Luftwaffe

Was hält die Luftwaffe zusammen? Tradition!

Was hält die Luftwaffe zusammen? Tradition!

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Datum:
Ort:
Berlin
Lesedauer:
4 MIN

Drei der vier Traditionsgeschwader der Luftwaffe feiern am 21. April den 60. Jahrestag ihrer Namensgebung. Mit Namen wie Immelmann, Boelcke und Richthofen sind Geschichte und Geschichten verbunden, die für das Team Luftwaffe richtungsweisend sein sollen – heute und für die Zukunft.

Ein in verschiedenen Farben bemalter Düsenjet fliegt durch die Luft.

Die Jubiläumsmaschine „60 Jahre Richthofengeschwader“ symbolisiert den Geburtstag in der Luft wie am Boden

Mick Balter/MBAviationImages


„Nichts auf der Welt ist mächtiger als eine gute Geschichte. Nichts kann sie aufhalten, kein Feind vermag sie zu besiegen“, sagt Tyrion Lannister zum Abschluss der beliebten Mittelalter-Fantasy-Serie „Game of Thrones“. Diese Sätze sind zeitlos. Vor Kurzem setzte der Inspekteur der Luftwaffe, Generalleutnant Ingo Gerhartz, mit seinem Tagesbefehl zur Traditionspflege in der Luftwaffe ein Zeichen für die Beschäftigung mit der Historie und der daraus abgeleiteten Tradition der blauen Teilstreitkraft.

Darin appellierte er an das Geschichtsbewusstsein aller Angehörigen der Luftwaffe. Sinnstiftend wirken sollen Werte und Normen, die unsere demokratische Grundordnung bestimmen und somit die „eigene Geschichte ab 1956 stärker als den zentralen Bezugspunkt herausstellen …“. Die jüngere Geschichte soll erzählt werden und als Reservoir dienen. Aus der Zeit, als die ersten Freiwilligen der Luftwaffe im Januar 1956 in Nörvenich in der Luftwaffenlehrkompanie eintrafen, bis heute mit ihren weltweiten Einsätzen und multinationalen Übungen, soll das Team Luftwaffe sein Selbstverständnis als eine in jeder Hinsicht moderne Teilstreitkraft ziehen.

Aber auch andere Zeiten der deutschen Militärgeschichte sind traditionswürdig. So können und sollen wie bisher überlieferte Vorbilder und mit ihnen gewachsene gemeinsame Werte an die Bestimmung und den Sinn erinnern, seinem Land als Soldat zu dienen.

Ein Tornado Jagdflugzeug mit Sonderlackierung steht vor einem Luftfahrzeugschutzbau in Jagel.

Ein Tornado des Taktischen Luftwaffengeschwaders 51 „Immelmann“ mit Sonderlackierung für das NATO Tiger Meet 2019 in Frankreich. Auf dem Leitwerk ist das Konterfei von Max Immelmann zu sehen.

Bundeswehr/Falk Bärwald


60 Jahre Traditionsgeschwader

Erinnern und bewahren, um für das Jetzt und die Zukunft handlungsfähig zu sein – das macht Tradition aus! Die Traditionsgeschwader der Luftwaffe mit den Taktischen Luftwaffengeschwadern 31 „Boelcke“, 51 „Immelmann“, 71 „Richthofen“ und 73 „Steinhoff“ stehen mit ihren Namen für erlebbare Tradition. Drei von ihnen begehen heute den 60. Jahrestag ihrer Namensgebung.

Am 21. April 1961 verlieh Bundespräsident Heinrich Lübke dem Jagdbombergeschwader 31, dem Aufklärungsgeschwader 51 und dem Jagdgeschwader 71 ihre Traditionsnamen. In einer Feierstunde auf dem Fliegerhorst Ahlhorn bekamen die Kommodores die noch heute bekannten Ärmelbänder überreicht. Seit diesem Tag tragen die Geschwader die Traditionsnamen „Boelcke“, „Immelmann“ und „Richthofen. Jeder ihrer Namensgeber steht bis heute für den inneren Zusammenhalt der Luftwaffe im Allgemeinen und für ihren Verband im Besonderen.

Auf einem Schwarz-Weiß-Foto: Zwei Männer in unterschiedlichen Uniformen unterhalten sich.

Hauptmann Boelcke (rechts) mit Captain Wilson, einem englischen Kriegsgefangenen, im Gespräch

Archiv/Traditionsgemeinschaft Nörvenich

Hauptmann Oswald Boelcke – der Gestalter

So steht Hauptmann Oswald Boelcke mit seinen Führungsqualitäten und dem Formen seiner Fliegerstaffel zu einer Kampfgemeinschaft für das Team Luftwaffe. Boelcke wusste, dass es in dieser jungen und für damalige Zeiten hoch technisierten Truppengattung auf jeden Einzelnen ankommt, am Boden wie in der Luft, auf den Mechaniker mit Schraubenschlüssel wie auf den Piloten am Steuerknüppel. Konzeptionell denkend, schuf er mit der „Dicta Boelcke“ die ersten Einsatzgrundsätze in der Kampffliegerei. Und nicht ohne Grund lautet der inoffizielle Geschwadername der 31er „Team Boelcke“.

