Luftwaffe

„Friesischer Löwe“: Leben (fast wie) im Einsatz

„Friesischer Löwe“: Leben (fast wie) im Einsatz

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Lesedauer:
3 MIN

Die Kernübung dauert 90 Stunden, doch die knapp 600 Übungsteilnehmerinnen und -teilnehmer lebten bereits vor Beginn und seit nunmehr über zehn Tagen im Camp Maximus – dem Feldlager des simulierten Einsatzes OBSIDIA.

Zwei Soldaten sitzen vor einem olivgrünen Zelt und essen. Im Hintergrund stehen zwei weitere und unterhalten sich.

Wenn die Soldatinnen und Soldaten im Feldlager Camp Maximus mal keinen Auftrag haben, ist die Zeit für Ruhe. Es wird gegessen, sich unterhalten oder bis zum nächsten Alarm ein paar Minuten geruht.

Bundeswehr/Sandra Süßmuth

Die 65 Unterkunftszelte auf der Betonplatte des Fliegerhorstes Upjever liegen recht verlassen dort. Es sind nur wenige Soldaten in der olivgrünen Zeltstadt unterwegs. An der einen Ecke raucht ein Soldat, an der anderen wird sich unterhalten. In einem der Unterkunftszelte bereitet sich Leutnant Dominik auf seinen Tag vor. Uniform richten, Gewehr aufnehmen, die Pistole ist sowieso im Beinholster. Vor ihm liegt seine nächste achtstündige Schicht. 

Ein Soldat sitzt mit einem Buch auf der Motorhaube eines Fahrzeugs und schreibt etwas hinein.

Die Freizeit während des „Friesischen Löwen“ ist begrenzt und sie wird ganz unterschiedlich genutzt. Manch einer liest, der andere macht Sport, der dritte schaut fern oder spielt auf dem Handy.

Bundeswehr/Kevin Schrief

„Ohne Mampf keinen Kampf“ 

Dominik ist einer von zwei MANTISModular, Automatic and Network capable Targeting and Interception System-Offizieren und dafür verantwortlich, das Camp und seine Bewohner zu alarmieren, wenn Gefahr durch Raketen oder Mörserranaten droht. Ein langer Tag vor Karten und Computerbildschirmen liegt vor ihm, deshalb führt sein Weg vor jeder Schicht ins Betreuungszelt. „Das B-Zelt ist echt top und die Leute mehr als freundlich“, sagt Dominik während er sich mit Sandwiches und Energy-Drinks eindeckt. Die Moral hängt schließlich auch an der Verpflegung.

Ein Soldat übergibt einem anderen einen Teller mit Sandwiches.

Sandwiches, Würstchen, Energy-Drinks – der Erlös aus dem Verkauf im Betreuungszelt kommt den Opfern der Flutkatastrophe zu Gute

Bundeswehr/Kevin Schrief

Bevor die Übung in die Kernphase ging, wurde im Camp Maximus frisch gekocht. Ein Küchenraummodul und eine Taktische Feldküche sorgten für das Wohl der knapp 600 Leute – beides verlegefähig und schnell aufgebaut. Mittlerweile gibt es im Feldlager nur noch EPA – Einmannpakete. Hühnerfrikassee aus Tüten, Brot aus der Dose und „Panzerkekse“ zum Dessert. Einer der Gründe, weshalb sich der „Marketender“, also der Imbiss des Lagers, nicht über zu wenig Arbeit beschweren kann. Der Gewinn aus dem Verkauf von Sandwich, Wurst und heißem Kaffee während der Übung kommt den Opfern der Flutkatastrophe zu Gute. 

Im Innenraum eines Zeltes laufen Soldaten umher, auf der rechten Seite sitzt ein Soldat auf einer Bank und isst etwas.

Der „Imbiss“ des Camp Maximus ist nicht größer als ein Unterkunftszelt, doch es hält für die Übungsteilnehmerinnen und -teilnehmer deutlich mehr bereit. Heißer Kaffee, Schokoriegel und belegte Brote stehen auf der Speisekarte.

