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Traumberuf A400M-Pilotin

Traumberuf A400M-Pilotin

  • ILA
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Datum:
Ort:
Wunstorf
Lesedauer:
7 MIN

Der Traum vom Fliegen – viele haben ihn, manche leben ihn. Eine davon ist Hauptmann Leonie. Sie ist A400M-Pilotin bei der Bundeswehr. Mit ihren Kameradinnen und Kameraden vom Lufttransportgeschwaders 62 (LTGLufttransportgeschwader 62) ist sie ein Teil des Teams Luftwaffe. Hier erzählt sie über ihren Beruf, ihre Ausbildung und ihre persönlichen Erfahrungen.

Pilotin vor einem A400M

Hauptmann Leonie steht in Pilotenoverall vor einem A400M

Bundeswehr/Simon Otte

Wie kam es zu deinem Berufswunsch?

Als Kind fand ich das Fliegen schon immer unglaublich beeindruckend. Das kribbelige Bauchgefühl, wenn der Flieger vom Boden abhebt und die Welt, die nach wenigen Sekunden aussieht wie das Miniatur-Wunderland. Zusätzlich auch die unglaubliche Kraft der Physik, die ein riesiges Flugzeug durch die Luft trägt. Meine Freizeit habe ich aber immer im Reitstall verbracht und so kam es auch nie dazu, dass das Fliegen ein Hobby wurde. Es kam mir aber als Kind schon die Idee, dass Pilotin jedoch ein unglaublich toller Beruf sein muss.

Warum hast Du dich für den Beruf der Pilotin bei der Bundeswehr entschieden?

Mein erster Kontakt mit der Bundeswehr war bereits während der Schulzeit auf einer Berufsbörse. Nach dem Abitur und der quälenden Frage, was man aus seinem Leben machen würde, kam mir erneut der Gedanke „Pilotin“. Zuerst habe ich mich bei der Lufthansa beworben, da hat es aber nicht geklappt. Als dann eine Bekannte von mir zur Marine ging, kam mir die Bundeswehr wieder in den Sinn. Ich ging zu einem Karriereberater in meiner Heimatstadt. Der war sehr aufgeschlossen gegenüber meinem Traumberuf und half mir umgehend alle Unterlagen für die Bewerbung zu erstellen.

Wie wird man dann Pilotin?

Beworben habe ich mich ganz allgemein als Offizier. Bei den Informationsgesprächen mit meinem Karriereberater konnte ich bereits Interessen angeben, auf die beim Auswahlverfahren in Köln eingegangen wurde. Dort wurde ich in einigen Gesprächen allgemein zu meinen Beweggründen, Pilotin zu werden, und zu Flugzeugmustern der Bundeswehr interviewt. Im Vordergrund stand aber die Eignungsprüfung zum Offizier. Hatte man diese grundsätzliche Eignung erhalten, war die erste von drei Phasen auf dem Weg zum Cockpit geschafft.

Wie geht es danach weiter?

Phase zwei findet in Fürstenfeldbruck statt. Dort werden die psychischen und physischen Fähigkeiten geprüft, die eine Pilotin oder ein Pilot bei der Bundeswehr haben muss. Neben Gesprächen mit Psychologen beginnt man bereits mit Tests in einem einfachen Flugsimulator. Dabei werden Koordination und Konzentrationsfähigkeit bei immer komplexer werdenden Aufgaben geprüft. Danach beginnen die wirklich umfangreichen ärztlichen Untersuchungen. Hier kann es sein, dass man aufgrund von individuellen Voraussetzungen für bestimmte Flugzeugmuster ausgeschlossen wird. Im schlechtesten Fall kann festgestellt werden, dass man für den fliegerischen Dienst nicht geeignet ist.

Ein Arzt untersucht die Augen im Rahmen der Eignungsfeststellung von Anwärtern für den fliegerischen Dienst.

Ein Arzt untersucht die Augen im Rahmen der Eignungsfeststellung von Anwärtern für den fliegerischen Dienst im Flugmedizinischen Institut des Zentrums für Luft- und Raumfahrtmedizin der Luftwaffe in Fürstenfeldbruck

Bundeswehr/Stephan Ink

Und die letzte Phase?

Die findet ebenfalls in Fürstenfeldbruck statt und ist die umfangreichste. In einer Woche werden die fliegerischen Fähigkeiten geprüft. Die Woche besteht aus immer schwieriger werdenden Simulatorflügen und Unterricht im Bereich der Fliegerei. Neben der Koordination wird hier geprüft, wie schnell man sich neues Wissen aneignen und es umsetzen kann. Auch der Umgang mit Kritik ist ein Bewertungskriterium. Wichtig ist ein kontinuierlicher Anstieg der Leistungskurve.

