Luftwaffe

Auf dem Weg zum „Special Operation Forces-Aviator“

Auf dem Weg zum „Special Operation Forces-Aviator“

  • Spezialkräfte
  • Luftwaffe
Datum:
Ort:
Laupheim
Lesedauer:
3 MIN

An die Spezialkräfte der Bundeswehr werden besonders hohe Anforderungen gestellt, denn militärische Spitzenleistungen sind das Ziel – das gilt auch für ihre Piloten und Tactical Operator, also den Bediener der Bordkanone.

Rund um die Uhr – weltweit

Deutschland verfügt über Spezialkräfte, die rund um die Uhr und weltweit einsatzbereit sind. Ein hohes Risiko, ständige Bereitschaft und andauernde Herausforderungen kennzeichnen ihre Aufgaben.

Ein vermummter Pilot steht mit verschränkten Armen vor einem Hubschrauber

Für die Ausbildung zum Spezialkräfte-Piloten müssen die Bewerber erst durch ein umfangreiches Potenzialfeststellungsverfahren

Bundeswehr/Johannes Locherer


Der Anspruch an sie ist hoch: Gesucht werden reife und hoch professionelle sowie gefestigte und eigenmotivierte Persönlichkeiten. Ein intensives Auswahlverfahren sorgt dafür, dass nur durchweg geeignete Soldaten mit dieser besonderen Aufgabe betraut werden.

Ich suche SOF-Aviator, die den unbändigen Willen und die Fähigkeit besitzen, das eigene Ich stetig stärken zu wollen, ohne das gemeinsame Wir aus dem Herzen zu verlieren.


Der Staffelkapitän der 4. Fliegenden Staffel erklärt, was er von seinem künftigen Personal erwartet: „Ich suche SOF-Aviators, die den eigenen Willen und die Fähigkeit besitzen, das eigene Ich stetig stärken zu wollen, ohne das gemeinsame Wir aus dem Herzen zu verlieren. Dabei sind das bescheidene Auftreten und die Achtung der Würde aller Menschen in jeglicher Dynamik des Geschehens besonders ausschlaggebend.“

Das HSG 64 – Heimat der Spezialkräfte der Luftwaffe

Im Hubschraubergeschwader 64 in Laupheim sind die Spezialkräfte der Luftwaffe zu Hause. Ihre Aufgabe ist nicht nur der Lufttransport bei Spezialoperationen; sie klären auf, geben Feuerunterstützung aus der Luft und bieten so beispielsweise bei Zugriffsoperationen taktisch mehr Handlungsmöglichkeiten.

Ein fliegender Hubschrauber. An der offenen Seitentür steht ein Soldat, der Bediener der Bordkanone

Die beiden SOF-Aviator in einem Bild. Sowohl der Pilot des H145M als auch der Tactical Operator, also der Bediener der Bordkanone, werden so bezeichnet. Beide durchlaufen das gleiche Auswahlsverfahren

Bundeswehr/Johannes Heyn


Außerdem leisten sie militärische Unterstützung (Military Assistance) in Ländern mit labilen Sicherheitsstrukturen und helfen bei der Ausbildung von Sicherheitskräften anderer Nationen.

Spezialkräfte der Luftwaffe – einfallsreich, entschlossen, bescheiden

In der intensiven Prüfungswoche die vor den Bewerbern für die 4. Fliegende Staffel liegt, wollen die Experten feststellen, ob die Kandidaten mit der besonderen Verantwortung und dem extremen Druck umgehen können.

Ein Hubschrauber im Landeanflug

Der Transporthubschrauber CH-53 bringt die Piloten zum Startpunkt ihrer Durschlageübung

Bundeswehr/Christian Brett


Teil des Prüfungsteams ist eine Fliegerpsychologin. Mit ihr zusammen werden auch auf wissenschaftlicher Ebene Erkenntnisse über Fähigkeiten, Kompetenzen und Charaktereigenschaften gewonnen. Es wird festgestellt, ob der Kandidat bei den Spezialkräften der Luftwaffe bestehen kann.

Ein Pilot sitzt einer Psychologin in einem Gespräch gegenüber

Die Fliegerpsychologin unterstützt die Prüfer bei ihrer Entscheidung mit Tests und Interviews auf wissenschaftlicher Basis

Bundeswehr/Johannes Locherer


Die Soldaten, die sich dieser anspruchsvollen Prüfung stellen, sind Hubschrauberpiloten und Soldaten mit infanteristischer Ausbildung. Nun bewerben sie sich als Pilot oder Tactical Operator bei den Spezialkräften der Luftwaffe.

