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Ein halbes Jahrhundert CH-53 – Höchste Zeit für den Ruhestand

Ein halbes Jahrhundert CH-53 – Höchste Zeit für den Ruhestand

  • Ausrüstung und Technik
  • Luftwaffe
Datum:
Ort:
Baden-Württemberg
Lesedauer:
3 MIN

1972 wurden die ersten beiden CH-53 Transporthubschrauber der Bundeswehr übergeben. 50 Jahre später sind die Maschinen des Hubschraubergeschwaders 64 so stark in die Jahre gekommen, dass die Luftwaffe dringend ein Nachfolgemodell braucht.

Eine CH-53 im Sonnenuntergang

Seit 50 Jahren ist der schwere Transporthubschrauber CH-53 bei der Bundeswehr im Einsatz. Die Einsatzbereitschaft der Hubschrauber ist zunehmend eingeschränkt

Bundeswehr/Jane Schmidt

Der Lebenslauf der CH-53 Transporthubschrauber ist beeindruckend. Seit einem halben Jahrhundert ist der größte Hubschrauber der Bundeswehr bereits im Einsatz. Rund 22.500 Flugstunden allein in Afghanistan bei über fünf Millionen Kilometern sprechen eine imposante Sprache. Zahlreiche verwundete Soldaten konnten mit der CH-53 aus gefährlichen Situationen evakuiert und zur Weiterversorgung in Sicherheit gebracht werden.

Eine CH-53 fliegt über eine Wüste

18 Jahre war die CH-53 in Afghanistan eingesetzt. Es wurden rund 22.500 Flugstunden erflogen und dabei etwa fünf Millionen Kilometer zurückgelegt.

Bundeswehr/Sandra Elbern

Doch bereits vor Afghanistan war die CH-53 im Auslandseinsatz. Von 1991 bis 1996 beteiligte sich die Bundeswehr an der Operation UNSCOMUnited Nations Special Commission im Irak. Bei der Mission, die von den Vereinten Nationen nach der Operation „Desert Storm“ ins Leben gerufen wurde, flogen die schweren Transporthubschrauber 805 Einsätze – für sie die erste richtige Bewährungsprobe im Ausland.

Bei der schweren Erdbebenkatastrophe 2005 in Pakistan unterstützten 50 in Afghanistan stationierte Soldaten mit zwei CH-53. Weitere Einsätze im Kongo, in Bosnien Herzegowina, in Albanien und im Kosovo unterstreichen den unschätzbaren Wert des Hubschraubers, der bis zu 36 Personen transportieren kann.

Aber auch vier Unfälle bleiben in trauriger Erinnerung. 1980 stürzte eine Maschine aus nicht geklärter Ursache in der Nähe von Waldbröl ab. Dabei kamen vier Soldaten ums Leben. 2002 kam es auf dem ehemaligen Heeresflugplatz Mendig zu einem Bodenunfall mit zwei Toten und drei zum Teil Schwerverletzten.

Der letzte Totalverlust mit tödlichem Ausgang war im Jahr 2002 der Absturz einer CH-53 in Kabul mit sieben Toten. Im April 2018 kam es wiederum zu einem Bodenunfall auf dem zivilen Flugplatz Schweinfurt. Dabei wurde durch umherfliegende Trümmer nach einer Hindernisberührung ein ziviler Mitarbeiter des Flugplatzes getötet.

Hubschrauber retteten Klausdorf in Brandenburg

Nicht nur im Auslandseinsatz leisteten die CH-53 Außergewöhnliches. Bei Flutkatastrophen und besonders bei Waldbränden retteten die schweren Transporthubschrauber immer wieder Menschenleben und auch ganze Siedlungen.

Die Fähigkeit, schwere Lasten von über fünf Tonnen zu transportieren, rettete beispielsweise das kleine Dorf Klausdorf im August 2018. Schwere Waldbrände bedrohten den Ort südlich von Berlin so stark, dass die 500 Bewohnerinnen und Bewohner evakuiert werden mussten. Mit dem Wasserbehälter „Smokey“, der rund 5.000 Liter Wasser fasst, flogen die CH-53-Besatzungen bis an die Belastungsgrenze und unter Nutzung von Ausnahmegenehmigungen 20 Löschangriffe nacheinander und bewahrten Klausdorf dadurch erfolgreich vor den Flammen.

Der damalige Bürgermeister Michael Knape sagte seinerzeit: „Das Feuer war nicht einmal 100 Meter vom Ortsrand entfernt und breitete sich rasend schnell vom Boden in die Baumkronen aus. Ohne den Luftwaffenhubschrauber hätten wir Klausdorf nicht halten können“.

Eine CH-53 bei der Waldbrandbekämpfung

Die CH-53 kann etwas über fünf Tonnen transportieren. Bei Waldbränden kommt der Löschbehälter „Smokey“ zum Einsatz.

Bundeswehr/Jane Schmidt

Ersatzteile teilweise gar nicht mehr verfügbar

Oberstleutnant Michael Hackert ist nicht nur CH-53-Pilot, sondern auch CH-53-Fan. Stolz berichtet er von seinen Erfahrungen mit dem schweren Transporthubschrauber. Den Hubschrauber mit der Kennung 84+13 nennt er gar seine „Treue Seele“.


Aber auch Hackert betont den schwierigen Zustand der CH-53-Flotte. „Im Schnitt führt heute eine Flugstunde zu zwei technischen Störungen. Diese Defekte sind nicht immer relevant für die Flugsicherheit, führen jedoch zu stets langen Wartungsarbeiten“, erklärt der heutige Referent im Kommando Luftwaffe. Ersatzteile sind für die alten Maschinen kaum noch zu bekommen. So mussten einmal Techniker des Hubschraubergeschwaders 64 eine amerikanische CH-53 auf einem Flugplatzfriedhof in Arizona ausschlachten, um an eine Frontscheibe zu gelangen. Insbesondere Teile im Bereich der Hydraulik sind heute nicht mehr als Neuware zu bekommen.

Flugabbrüche wie sogenannte Sicherheitslandungen häuften sich in den letzten Jahren erheblich.

Eine CH-53 ist gelandet

Das für ein Luftfahrzeug biblische Alter führt häufig zu Störungen, die immer wieder die Besatzungen zu außerplanmäßigen Sicherheitslandungen zwingen

Bundeswehr/HSG64

Heute hat das Geschwader einen Klarstand von nur wenigen Maschinen, was die Ausbildung deutlich erschwert und die Durchhaltefähigkeit im Einsatz stark beeinträchtigt.

Auch nach der Entscheidung für ein Nachfolgemodell werden jedoch die guten alten CH-53 noch weiter ihren treuen Dienst leisten. Erst wenn die Besatzungen und das technische Personal umgeschult sind und ein Nachfolger einsatzbereit ist, kann die CH-53 wohlverdient die Rotoren stillstehen lassen und ihren letzten Weg ins Museum antreten. 

von Stephan Jeglinski

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