Luftwaffe
Fit für die Zukunft

Luftwaffe nimmt ökologische Nachhaltigkeit ernst

Luftwaffe nimmt ökologische Nachhaltigkeit ernst

  • Umweltschutz
  • Luftwaffe
Datum:
Ort:
Deutschland
Lesedauer:
3 MIN

Fahrzeuge mit Elektroantrieb und der Einsatz synthetischer Kraftstoffe, hergestellt aus grünem Strom sollen die Mobilität der Menschen zukunftssicher machen, so die Agenda der Bundesregierung. Die Weichen dafür werden derzeit gestellt. Es gilt, gemäß dem Pariser Abkommen von 2015, die Weltwirtschaft und damit die Verkehrsmittel zu Land, See und Luft klimafreundlich zu verändern. Diesem Ziel verschreibt sich auch die Luftwaffe.

Formationsflug eines A400M mit Tornado und Eurofighter

Sparsamer Verbrauch und der Einsatz von synthetischen Treibstoffen sollen das Fluggerät der Luftwaffe nachhaltiger werden lassen: Ein A400M fliegt gemeinsam mit den Kampfflugzeugen vom Typ Eurofighter Tornado ECRElectronic Combat Reconnaissance in Formation.

2016 Bundeswehr/Stefan Petersen

Deutschland hat sich zum Ziel gesetzt, bis 2030 die CO2Kohlendioxid-Emission im Verkehr gegenüber 1990 um 42 Prozent reduzieren, bis 2050 möchte man gar Klimaneutralität erreichen. Aktuell schwebt der Politik ein noch früheres Ausstiegsziel aus den fossilen Brennstoffen vor. Schließlich geht es nicht nur um die Endlichkeit der Ressourcen wie Kohle und Mineralöl, sondern auch um den Erhalt des Status Quo beim Klima und damit um eine lebenswerte Zukunft.

Doch passt dieser technologische Ansatz auch zur Luftwaffe? Zum Teil ja, blickt man auf die bodengebundenen Transportmittel wie Pkws. Hier wandelt sich die aus zivilen Fahrzeugen bestehenden Fuhrparkflotte schon seit längerem. Es wird auf Elektromobilität gesetzt, inclusive einer Ladeinfrastruktur in den Kasernen. Bei den Einsatz- und Gefechtsfahrzeugen und ganz besonders bei den verschiedenen fliegenden Systemen sieht es anders aus. Hier sollen andere Technologien sichern, dass sie ausfallsicher und vor allem dauerhaft betrieben werden können. Alle bisherigen Antriebe basierend auf neuesten Entwicklungen der Motoren- und Turbinentechnik haben eines gemeinsam: Sie sind erprobt und vor allem zuverlässig. Akkus werden aktuell, aber auch in absehbarer Zeit zu schwer sein, um sie effizient in der Luftfahrt einsetzen zu können.

Einsatz synthetischer Kraftstoffe

Dennoch will die Luftwaffe auch hier eine zukunftsfähige Lösung schaffen, die die bis dato erwiesene Effizienz und nachhaltigen Klimaschutz vereint. Das Bestreben geht dahin, synthetische Kraftstoffe einzusetzen. Deren großer Vorteil ist, dass sie klimafreundlich erzeugt werden können. Power-to-Liquid, kurz PtL, nennt man das Verfahren, mit dem das möglich ist. Hierbei wird unter dem Einsatz von Strom der synthetische, flüssige Kraftstoff aus Wasser und CO2Kohlendioxid hergestellt. Entscheidend hierfür ist aber wie der Strom hergestellt wird. 

Industrielle Anlage zur Produktion synthetischer Kraftstoffe bei Nacht

Entscheidend für den verstärkten Einsatz synthetischer Kraftstoffe wird der Anstieg der Produktion sein. Bisher existiert nur eine solcher Anlagen in Deutschland.

Entscheidend ist die Verfügbarkeit am Markt

Aus erneuerbaren Energien, Windkraft oder Photovoltaik könnte dann grünes Kerosin gewonnen werden, sogenanntes Sustainable Aviation Fuel (SAFSustainable Aviation Fuel). Mit diesem können auch Flugzeuge klimafreundlich betrieben werden. Noch ist das PtL-Verfahren nicht industriell etabliert, auch wenn hierfür, folgt man den führenden Herstellern wie Blue Gasoline von VW, Bosch und Shell für Diesel- und Otto-Motoren, die Ampeln auf grün stehen. Erst im letzten Jahr wurde die weltweit erste Anlage für synthetisches Kerosin im niedersächsischen Werlte in Betrieb genommen. Die Produktion steckt noch in den Kinderschuhen, doch ab 2026 müssen in Deutschland mindestens 0,5 Prozent des Flugkraftstoffes aus PtL-Kerosin bestehen. Dies entspricht jährlich rund 50.000 Tonnen und somit einem Vielfachen dessen, was die neue Anlage in Werlte produzieren kann. 2030 steigt die Beimischungsquote auf zwei Prozent. Bis 2030 sollen wenigstens 200.000 Tonnen SAFSustainable Aviation Fuel klimafreundlich produziertes PtL-Kerosin möglich sein und in der zivilen Luftfahrt in Deutschland eingesetzt werden. 

Zertifizierung der Triebwerke wird auf den Weg gebracht 

Ein A321 Neo startet

Der Airbus A321 der Flugbereitschaft BMVgBundesministerium der Verteidigung startet am 25. Juni 2020 vom Flughafen Berlin Tegel: Der A321 Neo ist für den Einsatz von synthetischen Kraftstoffen bereits zugelassen.

2020 Bundeswehr/Johannes Heyn

Und auch die Flugbereitschaft des BMVgBundesministerium der Verteidigung soll verstärkt mit SAFSustainable Aviation Fuel betrieben werden können, so die Absicht der Planer. Der A 321 Neo wurde für den Einsatz dieses Kraftstoffes bereits zertifiziert. Gleiches plant Airbus: Im Rahmen der Nachhaltigkeitsinitiative 2022 soll der A400M mit 50 Prozent SAFSustainable Aviation Fuel betrieben werden, die Tests der Triebwerke laufen aktuell. Der Zertifizierungsfahrplan geht aber in Richtung 100 Prozent synthetischer Kraftstoff, wie Airbus bestätigt. Somit sollen, je nach Verfügbarkeit des SAFSustainable Aviation Fuel, der Anteil synthetischer Kraftstoffe beim Einsatz von Fahrzeugen und Fluggerät der Luftwaffe wachsen und der Weg zu mehr Nachhaltigkeit und Klimaschutz beschritten werden.

von Thomas Skiba