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60 Jahre Richthofengeschwader: Verband mit Tradition

60 Jahre Richthofengeschwader: Verband mit Tradition

  • Tradition
  • Luftwaffe
Datum:
Ort:
Wittmund
Lesedauer:
5 MIN

Manfred Freiherr von Richthofen, der „Rote Baron“, ist seit nunmehr 60 Jahren Namensgeber des Geschwaders. Am 43. Todestag des Rittmeisters wurde dem Jagdgeschwader 71 im Auftrag des Bundespräsidenten Heinrich Lübke durch den Inspekteur der Luftwaffe, Generalleutnant Josef Kammhuber, als erstem deutschen Einsatzgeschwader der Name einer großen Fliegerpersönlichkeit verliehen.

Ein Mann in der Uniform der kaiserlichen Armee.

Porträt von Manfred Freiherr von Richthofen

Bundeswehr/Archiv

Manfred von Richthofen wurde am 2. Mai 1892 als ältester Sohn eines Kavallerie-Offiziers in Breslau (Schlesien) geboren. Nach seiner Kadettenzeit trat er im Jahr 1912 als Fähnrich in das Ulanenregiment Nr.1 „Kaiser Alexander III.“ ein und erlebte in diesem als Kavallerie-Offizier den Ausbruch des Ersten Weltkriegs. Richthofen wurde schnell klar, dass er zu den Fliegern wollte. Er meldete sich zur Fliegertruppe und wurde im Mai 1915 als Beobachter an der Ostfront und ab August 1915 bei der sogenannten „Brieftauben-Abteilung Ostende“, einer getarnten Bomber-Formation übernommen.

Im Oktober 1915 hatte er die Gelegenheit, Leutnant Boelcke, der bereits vier Luftsiege errungen hatte, kennenzulernen. Diese Begegnung sollte entscheidend sein für seinen Entschluss, selbst den „Knüppel“ zu führen. In Döberitz absolvierte Richthofen die Flugzeugführerausbildung, die er dann Ende 1915 mit der Pilotenprüfung bestand. Ein wichtiger Abschnitt in seinem Fliegerleben war erreicht.

Eine Gruppe von Männern in Uniformen der kaiserlichen Armee.

Von Richthofen inmitten seiner Fliegerkameraden

Bundeswehr/Archiv

Der „Flying Circus“

Im August 1916 meldete er sich bei der Jagdstaffel „Boelcke“ in der Gegend von Cambrai. Sein lang gehegter Wunsch, Jagdflieger zu werden, war erfüllt. Bis Weihnachten desselben Jahres verzeichnete er bereits 14 Luftsiege. Mit der Verleihung des Ordens „Pour#fe le#fe Mérite“ nach dem 16. Luftsieg und der Ernennung zum Führer der Jagdstaffel 11 wurden seine Leistungen von höchster kaiserlicher Stelle gewürdigt. Richthofen hatte als Führer der Jagdstaffel 11 in wenigen Monaten seine größten Erfolge.

Diese neue Eliteeinheit war während des Krieges wegen ihrer enorm hohen Abschusszahlen bekannt und wurde bald mit drei weiteren Staffeln zum Jagdgeschwader 1 zusammengefasst. Bekannt wurde die von Richthofen geführte Einheit auch durch den Verzicht auf Tarnfarben an den Luftfahrzeugen. Stattdessen hatte jedes Flugzeug eine andere provokante Bemalung. Inmitten sonnengelber und grasgrüner Flieger flog von Richthofen einen leuchtend rot gefärbten Fokker-Dreidecker. Die Fliegertruppe wurde auch unter dem Namen „Flying Circus“ bekannt. Am 21. April 1918 erfüllte sich das Schicksal des Rittmeisters.

Tod in der Luft

Er hatte tags zuvor seinen 80. Luftsieg errungen, als es weit hinter der Front zu einem erbitterten Duell mit überlegenen englischen Kräften kam. Von diesem Einsatz kehrte der „Rote Kampfflieger“ nicht mehr zurück. Seinen Tod fand er vermutlich durch eine Kugel im Brustkorb. Auf der Feindesseite war die Anerkennung seiner militärischen Leistung so groß, dass er einen Tag später in Bertangles von englischen Offizieren in Ehren begraben wurde. Seinem Geschwader übermittelte man Folgendes:

To the German Flying Corps. Rittmeister Baron Manfred von Richthofen was killed in aerial combat on April 21st 1918. He was buried with full military honours.“

1925 wurden seine Gebeine auf den Ehrenfriedhof nach Berlin überführt. Heute ruht Manfred Freiherr von Richthofen neben seinem Bruder Karl-Bolko und seiner Schwester Elisabeth im Familiengrab auf dem Südfriedhof in Wiesbaden.

Düsenjets eines älteren Modells auf der Startbahn

Richthofener F-86 Sabre auf dem Fliegerhorst Ahlhorn

Bundeswehr/Archiv

Das Taktische Luftwaffengeschwader 71 „Richthofen“

Am 6. Juni 1959 wurde das Jagdgeschwader 71 (JG 71) durch den damaligen Inspekteur der Luftwaffe, Generalleutnant Josef Kammhuber, als erster fliegender Jagdverband der „neuen“ Luftwaffe in Dienst gestellt und mit dem von Canadier in Lizenz gebauten Jagdflugzeug F-86 Sabre MKMark VI ausgerüstet. Zu diesem Zeitpunkt befand sich der Verband allerdings noch im 80 Kilometer entfernten Ahlhorn bei Oldenburg. Mit der Umrüstung auf das Waffensystem F-104 G Starfighter verlegte das Geschwader am 29. April 1963 auf den nach NATO-Kriterien wiedergebauten Flugplatz Wittmundhafen, ein geschichtsträchtiges Gelände, das bereits im Jahre 1916 Heimathafen eines Luftschiffgeschwaders war. Ein Gedenkstein auf dem Flugplatz zeugt heute noch davon. Von 1974 bis 2013 kam das Waffensystem McDonnell Douglas F-4F Phantom in Wittmund zum Einsatz.

