Luftwaffe

Der Mensch hinter der A400M-Techniker-Datenbank

Der Mensch hinter der A400M-Techniker-Datenbank

  • Digitalisierung
  • Luftwaffe
Datum:
Ort:
Wunstorf
Lesedauer:
4 MIN

Jeder Betrieb wünscht es sich – auf einen Knopfdruck zu wissen, welche Qualifikationen die jeweiligen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben. Wenn dann auch noch angezeigt würde, wann diese ablaufen, aufgefrischt werden müssen, oder welche vorgeschriebenen Ausbildungen noch für eine Tätigkeit fehlen, wäre das einfach genial. Das Lufttransportgeschwader 62 (LTG 62) verfügt über eine solche Datenbank für alle A400M-Techniker, dank Hauptfeldwebel Dennis Metzler.

Vor zwei A400M steht ein Soldat

Dennis Metzler bekam den Bestpreis Digitalisierung der Luftwaffe für seine Arbeiten an einer Ausbildungsdatenbank für die Techniker des A400M


Es ist ein unscheinbares Büro im ersten Stock der alten Feuerwache des Fliegerhorstes in Wunstorf, in dem er seinen Arbeitsplatz hat. Die drei Bildschirme am Schreibtisch lassen zwar vermuten, dass hier intensiv mit dem PC gearbeitet wird – jedoch wird erst durch die kurze Beschreibung des 39-jährigen Hauptfeldwebels deutlich, dass man sich im Herzen der Ausbildungsplanung aller Techniker befindet, dem „Continuation Training“. „Wir erstellen die Ausbildungsplanung und überwachen die Gültigkeit von Zertifikaten für circa 800 Personen. Das sind neben den Technikern und den technischen Ladungsmeistern auch alle Mitarbeiter von Fremdfirmen, die an unseren A400M arbeiten“, sagt Metzler.

Ein Technischer Ladungsmeister belädt einen A400M. Im Hintergrund steht ein weiterer A400M

Auch die Technischen Ladungsmeister des A400M werden vom Team „Continuation Training“ betreut

Katharina Kobienia

Neue Fähigkeiten des A400M führen zu neuem Ausbildungsbedarf

Mit den vielen laufenden Fähigkeitszuwächsen des A400M, wie etwa der Luftbetankung und dem elektronischen Selbstschutz, werden auch immer neue Qualifikationen der Techniker erforderlich. Für Dennis Metzler ist das jedoch kein Problem: „Wir können auf Knopfdruck sagen, wer welche Freigaben besitzt, wann diese erneuert werden müssen und welche Lehrgänge noch für andere Tätigkeiten fehlen.“ Diese Aufstellung bekommen alle Techniker monatlich und deren Führungskräfte wöchentlich, damit eine optimale Ausbildungsplanung erfolgen kann. Was heute so selbstverständlich ist, war vor fünf Jahren noch nicht denkbar.

Bei Nacht wird ein Triebwerk des A400M gewartet

Für Auslandseinsätze wie hier in Jordanien müssen die Techniker ausgebildet sein. In der Datenbank ist jederzeit ersichtlich, wer die jeweiligen Qualifikationen hierfür besitzt

Dennis Hiller

Vom weißen Blatt zur digitalen Akte

Als der erste A400M im Dezember 2014 in Wunstorf landete, erfolgte die Planung noch über eine große Excel-Datei. Es gab keine bessere Alternative. Wenn jedoch sieben Personen an einer Datei gleichzeitig arbeiten, sind Komplikationen häufig nicht zu vermeiden. Für den Hobbyinformatiker Metzler war dies der Zeitpunkt, nach anderen Alternativen zu suchen. „2015 wurde der neue A400M-Simulator geliefert und in Betrieb genommen. Dazu gehörte auch eine Datenbanksoftware, die eigentlich zur Pilotenausbildung vorgesehen war. Zivile Firmen nutzten diese bereits“, so Metzler.

