Luftwaffe
Winterdienst im Fliegerhorst

Fliegerhorst im Winter: Enteisung am A400M

Fliegerhorst im Winter: Enteisung am A400M

Datum:
Ort:
Wunstorf
Lesedauer:
4 MIN

Wunstorf 06:00 Uhr: Der Flugplatz liegt unter einer weißen Schneedecke. Die lauschige Stille wird durch das Starten der großen Triebwerke des A400M unterbrochen. Nachdem sie warmgelaufen sind, rollt das Transportflugzeug los. Zur Startbahn? Nein, die Witterung zwingt die Piloten zu besonderen Vorsichtsmaßnahmen. 

Enteisungsfahrzeuge besprühen ein Flugzeug.

Die Anzahl der gebundenen Personen hängt vom Wetter und der Anzahl der Flugaufträge ab. Diese variiert zwischen 4 und 6 Personen.

Bundeswehr

Kalte Gefahr

Vereisung auf den Tragflächen kann sehr gefährlich werden. Der Flügel wird normalerweise ungestört von Luft umströmt. Bilden sich Eistropfen oder ganze Eisschichten um die Tragflächen, Ruder und die Flugzeugzelle, können diese den Luftstrom unterbrechen oder im schlimmsten Fall abreißen lassen. Der Auftrieb, der das Flugzeug fliegen lässt, verringert sich. Im Gegensatz dazu vergrößert sich der Luftwiderstand. Eine Gefahr, die es unbedingt zu vermeiden gilt. „Auch bei Zwischenlandungen nach Flügen in großen Höhen kann das Flugzeug so unterkühlt sein, dass anhaftende Wassertropfen gefrieren und eine erneute Enteisung vor dem Weiterflug notwendig wird“, sagt Pilot E., Transportflugzeugführer des Geschwaders. Deshalb muss auch bei einer kürzlich geflogenen Maschine genauestens auf die Wetterlage und Stehzeit geachtet werden, bevor der nächste Flug stattfindet.

Grafik zur Darstellung der Strömung.

Links: Normaler Luftstrom über dem Flügel erzeugt ausreichend Auftrieb; rechts: verwirbelter Luftstrom um den Flügel verringert den Auftrieb

Bundeswehr/Schönbeck

Hauptfeldwebel O., Techniker im Geschwader, der zivile Mitarbeiter B., und ihr Team sind bereits früh auf den Beinen. Denn was für die Piloten nur ein kurzer Stopp auf dem Weg zur Startbahn ist, ist für die Mechaniker ein enormer Aufwand. „Wir bereiten die Enteisung bereits zwei Stunden früher vor“, sagt O. Das Enteisungsfahrzeug „Safe Aero“ wird mit den tagesaktuellen Temperaturen gefüttert und berechnet daraus selbstständig die benötigte Mischung an Enteisungsmitteln. Durch die sogenannte Nozzle-Probe wird die Mischung überprüft und das Gerät kann als betriebsbereit gemeldet werden.

Wie und wann enteist wird, entnehmen die Piloten einer Tabelle. Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Witterung spielen hierbei eine Rolle. „Es gibt auch Wetterlagen, wie zum Beispiel starker Schneefall unterhalb bestimmter Sichtweiten, in denen kein Flugbetrieb mehr zulässig ist“, sagt Pilot E. Selbst der Vereisungsschutz könnte keinen sicheren Flugbetrieb mehr garantieren. Befinden sich die Witterungsbedingungen im sicheren Bereich, kann geflogen werden. Der A400M rollt langsam zum Enteisungsplatz.

