Arrow: Schutzschirm über Deutschland
Warum bekommt Deutschland das Raketenabwehrsystem Arrow? Was kann es? Und wie fügt es sich in Deutschlands wie Europas Verteidigung ein?
Die Luftwaffe setzt in der Annaburger Heide einen strategischen Meilenstein: die Erklärung der Erstbefähigung des Arrow Weapon System for Germany (AWS-G). Das Raketenabwehrsystem liefert die Fähigkeit, hochfliegende, ballistische Raketen außerhalb der Erdatmosphäre abzufangen und bietet einen 24-Stunden-Schutz für Deutschland und seine Verbündeten.
Der Inspekteur der Luftwaffe, Generalleutnant Holger Neumann, verkündet vor Soldatinnen und Soldaten die Erstbefähigung des Arrow-Raketenabwehrsystems in der Annaburger Heide – ein wichtiger Schritt in der Weiterentwicklung der Luftwaffe
Bundeswehr/Francis HildemannAls zentrale logistische Drehscheibe in Europa ist Deutschland im Falle eines Konflikts primär durch ballistische Waffensysteme großer Reichweite wie der neuen russischen Rakete Oreschnik bedroht. Bis zur Beschaffung des AWS-G stand die Bundesrepublik dieser strategischen Bedrohung schutzlos gegenüber.
Mit AWS-G – einem System aus israelischer Herstellung, das in Kooperation mit den USA entwickelt wurde – gewinnt die Luftwaffe eine gänzlich neue Fähigkeit von strategischer Bedeutung. Diese erweitert die Luftverteidigungsarchitektur fundamental und dient ausschließlich dem Schutz menschlichen Lebens.
Das AWS-G ist darauf optimiert, anfliegende ballistische Raketen in einer Höhe von über 100 Kilometern abzufangen. Dieser Prozess wird als exo-atmosphärische Bekämpfung bezeichnet. „Mit dem Arrow Weapon System for Germany und dem Lenkflugkörper Arrow 3 schließen wir diese Fähigkeitslücke – schneller, entschlossener und konsequenter als jemals zuvor“, sagt der Inspekteur der Luftwaffe, Generalleutnant Holger Neumann, am 3. Dezember 2025 in der Liegenschaft Annaburger Heide (Schönewalde/Holzdorf) im Dreiländereck Sachsen, Brandenburg und Sachsen-Anhalt.
Die offizielle Erklärung der Erst- oder auch Anfangsbefähigung des AWS-G – im NATO-Sprech Initial Operational Capability (IOC) genannt – bedeutet: Die ersten Systemanteile werden in Betrieb genommen. Radar, Startgeräte und geschultes Personal sind verfügbar, um den Schutzbetrieb in einem begrenzten Umfang aufzunehmen. Die IOC ist damit der Auftakt für den eigentlichen Einsatz, gefolgt von der Full Operational Capability (FOC), bei der das System seine volle Leistungsfähigkeit erreicht und alle geplanten Funktionen verfügbar sind.
Grafische Darstellung der Arbeitsweise des Raketenabwehrsystem Arrow
Bundeswehr/C3Die Luftwaffe übernimmt mit dem Betrieb des AWS-G eine Dauereinsatzaufgabe der Territorialen Flugkörperabwehr – 365 Tage im Jahr, rund um die Uhr. Das System ist darauf ausgelegt, Bedrohungen von Land, aus der Luft oder von See, einschließlich U-Booten, abzuwehren. „Mit dem neuen System gewinnen wir eine neue Fähigkeit. Eine Fähigkeit, die unsere Luftverteidigungsarchitektur fundamental erweitert, unsere Sicherheit nachhaltig stärkt und einzig und allein darauf ausgelegt ist, Deutschland zu verteidigen und die Menschen in unserem Land zu schützen“, sagt Generalleutnant Neumann und betont: „Dieses Projekt wäre nicht möglich ohne die tiefe Freundschaft und das Vertrauen zwischen Deutschland, Israel und den USA. Diese Partnerschaft ist mehr als diplomatische Routine. Sie beruht auf gemeinsamen Werten, echter Verlässlichkeit und gelebter Solidarität.“
AWS-G ergänzt vorhandene Abwehrsysteme wie Patriot und IRIS-T SLM und hat verschiedene Vorteile:
AWS-G erhöht die Fähigkeit der NATO, Angriffe mit Mittel- und Langstreckenraketen abzuwehren. Deutschland schafft damit eine strategische Komponente, die dem Bündnis bisher fehlte. Das System markiert einen Wendepunkt: Deutschland baut eine Verteidigungsfähigkeit auf, die bisher nur wenige Nationen besitzen. Für die Erlangung der erforderlichen Schutzwirkung wird AWS-G an mehreren, strategisch über ganz Deutschland verteilten Einsatzstellungen eingerichtet. Weitere Einzelheiten unterliegen der militärischen Geheimhaltung.
| AWS-G (Arrow Weapon System for Germany) | Offizielle Bezeichnung für das von Deutschland beschaffte bodengebundene Raketenabwehrsystem Arrow |
|---|---|
| Erstbefähigung (auch: Anfangsbefähigung) | Zustand, in dem die ersten Systemanteile betriebsbereit sind und eine minimale Einsatzfähigkeit hergestellt ist. Im NATO-Sprech Initial Operational Capability (IOC) genannt. |
| Volle Einsatzbereitschaft | Zustand, bei der ein System seine volle Leistungsfähigkeit erreicht hat und alle geplanten Funktionen verfügbar sind. Im NATO-Sprech Full Operational Capability (FOC) genannt. |
| Exo-Atmosphärisch | Außerhalb der Erdatmosphäre. Bezieht sich auf die Abfanghöhe von Arrow (über 100 Kilometer). |
| Endo-Atmosphärisch | Innerhalb der Erdatmosphäre. Bezieht sich auf untere und mittlere Abfanghöhen von zum Beispiel Patriot und IRIS-T SLM |
| Hit-to-kill | Zerstörungsprinzip des Lenkflugkörpers Arrow 3. Der Abfangkörper zerstört das Ziel nur durch die kinetische Energie des direkten Aufpralls. |
| Patriot (Phased Array Tracking Radar to Intercept on Target) | Bestehendes mobiles Luftverteidigungssystem der Luftwaffe für untere Abfanghöhen |
| IRIS-T SLM (Infrared Imaging System / Surface Launched Medium Range) | Modernes, mobiles System zur Bekämpfung von Flugzeugen und Marschflugkörpern für untere und mittlere Abfanghöhen |
| Territoriale Flugkörperabwehr | Dauereinsatzaufgabe der Bundeswehr, das gesamte Staatsgebiet vor Bedrohung zu schützen |