Die 4. Fliegende Staffel: das Ziel als SOF-Aviator

Moritz nimmt an diesem Potenzialfeststellungsverfahren für SOF-Aviator teil. Er will Hubschrauberpilot bei den Spezialkräften werden. Der Pilot sieht für sich selbst bei den Spezialkräften in Laupheim das größte fliegerische Entwicklungspotenzial: „Jedes Mal, wenn ich mit Piloten der Spezialkräfte fliege, lerne ich deutlich dazu.“

Sind die Bewerber geeignet, können sie die Ausbildung zum SOF-Aviator durchlaufen und danach in die 4. Fliegende Staffel des Geschwaders versetzt werden. Auf dem H145M LUH SOFLight Utility Helicopter – Special Operation Forces, dem Hubschrauber der Spezialkräfte, bekommen sie anschließend ihre weitere Ausbildung.

Ein Soldat hält im Wand einen Kompass in der Hand

Auf dem Weg zum SOF-Aviator warten ganz unterschiedliche Herausforderungen auf die Kandidaten

Bundeswehr/Christian Brett


Der Weg durch das Verfahren – sieben Tage volle Konzentration

Zu Beginn der Potenzialfeststellung warten flugpsychologische Tests auf die Bewerber. Die Prüfer erwarten dabei ganz bestimmte Eigenschaften: Konzentrationsfähigkeit unter Belastung, soziale Kompetenz, aber auch das Wissen um das politische Zeitgeschehen werden vorausgesetzt. Kreativ und entschlossen sollen die Spezialkräfte sein. Sie können komplizierte und komplexe Probleme lösen und punktgenau handeln.

„Wir haben auf wissenschaftlicher Basis die Fertigkeiten abgeprüft, die letztlich die Spezialkräftefliegerei von der konventionellen Fliegerei abgrenzen. So konnten wir besonders geeignetes Personal zur weiteren Ausbildung empfehlen“, sagt die Psychologin nach den Tests.

Ein Soldat mit Rucksack läuft. Im Hintergrund sind Hubschrauber zu sehen

Körperliche Fitness ist in Laupheim eine Grundvoraussetzung. Spezialkräfte müssen trotz körperlicher Belastung richtige Entscheidungen treffen

Bundeswehr/Johannes Locherer

Triff die richtige Entscheidung – unter Belastung

Nach der psychologischen Hürde geht es um die körperlichen Voraussetzungen. Ein Geländelauf und Klimmzüge sind nur der Anfang. Die physischen Tests bringen die Kandidaten ins Schwitzen. Es folgt eine Durchschlageübung über Nacht. Wie wirken sich Schlafentzug und Erschöpfung auf die eigenen Fähigkeiten aus? „Wir haben die Orientierungsmärsche in der Gruppe zwar vorher noch mal trainiert aber es ist immer wieder aufs Neue interessant, wie der Körper auf solche Situationen reagiert“, sagt Moritz.

Ein Gruppe Soldaten geht durch einen Wald

Die Bewerber werden die ganze Nacht auf den Beinen sein. Danach müssen sie erschöpft weitere Aufgaben bewältigen

Bundeswehr/Christian Brett

Planen einer Spezialoperation – das täglich Brot

Der Abschluss und zeitgleich wichtigste Teil des Auswahlverfahrens zum SOF-Aviator ist die detaillierte Missionsplanung. „So eine Mission bin ich in meiner eigenen Vorbereitung mit erfahrenen Piloten durchgegangen“, sagt Moritz. Denn sowas musste er bislang selbst noch nicht machen.

Ein Soldat sitzt vor einem Computer

Die Hubschrauberpiloten müssen während der Potenzialfeststellung eine Mission planen

Bundeswehr/Johannes Locherer
Ein Soldat kniet über einer Landkarte und zeichnet mit Kompass, Lineal und Bleistift auf ihr

Die Missionsplanung gehört zum grundlegenden Handwerkszeug der SOF-Aviator. Die Kommandosoldaten wollen an den Punkt X – bringen wir sie dort hin

Bundeswehr/Johannes Locherer


Durch die Spezialkräfte der Luftwaffe werden Spezialoperationen schneller und überraschender. Hier in jeder Lage die richtige Lösung zu finden und diese entschlossen umzusetzen, das sind die Aufgaben des SOF-Aviators.


von Christian Brett

Mehr zum Thema