Luftwaffe

Abschluss eAPS – Deutscher Pilot im britischen Typhoon

Abschluss eAPS – Deutscher Pilot im britischen Typhoon

  • Landes- und Bündnisverteidigung
  • Luftwaffe
Datum:
Ort:
Wittmund
Lesedauer:
4 MIN

Die Mission ist beendet. Am 27. Juli 2021 ist der letzte deutsche Soldat wohlbehalten zu seinem Heimatverband in Wittmund zurückgekehrt. Damit ist das deutsche Engagement enhanced Air Policing South in Rumänien beendet. Zeit ein Fazit zu ziehen.

Ein Eurofighter hebt von der Air Base Mihael Kogalniceanu ab

Ein Eurofighter hebt von der Air Base Mihael Kogalniceanu ab

Bundeswehr/Johann Scheller

Hauptmann Dominik D. ist Offizier, 31 Jahre alt und deutscher Eurofighterpilot. Doch sein Arbeitsplatz ist nicht etwa ein deutscher Eurofighter EF-2000, sondern die britische Version, der Eurofighter Typhoon. Denn Hauptmann D. ist deutsch-britischer Austauschpilot und bei der Royal Airforce in Lossiemouth im Nordosten von Schottland stationiert. Damit ist er das Paradebeispiel gelungener Zusammenarbeit der beiden Nationen, die zukünftig weiter ausgebaut und in 2022/2023 in einem gemeinsamen deutsch-britischen Kontingent münden soll.

Der deutsche Austauschpilot auf der Air Base Mihael Kogalniceanu beim Interview in Rumänien.

Der deutsche Austauschpilot beim Interview in Rumänien

Bundeswehr/Philippe Stupp

Wie wird man eigentlich Austauschpilot?

Pilot eines Kampfflugzeuges zu sein – ein Traum vieler junger Menschen. Hauptmann D. hat ihn für sich erfüllen können. Doch bis dahin war es ein langer Weg mit endlosen Tests, Gesundheitsprüfungen und anspruchsvollen Ausbildungsabschnitten. Dazu gehört, neben den regulären Eignungsfeststellungen, bei denen überprüft wird, ob man physisch und psychisch in der Lage ist einen Jet zu fliegen, auch die fliegerische Ausbildung in den USAUnited States of America.

Das ‚Euro NATO Joint Jet Pilot Training ‘, kurz ‚ENJJPTEuro NATO Joint Jet Pilot Training‘, auf der Sheppard Air Force Base in Texas und im Vorfeld der ‚USUnited States-Qualifikation Course#en’. Der normale Werdegang sieht als nächstes den sogenannten ‚B-Course#en‘ vor, bei dem es um die taktische Ausbildung auf dem Eurofighter geht. Die Luftwaffe führt diese Ausbildung beim Taktischen Luftwaffengeschwader 73 in Laage bei Rostock durch. Da es nur wenige Lehrgangsplätze für den ‚B-Course#en‘ gibt, hat ein Flugschüler eine gewisse Wartezeit bis zum Beginn der Ausbildung zu bewältigen. In 2018, während Dominik D. auf einen Platz in Laage warten musste, trug es sich zu, dass die britische Royal Air Force einen Engpass bei der Ausbildung des ‚Advanced Flying Training‘ hatte, dem Äquivalent zum deutschen ‚ENJJPTEuro NATO Joint Jet Pilot Training‘. Um die Flugausbildung schneller bewältigen zu können, kam daher die Idee auf, dass die Royal Air Force mit zwei Flugschülern an ENJJPTEuro NATO Joint Jet Pilot Training teilnimmt, und dafür dürfen zwei angehende Eurofighter Piloten aus Deutschland am britischen ‚B-Course‘ in Coningsby mit anschließender Verwendung in Lossiemouth teilnehmen. Einer von ihnen war Hauptmann Dominik D.

Das deutsch-britische Kontingentfoto.

Die deutschen und britischen Soldaten des enhanced Air Policing South in Rumänien

Royal Air Force

Herausforderungen und Benefit

Während der deutsche Eurofighter und der britische Typhoon äußerlich beinahe identisch aussehen, so unterscheiden sie sich dennoch erheblich. Hauptmann D. bereitete dies jedoch kaum Probleme, da er zum ersten Mal in die Handhabung eingewiesen wurde und daher keine Schwierigkeiten eintraten, die sonst bei einer Umschulung vorkommen könnten. So lernte er von Beginn an mit der britischen Software und der unterschiedlichen Konfiguration der Bewaffnung umzugehen.