Bundeswehr/Sandra Süßmuth

24/7 – die Augen und Ohren des Gefechtsstandes schlafen nie 

Dominiks Schicht läuft täglich von vier Uhr nachmittags bis Mitternacht. Der Gefechtsstand, in dem er arbeitet, ist nonstop ohne Pause besetzt, denn die feindlichen Kräfte halten sich nicht an Rahmendienstzeiten. Jederzeit kann sich die Bedrohungslage ändern. Ständig könnte das Lager beschossen werden. Immer könnten bewegliche Kräfte Opfer von Sprengfallen oder Hinterhalten werden. Die Augen im Gefechtsstand, dem Herzstück des „Friesischen Löwen“, sind immer wachsam. 

Ein Soldat lehnt über einem Tisch mit einer Karte und macht auf ihr Notizen.

24/7, rund um die Uhr: Der Gefechtsstand im Übungseinsatz OBSIDIA ist nonstop besetzt

Bundeswehr/Sandra Süßmuth

Der persönliche Tagesablauf richtet sich nach den persönlichen Aufträgen. Die Quick Reaction Force hat dabei einen deutlich weniger planbaren Tag. Fahren sie auf eine Mission, kann es passieren, dass sie das Camp für 72 Stunden nicht wiedersehen. Bei Dominik ist es etwas strukturierter. Hat er seine Schicht hinter sich gebracht und arbeitet nicht, ist Freizeit. Er schläft, isst etwas EPA oder schaut einen Film. Neben seinem kleinen persönlichen Bereich, stehen neun weitere Feldbetten. Jeder hat es sich so komfortabel wie möglich gemacht – auf vier Quadratmetern. 

Ein Soldat im T-Shirt schnürt sich deine Kampfstiefel.

Auf knapp vier Quadratmetern, die jeder Soldat im Einheitszelt Typ II für sich zur Verfügung hat, wird es sich so gemütlich wie möglich gemacht

Bundeswehr/Kevin Schrief

50.000 Liter Diesel und jede Menge Ohropax – alles für eine gute Nacht

Die 65 Zelte werden mit Warmlufterzeugern individuell temperiert. Über 50.000 Liter Diesel werden so über die Übung hinweg verbraucht.  Der Lärm, der durch die Geräte auf den sechseinhalbtausend Quadratmetern entsteht, hält sich aber in Grenzen, sagt Dominik: „Ich nehme dieses monotone Motorengeräusch nicht so wahr; mich stört es aber auch nicht, ob ein A400M neben mir landet oder jemand über mein Gepäck stolpert. Manch andere schlafen aber schon mit Ohropax. Im richtigen Auslandseinsatz sind die Geräusche jedenfalls deutlich schlimmer mit den Klimaanlagen.“

Die Zeltstadt des Camp Maximus von schräg oben. Die olivgrünen Einheitszelte Typ II stehen gerade aufgebaut nebeneinander.

Die Zeltstadt des „Camp Maximus“ bietet Platz für etwa 600 Übungsteilnehmerinnen und -teilnehmer. Hier schlafen, essen und leben sie für den Zeitraum des „Friesischen Löwen“.

Bundeswehr/Kevin Schrief

Geduscht wird im San300. Ein großer, grüner Wasch- und Toilettencontainer, der mit Wasser aus der Wasseraufbereitungsanlage des Feldlagers versorgt wird. Betrieben wird diese durch die Unterstützungskräfte des ABCAtomar, Biologisch, Chemisch-Abwehrbataillons aus Höxter. Und auch wenn das warme Wasser knapp ist, kann trotzdem jederzeit geduscht werden – im Zweifelsfall kalt. Dominik selbst hatte bisher Glück: „Ich hatte immer warmes Wasser.“

Ein Soldat ist mit einem Handtuch über der Schulter auf dem Weg in einem Sanitärcontainer.

Bewaffnet mit Badelatschen und Waschtasche geht es zum Wasch- und Toilettencontainer „San 300“. Warmes Wasser gibt es nur begrenzt – wer heiß duschen will, muss schnell sein.

Bundeswehr/Sandra Suessmuth

Und sollten die Panzerkekse im Bett gekrümelt haben, gibt es im Camp sogar eine Feldwäscherei. Beim „Friesischen Löwen“ sind nicht nur die Szenarien nah an der Realität, sondern das gesamte Leben – eben fast wie im Einsatz.

von Sandra Süßmuth