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Flugabwehr

Schutz vor Luftangriffen: Das Leichte Flugabwehrsystem der Luftwaffe

Schutz vor Luftangriffen: Das Leichte Flugabwehrsystem der Luftwaffe

  • Landes- und Bündnisverteidigung
  • Luftwaffe
Datum:
Ort:
Todendorf/Panker
Lesedauer:
2 MIN

Das Leichte Flugabwehrsystem (LeFlaSys) der Luftwaffe schützt Landstreitkräfte gegen tieffliegende gegnerische Jagdbomber und Kampfhubschrauber. LeFlaSys ist als System der Kurzstrecken-Luftverteidigung (Short Range Air Defense, kurz SHORAD) speziell dafür konzipiert, gegnerischen Luftfahrzeuge bis zu einer Entfernung von 6.000 Metern und einer Höhe von 3.000 Metern zu bekämpfen.

Ein Waffenträger Ozelot schießt bei der Übung Tobruq Legacy 2019 in Polen eine Fliegerfaust 2 Stinger ab.

Das Multi Launch System des Ozelot, das mit Stinger Lenkflugkörpern bestückt ist, kann horizontal um 360 Grad geschwenkt werden. Vertikal sind -10 bis 70 Grad möglich.

Bundeswehr/Alexander Feja


AFFAufklärungs-, Führungs- und Feuerleitfahrzeug, Ozelot und Fliegerfaust 2 Stinger

LeFlaSys besteht aus mehreren Fahrzeugen, die auf dem gepanzerten Kettenfahrzeug Wiesel 2 basieren. Zum Verbund gehören ein Aufklärungs-, Führungs- und Feuerleitfahrzeug (AFFAufklärungs-, Führungs- und Feuerleitfahrzeug) und der eigentliche Waffenträger, der Ozelot.
Das AFFAufklärungs-, Führungs- und Feuerleitfahrzeug klärt den Luftraum per Radar bis zu einer Entfernung von 20 Kilometern und einer Höhe von bis zu vier Kilometern auf und koordiniert die Feuerleitung von bis zu acht Waffenträgern. Jeder Waffenträger Ozelot ist mit vier Fliegerfäusten 2 Stinger in einem Multi Launch System (MLS) ausgestattet. Darüber hinaus klärt der Ozelot auch selbst Flugziele mit einem Infrarotsensor, einer Tagsicht- und einer Wärmebildkamera auf.

Ein Aufklärungs-, Führungs- und Feuerleitfahrzeug (AFF) fährt in Stellung.

Das Aufklärungs-, Führungs- und Feuerleitfahrzeug klärt den Luftraum auf und gibt die Kommandos an die Waffenträger Ozelot weiter

Bundeswehr/Christian Timmig
Ein Waffenträger Ozelot beim Übungsschießen während der Übung Tobruq Legacy 2019 in Polen.

Der Ozelot bekämpft die feindlichen Luftfahrzeuge mit Stinger-Lenkflugkörpern in einer Entfernung von bis zu 6.000 Metern.

Bundeswehr/Christian Timmig

Luftraumüberwachung und Fliegerfausttrupps

Ergänzt wird der Verbund durch ein sogenanntes Schnittstellenfahrzeug auf Basis eines geländegängigen Fahrzeuges vom Typ Mercedes Benz. Dieses dient zur Vernetzung mit der externen Luftlage und steigert so die Reichweite der Aufklärung.
Im Einsatz wird LeFlaSys durch ein Luftraumüberwachungsradar (LÜR) zur Frühwarnung verstärkt. Dieses Radar kann bis zu einer Entfernung von 100 Kilometern und einer Höhe von bis zu zehn Kilometern aufklären.
Zu den Flugabwehrzüge gehören grundsätzlich auch Fliegerfausttrupps, die die Fliegerfaust 2 Stinger von der Schulter abschießen können.

Soldaten des Fliegerfausttrupps trainieren bei der Übung Tobruq Legacy. Im Hintergrund steht ein Luftüberwachungsradar.

Fliegerfausttrupps und das Luftraumüberwachungsradar vervollständigen die Fähigkeiten des LeFlaSys. Das Radar kann bis zu einer Entfernung von 100 Kilometern aufklären, der Fliegerfausttrupp schnell auf Bedrohungen reagieren.

Bundeswehr/Christian Timmig

Schneller Transport auf dem Luftweg

Das Waffensystem LeFlaSys wurde eingeführt, um den hochbeweglichen Flugabwehrschutz sicherzustellen. Entscheidend hierbei ist, dass alle Komponenten des Verbunds per Flugzeug oder als Außenlast an Hubschraubern transportiert werden können. Das ermöglicht schnelle Luftlandeoperationen gemeinsam mit der Infanterie. LeFlaSys wird zum Schutz von Kräften, Räumen und Objekten eingesetzt.

Die Experten kommen aus Todendorf

Seine Heimat hat das LeFlaSys bei der 3. Staffel der Flugabwehrraketengruppe 61 in Todendorf. Sie ist der einzige Verband der Bundeswehr, der das Leichte Flugabwehrsystem einsetzt. Zur 3. Staffel gehören unter anderem zwei leichte Flugabwehrzüge, die jeweils mit drei AFFAufklärungs-, Führungs- und Feuerleitfahrzeug, sechs Ozelot sowie einem Schnittstellenfahrzeug ausgestattet sind. Die Ausbildungsstaffel des Verbands verfügt zusätzlich über entsprechendes Ausbildungsgerät.

Jeder der beiden Flugabwehrzüge besteht aus jeweils etwa 80 Soldatinnen und Soldaten. Dazu kommt ein Technik- und Transportzug, um unmittelbar notwendige Reparaturen direkt im Einsatz durchzuführen. Neben einem Schnittstellen- und Erkundungstrupp verfügt jeder Flugabwehrzug über sechs Waffenträger-Gruppen und drei AFFAufklärungs-, Führungs- und Feuerleitfahrzeug-Gruppen, die einen durchgängigen Schichtbetrieb ermöglichen.

Soldaten des Fliegerfausttrupps bei der Übung Tobruq Legacy.

Ein Stinger-Trupp besteht aus dem Schützen und dem Truppführer. Wenn die Fliegerfaust 2 Stinger ihr Ziel erfasst hat, feuert der Schütze sie ab. Der Lenkflugkörper steuert nach dem Prinzip „Fire and Forget“ automatisch das anfliegende Ziel an.

Bundeswehr/Christian Timmig

Bestandteil der NATO Response Force

Die deutschen LeFlaSys-Kräfte stellen zusammen mit der niederländischen Flugabwehreinheit aus Vredepeel den Flugabwehrschutz für die VJTFVery High Readiness Joint Task Force -Brigade, die Panzergrenadierbrigade 37 „Freistaat Sachsen“, sicher.

von Tim Engelmann und  Stefanie Pfingsten

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