Bereit zur Enteisung

Jetzt steht auf einem der zwei Enteisungsplätze auf dem Flughafengelände das Enteisungsteam bereit. Welcher der beiden genutzt wird, ist abhängig von der geplanten Startrichtung - der kürzere Weg zum Abflug ist entscheidend. Im ersten Schritt wird das Flugzeug mithilfe eines Gemisches aus erwärmten Enteisungsmittel und Wasser von der Schneedecke befreit, das sogenannte „De-icing“. Bei einer zu dicken Schneeschicht hilft ein Forced Air System der Enteisungscrew. Bei diesem System wird Luft auf über 900 Kilometer pro Stunde beschleunigt und der Schnee weggepustet. „Früher musste die Schneedecke auf der Transall mit Schneeschaufeln per Hand heruntergeschoben werden“, scherzt Mechaniker O.

Meist reicht für den Enteisungsschutz schon das aufgetragene Gemisch aus. Das enthaltene Glykol sorgt durch seinen tiefen Gefrierpunkt für einen temporären Schutz der Fläche. Nach der Prozedur könnte bei Niederschlag jedoch das Mittel abfließen und wieder neues Eis entstehen. Um dies zu verhindern, wird bei Bedarf danach ein weiteres Gemisch aufgetragen: ein reines „Anti-Ice“ bei Niederschlag. Durch das dem Glykol zugesetzte Verdickungsmittel bleibt das Gemisch bei vielen Wetterlagen auf den Flächen bis zum Start liegen und wird nicht einfach abgespült.

Sicherheit geht vor

Bei einer Enteisung wird immer von der Vorder- zur Flügelhinterkante gesprüht. Der A400M hat dabei einige Stellen, die funktionsbedingt nicht besprüht werden dürfen. Die Enteiser müssen sich deswegen genau mit dem Flugzeugtyp auskennen. Von 6 bis etwa 30 Minuten kann eine Enteisung mit zwei bis vier Fahrzeugen dauern. Nach dem Auftragen des Gemisches gibt es die sogenannte „Hold over time“. Diese beschreibt abhängig von der Witterungslage die Zeit vom ersten Auftreffen des Mittels bis zum Start des Flugzeuges. So wird verhindert, dass sich neues Eis auf dem Flugzeug bildet. „Läuft diese Zeit ab und wir sind nicht gestartet, wird ein erneutes Enteisen in Erwägung gezogen und das weitere Vorgehen innerhalb der Besatzung diskutiert - Sicherheit geht hier definitiv immer vor!“, sagt Pilot E.

Nach der Enteisung rollt das Flugzeug auf die Startbahn und erhält die Startfreigabe „Runway 26, cleared for take-off“. Mit einem lauten Donnern hebt der A400M ab und steigt dem Himmel entgegen. „Wenn man genau hinschaut, sieht man den Enteisungsschutz abfließen“, sagt Techniker B. Ab einer bestimmten Geschwindigkeit wird der Schutz durch den Luftstrom weggeweht. Nun muss sich das Flugzeug durch eigene Mechanismen vor Enteisung schützen. Dies geschieht durch abgeleitete warme Zapfluft aus den Triebwerken.

Doch was passiert mit dem abgeflossenen Enteisungsschutz am Boden? Dieser wird durch Abflussrillen um den Platz herum aufgefangen und fachgerecht entsorgt. „Viele wissen gar nicht, dass das Mittel biologisch abbaubar ist“, sagt der Mechaniker. Nach dem letzten Start werden die „Safe Aeros“ wieder sicher in den Hangars geparkt und nachbereitet.

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Zwei Soldaten stehen auf dem Enteisungsgerät.

Hauptfeldwebel O. und ziviler Mitarbeiter B. sind Enteisungsleiter der Gruppe

Bundeswehr/Schriever
Ein Sprühfahrzeug besprüht die Tragfläche.

Gewöhnlich findet eine Enteisung erst ab 0 Grad und darunter oder bei Schneefall statt

Bundeswehr
Eine Enteisung aus Sicht des Enteisers.

Auch auf Übungen wie hier bei Cold Response 2020 müssen die Flugzeuge enteist werden

Bundeswehr/Jane Schmidt

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von Marvin Pflug