Luftwaffe

Heron 1 – Das Auge über den Wolken

Heron 1 – Das Auge über den Wolken

  • Aufklärung
  • Luftwaffe
Datum:
Ort:
Masar-i Scharif
Lesedauer:
4 MIN

Masar-i Scharif. Die Morgendämmerung legt sich über die karge Landschaft Nordafghanistans und das erste Licht am Horizont hebt die hohen Berggipfel des Hindukusch gegen den dunklen Nachthimmel ab. Missionsstart für eine Patrouille im Camp Marmal. Ausgerüstet mit Nachtsichtgeräten fährt sie in die Finsternis. Doch die Soldatinnen und Soldaten sind nicht alleine – ein Auge weit über ihren Köpfen begleitet sie: der Heron 1.

Seit 2010 ist der Heron 1 im Einsatz und seither ist er über 30.000 Stunden in der Luft. Momentan ist die Drohne in Afghanistan und Mali stationiert und unterstützt dort die Bodentruppen aus schwindelerregender Höhe. Ihr Nachfolger geht ebenfalls an den Start – der Heron TP.

Bringt der Heron 1 115 PS auf die Startbahn, sind es bei dem Heron TP 1.200 PS. Die Crews für den Heron TP befinden sich in der Ausbildung, die ersten Lehrgänge in Israel sind abgeschlossen – die neue Generation, der Heron TP, ist bereit für Aufklärungseinsätze. Im Fachjargon wird bei einer unbemannten Drohne von einem ferngeführten Luftfahrzeug (engl. Remotely Piloted Aircraft Systems) gesprochen.

Eine Drohne Heron TP wird geschleppt.

Die Drohne wird wie ein bemanntes Luftfahrzeug auf die Start- und Landebahn geschleppt.

Bundeswehr/Kieron Kleinert

Mehr als 24 Stunden in der Luft

Der Heron 1 kann als vollautomatische Drohne in 27.000 Fuß, was etwa 9.000 Metern Höhe entspricht, operieren. Der Pilot muss dabei keinen Sichtkontakt zu ihr haben. Die Befehle bekommt das Luftfahrzeug entweder über Funk, GPSGlobal Positioning System oder Satellit. Vorteil hierbei: Der Einsatz über lange Strecken oder in bergigem Gelände ist kein Problem mehr. Die Drohne wird entweder permanent aus der Ferne gesteuert oder folgt einer vorgegebenen Flugroute ins Einsatzgebiet.

Eine Drohne Heron 1 von vorn.

Der Heron 1 kann in bis zu 9.000 Metern Höhe operieren und Bilder in Echtzeit zum Boden transportieren.

Bundeswehr/Susanne Hähnel

Der Heron 1 begleitet häufig Konvois oder Patrouillen. Da sich die Bundeswehr oftmals in unwegsamem Gelände befindet und Missionen selten auf gut einsehbaren und geraden Wegen stattfinden, ist die Drohne das Auge voraus. Es begleitet den Marsch an Land aus der Vogelperspektive. Vor möglichen Gefahren, die auf dem Weg lauern, kann in Echtzeit gewarnt werden. Oder aber der Heron fliegt voraus und überprüft das Gelände und die Wegbarkeit. Bei dem Heron TP wird es ähnlich sein, nur kann er noch mehr – höher, schneller, weiter – und die Bilder sind besser.

Außerdem verfügt der Heron TP über ein Radar. Damit ist die Aufklärung eines möglichen Ziels noch einfacher. Oberleutnant Uwe O. hat über zehn Jahre Einsatzerfahrung als Tactical Operator mit dem Heron 1 und sagt: „Der Heron TP besitzt ein Radar, was zum Beispiel das Aufklären von Konvois wesentlich erleichtert. Das versetzt uns in die Lage, nicht mit der Kamera ein Zielgebiet lange absuchen zu müssen, sondern es schnell mit dem Radar zu erfassen und dann mit der Kamera zu identifizieren.“

Bildübertragung in Echtzeit

Im Gegensatz zum Kampfflugzeug Tornado, das auch Bilder aus großen Höhen macht und somit Aufklärung betreibt, geht es bei dem Heron aufgrund der dauerhaften Datenverbindung einfach schneller. Er überträgt die Daten per Link 16 – in Echtzeit. Außerdem kann er wesentlich länger als ein bemanntes System über dem Ziel kreisen, oftmals mehrere Stunden.

Eine Luftbildaufnahme einer Drohne.

Aus schwindelerregender Höhe werden durch den Heron Bilder in Echtzeit übertragen.

Bundeswehr/Archiv

Sollte die Verbindung abreißen, fliegt die Drohne automatisch zurück zu ihrer Air-Base. Ein Abbruch kann verschiedene Ursachen haben. Wird der Heron beispielsweise im Gebirge per Funk geführt, kann die Verbindung durch die Bergmassive gestört werden.

Mehr Sicherheit aus der Luft

Der Heron TP wird dem Heron 1 aber nicht nur in der Dauer des Fluges überlegen sein – er kann theoretisch bewaffnet werden und so die Kräfte am Boden schützen, sollten sie angegriffen werden. Gesteuert wird sowohl der Flug des Heron, als auch die Kameras und die Sensorik sowie ein möglicher Einsatz der Waffen aus der Ferne. Zum Team um den Flug des Heron gehört ein Pilot, der Remotely Pilot Aircraft Führer, und ein Nutzlastbediener, auch Tactical Operator genannt.

Die Crew der Drohne vor den Rechnern.

Die Drohnencrew vor ihrem Arbeitsplatz – zwar nicht dabei, aber mittendrin.

Bundeswehr/Johannes Heyn

Einer fliegt, einer filmt

Beide Teammitglieder werden in Israel ausgebildet – beide sind Spezialisten ihres Faches. Kümmert sich der Pilot um die generelle Steuerung der Drohne, ist der Tactical Operator für die Kameras zuständig – einer fliegt, einer filmt.

Zwei Soldaten begutachten die Reifen der Drohne.

Der Heron wird wie ein bemanntes Luftfahrzeug vor und nach dem Flug begutachtet.

Bundeswehr/Archiv

Trotz Entfernung mittendrin

Oberstleutnant Danilo F. ist ein erfahrener „Remotely Pilot Aircraft Führer“ und er sagt: „Auch wenn wir nicht körperlich anwesend sind und die Situationen nur auf unseren Monitoren beobachten, sind wir trotzdem komplett involviert. Wir sind immer dabei und kennen vielleicht sogar die Kameraden, die am Boden um ihr Leben kämpfen. Und natürlich wollen wir, dass wir abends bei der Rückkehr ins Camp jeden einzelnen gesund und munter wiedersehen“.

von Sandra Süßmuth