Besonders herausfordernd war der Ausbildungsabschnitt, der die Kampfführung ‚beyond visual range‘ behandelte, also außerhalb der Sichtweite, da dieser fast ausschließlich unter Nutzung des Radars geflogen wird. Während die britischen Kameraden dies im Rahmen ihrer vorangegangen Ausbildung bereits trainiert hatten, war es für Dominik D. das erste Mal. Aber obwohl „die Briten einen größeren Abholpunkt“ voraussetzten, so D., der in 2022 wieder nach Deutschland zurückkehrt, bestand er auch diesen Teil der Ausbildung. Sein abgeschlossenes Informatikstudium vor seiner fliegerischen Ausbildung trug ebenfalls zu diesem Erfolg bei. 
Nach Beendigung seiner fliegerischen Ausbildung wurde er 2020 zur II(AC) Squadron nach Lossiemouth versetzt und beteiligt sich seitdem von dort aus an den britischen Missionen. So kam es, dass ein deutscher Pilot, während die Wittmunder Eurofighter in Rumänien im Einsatz waren, zeitgleich für das britische Kontingent vor Ort war.

Sein Fazit zu der deutsch-britischen Zusammenarbeit fällt durchweg positiv aus: „Die Zusammenarbeit mit den Briten ist es eine sehr gute und professionelle mit einer angenehmen und kameradschaftlichen Atmosphäre. Durch die ‚Multi-Role‘ Fähigkeit des Typhoon, also die Möglichkeit sowohl Ziele in der Luft, als auch am Boden bekämpfen zu können, ist der Lerneffekt für uns Deutsche enorm.“ 

Der deutsche Austauschpilot vor seinem Arbeitsgerät.

Der deutsche Austauschpilot vor seinem Arbeitsgerät, dem britischen Eurofighter Typhoon

Bundeswehr/Philippe Stupp

Fazit der Mission eAPS in Rumänien

Der deutsche Beitrag zum enhanced Air Policing South ist beendet und die Eurofighter und die Soldaten sind wieder in Wittmund gelandet. Im Gepäck haben sie dabei eine ganze Reihe an Erkenntnissen. Es gab Schwierigkeiten mit Witterung und dem teilweise schlechten Zustand der Infrastruktur des Flugplatzes und daraus resultierend nicht immer optimalem Klarstand der Kampfflugzeuge. Auch die technische und die rechtliche Seite, beispielsweise bei der Erteilung der Flugfreigabe nach Reparaturen oder im Bereich der technischen Durchsicht zeigte noch erhebliches Verbesserungspotential in der deutsch-britischen Zusammenarbeit.  Dennoch fällt das Gesamtfazit positiv aus.

„Wir haben viele Erkenntnisse gewonnen bei der Mission eAPS 21 in Rumänien“, berichtet der stellvertretende Projektoffizier des Zentrum Luftoperationen, Oberstleutnant Stephan Koske, der mitverantwortlich ist für die Gesamtplanung. „Auch wenn es in manchen Bereichen noch Nachbesserungsbedarf gibt, so hat uns das Engagement doch einen weiteren Schritt in Richtung eines gemeinsamen deutsch-britischen Kontingents gebracht. Wir wissen jetzt, dass das Plug-and-Fight Konzept greift, wir es schaffen, auch unter schwierigen äußeren Bedingungen, in einem internationalen Rahmen unsere Flugzeuge in die Luft zu bringen und gemeinsam bewaffnete Schutzflüge durchzuführen. Das war ein Novum in Rumänien und das zeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Jetzt liegt noch einiges an Arbeit vor uns. Die Vorschriften zur technischen Überprüfung der Luftfahrzeuge müssen in Einklang mit den britischen Regelungen gebracht und Voraussetzungen geschaffen werden, damit die Sicherheit zu jeder Zeit gewährleistet werden kann. Auch die unterschiedlichen Abläufe müssen trainiert und verinnerlicht werden. Kooperationsvereinbarungen müssen unterzeichnet werden, um die rechtlichen Grundlagen zu schaffen, damit wir unser großes Ziel, die Gestellung eines komplett gemischten Kontingentes, realisieren können“.

von Philippe Stupp