Außerdienststellung einer blaugelben F-4 F Phantom umringt von Menschen

Außerdienststellung der F-4 F Phantom anlässlich eines Familientages

Bundeswehr/Soenke Dwenger

Typhoon ersetzt Phantom

Am 30. Juni 2013 wurde die Phantom bei einem Jubiläums-Wochenende verabschiedet. Gleichzeitig mit der Verabschiedung sollte das Geschwader eines der modernsten und leistungsfähigsten Kampfflugzeuge erhalten. Der Eurofighter Typhoon setzt nicht nur aufgrund seiner hervorragenden Technik und Flugeigenschaften neue Maßstäbe. Mehrrollen-Fähigkeit, modernste Sensorik und Bewaffnung sowie die Befähigung zur vernetzten Operationsführung sind ein Garant für die Auftragserfüllung.

Vor einem Düsenjet spielt eine Kapelle in Uniform.

Appell zur Aufstellung des Taktischen Luftwaffengeschwaders 71 „Richthofen“

Bundeswehr/Kevin Schrief

Nach drei Jahren endlich wieder Geschwader

Am 30. September 2013 wurde das Jagdgeschwader 71 „Richthofen“ im Zuge der Neuausrichtung der Bundeswehr aufgelöst. Mit Wirkung zum 1. Oktober 2013 wurde dann die Taktische Luftwaffengruppe „Richthofen“ neu aufgestellt und dem Taktischen Luftwaffengeschwader 31 „Boelcke“ unterstellt.

Am 1. Juli 2016, viel früher als erwartet, wurde durch eine Weisung der Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen der Luftwaffenstützpunkt Wittmund nach circa drei Jahren wieder ein eigenständiges Geschwader und führt somit eine lange Tradition fort.

Ein Düsenjet, der das Porträt eines Soldaten trägt.

Die Jubiläumsmaschine mit von Richthofens Porträt

Bundeswehr/Mick Balter

Verleihung des Traditionsnamens Richthofen

Am 43. Todestag des Rittmeisters Manfred Freiherr von Richthofen, dem 21. April 1961, wurde dem Geschwader durch den Bundespräsidenten Heinrich Lübke der Traditionsname „Richthofen“ verliehen. Seit diesem Tag hält der Verband den Namen „Richthofen“ mit großem Respekt in Ehren. Von Richthofen hat die von Hauptmann Oswald Boelcke aufgestellten Grundsätze der Jagdfliegerei in seiner Funktion als erster Geschwader-Kommodore in der Geschichte der Luftwaffe entscheidend weiterentwickelt. Für die Traditionspflege in der Luftwaffe ist der Name Richthofen mit der entscheidenden Weiterentwicklung von Einsatzgrundsätzen, auf denen auch die heutigen Flugverfahren beruhen, sowie seinen Fähigkeiten als militärischer Vorgesetzter maßgebend.

Der rote Dreidecker, den Richthofen flog, ist als Modell zu sehen.

Die Militärgeschichtliche Sammlung im Taktischen Luftwaffengeschwader 71 „Richthofen“ wird gern besucht

Bundeswehr/Birte Bechters

Symbolfigur und Vorbild

Die Ideale, die mit dem Namen verbunden sind, machen ihn zu einer Symbolfigur. Mit diesem klaren und zeitlosen militärischen Vorbild gibt er ein Beispiel, dient den Frauen und Männern des Verbandes als Vorbild und Ansporn und ist die Grundlage für den bekannten „Richthofen-Spirit“, der eine große Motivation für den Verband sowie für den Einzelnen bedeutet.

Jährlich findet ein Gedenkappell im Rahmen des Richthofen-Treffens statt. Die enge Verbundenheit mit der Familie Richthofen wird regelmäßig durch die Teilnahme derselben bei dem Gedenkappell und dem alljährlichen Richthofen-Ball sichtbar. Unter anderem war der ehemalige Präsident des Deutschen Sportbundes, Manfred Freiherr von Richthofen, regelmäßiger Gast des Verbandes.

Soldaten gehen mit Kränzen auf einem Weg.

Kranzniederlegung am Gedenkstein in der Truppenunterkunft in Wittmund

Bundeswehr/Birte Bechters

Regionalausstellung erzählt die Geschichte

Anlässlich des 100. Todestages Manfred Freiherr von Richthofens, fand 2018 auf dem Marktplatz Wittmund, in Anwesenheit des Inspekteurs der Luftwaffe, und unter reger Beteiligung der Bevölkerung eine Serenade zu Ehren des Namensgebers statt. Im Unterkunftsbereich des Geschwaders befindet sich eine Militärgeschichtliche Sammlung, die sich vorwiegend mit dem Leben des Roten Barons und dem Jagdgeschwader Richthofen Nr. 1 „Manfred Freiherr von Richthofen“ befasst. Zusätzlich zur Militärgeschichtlichen Sammlung verfügt das Geschwader seit 2020 über eine Regionalausstellung, die den Standort, das Geschwader und deren Soldaten darstellt.

Zu sehen ist ein Eingangsbereich mit Schaukästen, in denen Informationen zum Geschwader angebracht sind.

Eingang zur Regionalausstellung des Geschwaders. Hier wird die Geschichte des Verbandes erzählt, einschließlich seines Namensgebers.

Bundeswehr/Birte Bechters
von Reimund Wilms

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