reiche aus, um komplexe Systeme oder kritische Infrastruktur lahmzulegen. Prof. Dreo Rodosek stellte fest, dass Europa in der Forschung im Bereich Cyber-Security führend sei, aber die Umsetzung nicht schnell genug und mit nicht genügend Nachdruck erfolge. Sie wünsche sich vor allem eine „europäische digitale Souveränität“. Künftig müssten wir, die Kinder auf der Rücksitzbank, uns anschnallen und uns bewusst werden, welchen Gefahren wir ausgesetzt sind, so Prof. Dreo Rodosek. Organisationen oder Institutionen sollten Tipps geben, wie mit der Gefahr künftig umzugehen ist.


von Susanne Rehwagen

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