Der A400M-Flugsimulator aus der Froschperspektive

Durch die Nutzung der vorhandenen Ausbildungs-Software des A400M-Simulators entstanden keine zusätzlichen Lizenzgebühren für die Bundeswehr

Peter Breuer


Zusammen mit einem Kameraden nahm er an einer Infoveranstaltung zu dem Programm teil und stellte gleich fest, dass es auch für die Ausbildung von Technikern nutzbar wäre. Jedoch lebt eine Datenbank von eingepflegten Dateien und ist am Anfang nichts anderes als ein leeres Blatt Papier, das sich nach und nach von Hand mit „Leben“ füllt. „Mein Vorgesetzter hat meinen Vorschlag gleich unterstützt und auch die Chance zur Innovation gesehen. Er hat mich für die Arbeit an der neuen Datenbank freigestellt und mir sehr viel Handlungsspielraum gegeben“, betont Metzler. So programmierte der Soldat von Anfang an alles individuell für die neuen Regelungsrahmen des A400M. Es entstand nach und nach eine immer besser werdende individuelle Trainings- und Managementsoftware für das LTGLufttransportgeschwader 62 – hin zur digitalen Akte.

Auf einem PC-Monitor ist eine Eingabemaske zu sehen

Wie bei jeder Datenbank kann durch Eingabe von Kriterien ein Report erzeugt werden. Alles auf Knopfdruck.

Martin Buschhorn

Ein LKWLastkraftwagen-Elektroniker, der eine Datenbank für Flugzeugtechniker programmiert

Für Dennis Metzler waren Innovation und Veränderung auch beruflich schon immer ein Teil seines Lebens. Der verheiratete Vater einer fünfjährigen Tochter hatte zunächst beruflich mit der Bundeswehr oder der Fliegerei nichts zu tun. Nach dem Ende der Schule machte er eine Ausbildung zum LKWLastkraftwagen-Elektroniker. Im Alter von 26 suchte er dann eine neue Herausforderung und fand sie bei der Bundeswehr. „Ich habe dann die Ausbildung zum Avioniker an der C-160 Transall absolviert. Nachdem ich 2014 im Auslandseinsatz war, habe ich auch die CAT-B2-Ausbildung für den A400M gemacht. Ich wollte mich jedoch gerne auch wieder einer ganz neuen Aufgabe stellen und bin dann in den Bereich ‚Continuation Training‘ gewechselt“, erklärt der Hauptfeldwebel.

Hier konnte Metzler seine privaten ITInformationstechnik-Kenntnisse optimal einbringen. „Aktuell arbeiten wir daran, dass wir die vielen wichtigen Dokumente einscannen und digital bei den einzelnen Personen hinterlegen. „Außerdem haben wir seit sechs Wochen einen Kartendrucker, mit dem wir die vielen unterschiedlichen Zertifikate zu einem digitalen Ausweis zusammenführen können“, sagt er.

: Ein Soldat sitzt an einem Schreibtisch. Vor ihm sind drei Monitore zu sehen

Seit 2015 betreut und programmiert Hauptfeldwebel Dennis Metzler die Datenbank

Martin Buschhorn

Innovationspreis vom Stellvertretenden Inspekteur der Luftwaffe

Für seine langjährige engagierte Arbeit verlieh ihm Ende Oktober 2020 der Stellvertretende Inspekteur der Luftwaffe, Generalleutnant Dr. Ansgar Rieks, den Bestpreis Digitalisierung der Luftwaffe. Für den bescheidenen Hauptfeldwebel war dies eine große Ehre, es war ihm aber auch ein bisschen unangenehm. „Ich stehe nur ungern im Mittelpunkt“, so Metzler. Nach seiner Motivation für die Arbeit an der Datenbank gefragt, antwortete er: „Ich möchte Innovation und Fortschritt erreichen, bessere Qualität bei geringerem Aufwand, und ich möchte Fehler, die durch den Faktor Mensch immer entstehen können, möglichst ausschließen.“

Ein Soldat erhält eine Urkunde überreicht.

Pandemiebedingt erfolgte die Übergabe des Bestpreises nicht auf der großen Bühne beim 10. Forum Digitalisierung der Luftwaffe, sondern im kleinen Kreis im Büro

Bundeswehr/Michael Mandt


Für ihn sei daher die Preisverleihung auch eine Chance gewesen, die Möglichkeiten solcher Datenbanken auf einer größeren Bühne publik zu machen, so Metzler, damit vielleicht auch noch andere Bereiche der Bundeswehr davon profitieren könnten. Er sieht sich und seine Leistung dabei ganz pragmatisch: „Ich mache das, weil es mein Job ist. Es freut mich natürlich sehr, wenn andere es durch meine Arbeit leichter haben. Doch es gibt immer noch Dinge, die ich verbessern möchte. Ich bin noch nicht fertig.“

von Martin Buschhorn