Was unterscheidet die Ausbildung zur Lufttransportbegleiterin bei der Flugbereitschaft des Bundesverteidigungsministeriums (BMVg) von ihrem zivilen Pendant, der Flugbegleiterin? Frau Obergefreiter Hannah E. nimmt uns mit in ihren beruflichen Alltag und erklärt, warum es hier um mehr geht als darum, den berühmten Tomatensaft zu servieren.
Bereit für den nächsten Flug: Als Lufttransportbegleiterin sorgt Hannah E. für die Sicherheit und das Wohlbefinden der Passagiere
Bundeswehr/Saskia Meike
Hannah E. befand sich mitten in ihrer Ausbildung zur Krankenschwester, als die Corona-Pandemie ausbrach. Die Belastung war groß und vielleicht hätte sie ein Ausbildungsjahr wiederholen müssen. Eine Bekannte, die bereits Lufttransportbegleiterin bei der Flugbereitschaft des BMVg war, ermutigte sie in dieser schwierigen Situation, sich bei der Bundeswehr zu bewerben – und das tat sie. Beim ersten Schnuppertag stand Hannah E. vor dem Airbus A350-900 und war sofort verliebt: „Ein toller VIP-Flieger, der meine Augen geblendet hat.“
Soldatin, Sanitäterin und Feuerwehrfrau
Kurz darauf begann sie ihre Laufbahn bei der Bundeswehr. Um an Bord mitfliegen zu dürfen, musste sie zahlreiche Tests bestehen. Besonders beeindruckend fand sie den Lufthansa-Lehrgang, den letzten Schritt vor dem Fliegen. Dort lernte sie unter anderem, wie man sich bei Evakuierungen verhält oder bei Tisch die richtige Etikette anwendet. „Man ist nicht nur Kellnerin, sondern auch Feuerwehrfrau und Sanitäterin“, sagt Hannah E. Neben der Passagierbetreuung trägt sie auch Verantwortung für die Sicherheit und bei Notfällen.
Wenn gerade kein Flugbetrieb ansteht, arbeitet Hannah E. in Köln bei der Flugbereitschaft, beispielsweise beim Fliegerarzt, und unterstützt dort den täglichen Dienstbetrieb. Genau darin liegt der Unterschied zu einer zivilen Flugbegleiterin: Als Lufttransportbegleiterin bei der Bundeswehr ist Hannah E. gleichzeitig Soldatin. Neben dem Service an Bord gehören militärische Abläufe, Sicherheitsvorschriften und medizinische Verantwortung zu ihrem Alltag. Sie begleitet nicht nur VIP-Flüge, sondern unterstützt auch beim sicheren Transport von Soldatinnen und Soldaten weltweit. Gerade in Ausnahmesituationen muss jeder Handgriff sitzen.
Beim Überleben-See-Lehrgang musste sie sich aus einem Simulator befreien, der unter Wasser auch noch um 180 Grad gedreht war – eine Herausforderung, die sie mit Humor nahm: „Andere zahlen für Survival-Erlebnisse Geld.“ Solche Trainings gehören bei der Bundeswehr fest dazu und bereiten die Lufttransportbegleiter und Lufttransportbegleiterinnen auf Notfälle vor, die weit über den zivilen Flugbetrieb hinausgehen.
Vom Checkflug über den A319 zum A350
Zwischen Truppentransport und VIP-Flügen: Hannah E. hat gelernt, sich auf jede Situation einzustellen
Bundeswehr/Saskia Meike
Ruhig bleiben, auch im Notfall: Die Soldatin und Lufttransportbegleiterin demonstriert die Sicherheitsvorkehrungen für die Passagiere
Bundeswehr/Saskia Meike
Nach sechs Trainingsflügen steht Hannah kurz vor ihrem sogenannten Checkflug. Hier wird geprüft, wie gut sie alles Gelernte beherrscht und umsetzt. Danach darf sie eigenständig an Bord arbeiten. Zunächst wird sie auf dem kleineren Airbus A319 eingesetzt, bevor sie mit den dort gesammelten Erfahrungen die Lizenz für den A350 erhält. Dieses Langstreckenflugzeug ist ihr Ziel, aber auch jetzt schon genießt sie jeden Einsatz. „Es ist ein großartiges Gefühl, Soldaten sicher nach Hause zu bringen und mit VIPs zu fliegen. Kein Flug ist wie der andere“, erzählt Hannah E.
Die Ausbildung
03/2023–06/2023
Grundausbildung
Heide
07/2023–09/2023
Unteroffizierslehrgang
Appen
12/2023
Flugphysiologische Ausbildung
Königsbrück
03/2024
Überleben See
Bremerhaven
10/2024
Englischlehrgang
Appen
11/2024–12/2024
Lufthansa Grundschulung
Frankfurt
03/2025-04/2025
ELUSA
Germersheim
Seit 2025
Linetraining Airbus
Köln
Drei Fragen an Frau Obergefreiter Hannah E.
Was ist das Beste an Ihrem Job?
Das Beste an meinem Job sind die Freiheit und die Vielfalt. Ich habe die Möglichkeit, viele Länder zu sehen und Kulturen, Menschen und andere Sitten kennenzulernen. Jeder Flug bringt neue Begegnungen und Erfahrungen.
Warum haben Sie sich für die militärische Laufbahn entschieden?
Bei der Bundeswehr ist der Beruf für mich mehr als nur ein Job. Als Soldatin wächst man durch die Ausbildung und Herausforderung über sich hinaus und übernimmt Verantwortung. Gleichzeitig ist es etwas Besonderes und ein Privileg, Teil der Flugbereitschaft zu sein, hochranginge Persönlichkeiten und Delegationen der Bundesregierung auf offiziellen Reisen zu betreuen und damit Deutschland zu repräsentieren.
Gibt es etwas Wichtiges, dass man unbedingt über Sie, Ihren Beruf oder Ihre Tätigkeit wissen muss?
In meinem Beruf als Lufttransportbegleiterin stehen Sicherheit und Service an erster Stelle, aber auch der Spaß am Reisen spielt eine wichtige Rolle. Ich bin flexibel, teamfähig und sorge dafür, dass sich die Passagiere stets gut betreut fühlen.