Oberleutnant Max Immelmann – Ritter der Lüfte

Max Immelmann hingegen, der sich das Fliegen hart erarbeitete, Bruchlandung inklusive, ging fliegerisch bis an die Grenzen des Möglichen. Er entwickelte Flugmanöver, die bis heute seinen Namen tragen. Immelmann steht neben dem ihn auszeichnenden Pioniergeist auch für soldatische Tugenden wie Ritterlichkeit, Tapferkeit und Einsatzfreude sowie für die Offenheit technischen Neuerungen gegenüber. In diesem Erbe sehen sich die „Immelmänner“ des Taktischen Luftwaffengeschwaders 51. Ausgerüstet mit moderner Aufklärungssensorik und einer verlegefähigen Auswerteanlage gehört das Geschwader zu den Einsatzkräften der Bundeswehr.

Ein Mann in der Uniform der kaiserlichen Armee mit dem Eisernen Kreuz am Kragen.

Manfred Freiherr von Richthofen im Porträt

Archiv/MHM Dresden

Rittmeister Manfred Freiherr von Richthofen – der Taktiker

Am 43. Todestag des Rittmeisters Manfred Freiherr von Richthofen, dem 21. April 1961, wurde dem damaligen Jagdgeschwader 71 durch Bundespräsident Heinrich Lübke der Traditionsname „Richthofen“ verliehen. Als erster Geschwader-Kommodore überhaupt entwickelte von Richthofen die von Hauptmann Oswald Boelcke aufgestellten Grundsätze der Jagdfliegerei weiter. Ihm gelang es, durch die Zusammenfassung mehrerer Fliegerstaffeln zu einem Geschwader Schwerpunkte zu bilden und so eine örtliche Luftüberlegenheit zu erreichen.

Er war unter seinen Gegnern für seine Fairness bekannt und als herausragender Flieger gefürchtet. Die Ideale, die mit dem Namen verbunden sind, machen ihn zu einer Symbolfigur. Mit diesen klaren und zeitlosen militärischen Eigenschaften gibt er ein Beispiel, ist die Grundlage für den bekannten „Richthofen-Spirit“ und damit Fundament für die Leistungen des Verbands.

General Johannes Steinhoff – der Organisator und Ausbilder

Am 18. September 1997 wurde das Jagdgeschwader 73 mit der Verleihung des Traditionsnamens „Steinhoff“ noch einmal offiziell in Dienst gestellt. Namensgeber war der frühere Inspekteur der Luftwaffe, General Johannes Steinhoff. Das Geschwader besaß durch die Zusammenlegung zweier Flugzeuggruppen, die sich noch wenige Jahre zuvor als Feinde belauerten, eine eigene, spezielle Geschichte. Der Anteil MiGMikoyan-Gurewitsch-29 des damaligen Jagdgeschwaders 73 wurde mit dem Anteil F-4F „Phantom“ zusammengelegt, Standort dieser im wahrsten Sinne bunt gemischten Truppe wurde der ehemalige NVANationale Volksarmee-Fliegerhorst Laage bei Rostock.

Die Zusammenlegung war mit organisatorischen wie auch technisch-taktischen Schwierigkeiten verbunden und eine enorme Herausforderung für alle. Namensgeber Steinhoff selbst überwand in seiner Zeit als Inspekteur der Luftwaffe (1966 – 1971) durch klare Forderungen an die Ausbildung und mit der Umgestaltung der Geschwader-Strukturen die sogenannte „Starfighter-Krise“. Eine seiner zentralen Forderungen an die Ausbildung der Piloten gilt noch heute und zählt als Leitsatz aller Eurofighter-Piloten der Luftwaffe: Fliegen, fliegen, fliegen!

Auf einem Schwarz-Weiß-Foto stehen Männer in Luftwaffenuniform und freuen sich über ihre Auszeichnung.

Generalleutnant Johannes Steinhoff übergibt die Jahresbestpreise der Luftwaffe, ein Ritual, das anspornt

Bundeswehr/Günther Oed

Bis heute Vorbild und beispielgebend

Allen Traditionsgeschwadern ist eines gemeinsam: Sie sind benannt nach Persönlichkeiten, die durch ihren Charakter, ihr Handeln, ihren Pioniergeist bis heute beispielgebend sind. Auf den Verbandsseiten der Geschwader stehen ab sofort die Historien des jeweiligen Verbands einschließlich seiner Namensgeber zur Verfügung. Das sind mächtige Geschichten, die es wert sind, immer wieder erzählt zu werden.

von Thomas Skiba

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