Erklärung der Umrechnung von Streckenmaßen und Entfernungen.

Der Fluglehrer erklärt Pilotenanwärtern die Umrechnung von Streckenmaßen und Entfernungen

Bundeswehr/Stephan Ink
Computerassistiertes Testverfahren beim Auswahlverfahren.

Eine Pilotenanwärterin nutzt die computerassistierten Testverfahren während der flugpsychologischen Auswahl

2018 Bundeswehr/Stephan Ink

Wie lange dauerte deine Ausbildung bis zum A400M-Cockpit?

Die reine fliegerische Ausbildung dauerte etwa zweieinhalb Jahre. Davor habe ich aber die Ausbildung zum Offizier mit Studium und andere erforderliche Lehrgänge abgeschlossen. Zwischen den Ausbildungsabschnitten hatte ich etwas Wartezeit. Bei mir waren es von der Grundausbildung bis zum Abschluss des Type Rating A400M insgesamt knapp 10 Jahre.

Die Absolventen stehen vor einem Trainingsflugzeug der Lufthansa.

Eine unter vielen. Nach dem Bestehen der generellen Pilotenausbildung im März 2021 erhielt Leonie ihren Militärluftfahrzeugführerschein und die „Schwinge“. Danach startete die Ausbildung mit dem A400M.

Bundeswehr/Müller
Übergabe der Urkunde bei der Graduierung.

Hauptmann Leonie erhält bei der Graduierung ihre Urkunden

Bundeswehr/Müller

Gibt es Unterschiede zwischen deiner Ausbildung bei der Bundeswehr im Vergleich zu einer zivilen Airline?

In der reinen fliegerischen Ausbildung gibt es wenig Unterschiede, da die Pilotinnen und Piloten der Bundeswehr nach den zivilen Richtlinien der EASAEuropäische Agentur für Flugsicherheit ausgebildet werden. Der Unterschied zeigt sich später klar im Aufgabenspektrum und der dafür erforderlichen Lehrgänge. Wie man bei der Evakuierung in Afghanistan gesehen hat, fliegen wir auch bei großen Bedrohungen, wenn alle zivilen Airlines den Flugbetrieb eingestellt haben. Außerdem landen wir auf unbefestigten Pisten, betanken andere Flugzeuge in der Luft oder nutzen Nachtsichtgeräte.

Muss man zwingend ein Studium haben, um Pilotin zu werden?

Ich selbst habe ein Studium abgeschlossen. Der fliegerische Dienst ist jedoch einer der Bereiche der Bundeswehr, in der es die Laufbahn der Truppen- und Fachdienstoffiziere gibt. Als Fachdienstoffizier hat man die Möglichkeit, die Ausbildung nicht nur ohne Studium, sondern auch mit Realschulabschluss anzufangen. Im Gegenzug dazu sind die Aufstiegsmöglichkeiten begrenzter im Vergleich zum „Truppendiener“. 

Warum eigentlich Transportpilotin A400M und nicht Jet oder Hubschrauber?

Ich glaube der Wunsch, die ganze Welt zu sehen und befliegen zu können, spielte bei mir immer eine wichtige Rolle. In der Transportfliegerei gibt es einen schönen Spruch: „Lieber mit dem Bus um die Welt, als mit den Porsche um den Parkplatz“. Aber mich interessiert die Fliegerei insgesamt.

H Leonie sitzt im A400M-Simulator.

Während ihrer Ausbildung werden die Pilotinnen und Piloten auf alle möglichen Herausforderungen im Simulator vorbereitet

Bundeswehr/Simon Otte

Hattest du Ängste?

Ich glaube eine meiner größten Stärken ist meine positive Einstellung, auch wenn diese mal etwas naiv sein kann. Für mich ist grundsätzlich erstmal alles möglich und so habe ich auch jeden Schritt meines Weges gemacht. Natürlich hatte ich vor allen meinen Prüfungen Angst zu scheitern. Aber Ängste wären nie ein Grund gewesen, es nicht wenigstens zu probieren.

 

Hauptmann Leonie berührt die Luftschraube und sieht sich das Triebwerk an.

Die Sichtprüfung der Triebwerke gehört neben vielen an Checks zu den Aufgaben der Besatzung

Bundeswehr/Simon Otte

Bist du an körperliche oder geistige Grenzen gestoßen?

Die eigenen physischen und psychischen Grenzen lernte ich in den letzten 10 Jahren oft kennen. Ich lernte aber auch, über die eigenen vermeintlichen Grenzen hinauszugehen und über mich hinauszuwachsen.

Was hat dich dabei am meisten gefordert?

Meine größte Herausforderung waren gar nicht einzelne Ausbildungsabschnitte, sondern, in der fliegerischen Ausbildung oft die einzige Frau zu sein. Mir fehlte der Austausch mit anderen Frauen. Eine zeitlang dachte ich, dass den Männern die Ausbildung vielleicht wirklich einfacher fällt, aber sie behielten ihre Ängste und Sorgen einfach eher für sich. Mit dieser Erkenntnis fiel eine große Anspannung von mir und danach konnte ich meine Ausbildung richtig genießen. Nichtsdestotrotz würde ich mich über mehr weibliche Verstärkung freuen.

Wurdest du denn als Frau anders behandelt als deine männlichen Kameraden?

Aufgrund der Vielzahl von unterschiedlichen Lehrgängen und klaren Lehrgangszielen kann ich mit Recht behaupten, dass für mich als Frau die gleichen Regeln galten und ich die gleichen Leistungen erbringen musste.

Wie war es für dich denn als Frau in der Grund-/Offizier- und Pilotenausbildung?

Ich glaube wie in jedem anderen Beruf auch. Möchte man respektiert werden muss man gute Arbeit machen und mit seinen Mitmenschen fair umgehen. Sicherlich waren die körperlichen Anforderungen hoch, aber nach 10 Jahren Dienstzeit bin ich immer wieder fasziniert darüber, was man körperlich leisten kann, wenn der Geist willens ist. Wenn ich auf meine Ausbildung zurückblicke, wurde ich auf jeden Fall immer fair und respektvoll von meinen Vorgesetzten und Kameraden behandelt. Ich war zwar häufig eine der wenigen oder die einzige Frau, aber die Ansprüche und Messlatten waren die Gleichen.

Fühltest du dich irgendwann mal benachteiligt?

Ich glaube da geht es mir wie jeden anderen im Leben. Mal ist man der Hund und mal ist man der Baum. Ich glaube das hat nichts mit meinem Geschlecht zu tun. Wenn es um repräsentative Dinge geht, stehe ich sicherlich öfter vorne, da Frauen noch eine Rarität bei uns sind.

Über die Schultern der beiden Piloten kann man aus dem Cockpit des A400M sehen.

Kurz vor dem Start ist Teamwork erforderlich. Hier kommt es auf Fähigkeiten und Fertigkeiten an – nicht auf persönliche Merkmale.

Bundeswehr

Haben weibliche Piloten besondere Stärken?

Grundsätzlich bin ich keine Freundin davon Eigenschaften einem Geschlecht zu zuordnen. Dann wären wir ja wieder beim Thema Vorurteile. Grundsätzlich sollte jede Pilotin und jeder Pilot Eigenschaften wie Zuverlässigkeit, Gewissenhaftigkeit, Verantwortungsbewusstsein, Genauigkeit, Teamgeist und Kritikfähigkeit besitzen. Koordinative Fähigkeiten und eine Feinfühligkeit dürfen natürlich auch nicht fehlen. Alle guten Pilotinnen und Piloten kennen die eigenen Stärken und Schwächen und reflektieren diese.

Was würdest du jungen Frauen als Rat geben, wenn sie sich für diesen Beruf interessieren?

Generell möchte ich Frauen und auch allen anderen jungen Menschen mehr Mut im Einstieg im Berufsleben wünschen. Die wenigsten wissen von klein auf, was sie werden möchten. Von hohen Anforderungsprofilen darf man sich nicht abschrecken lassen, denn wichtig ist der Wille die Dinge lernen und anpacken zu wollen. Ich hatte bis zur Bundeswehr keine Ahnung von verschiedenen Flugzeugmodellen, Aerodynamik oder war im Besitz eines Flugscheins. Aber ich war wissbegierig und das allein zählt.

Jedem der die sich für die Bundeswehr interessiert möchte ich den Tipp geben, sich umfangreich zu informieren. Die Bundeswehr ist unglaublich vielseitig und selbst nach einem Jahrzehnt kenne ich nur ein Bruchteil aller Berufe und Verwendungen. Fragt neben den Karrierecentern auch Freunde und Bekannte, die Erfahrung mit der Bundeswehr haben. Für alle die sich speziell für meine Verwendung interessieren: Glückwunsch! Ihr habt den aufregendsten Job der Welt gewählt. Also traut euch, denn wer nicht wagt, der nicht gewinnt.

von Martin Buschhorn, Philipp Hiemer, Manfred Schriever   E-Mail schreiben

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