Reaktionsvermögen durch Handlungssicherheit
Beim Kampf in luftwaffenspezifischer Infrastruktur gilt es Hochwertressourcen und schutzbefohlenes Personal besonders zu schützen.
Mit Tauchtraining fängt es an. Wer die Kampfschwimmer-Laufbahn einschlagen will, hat danach eine der härtesten Ausbildungen in der Marine vor sich. Dazu gehört etwa, ein U-Boot in voller Ausrüstung durch das Torpedorohr zu verlassen, zielgenau mit einem Fallschirm zu landen, Informationen zu sammeln und feindliches Gebiet zu erkunden.
Auf den ersten Blick schwer zu unterscheiden: Trainieren in diesem Becken angehende Kampfschwimmer oder Taucher der Marine? Erstere, denn hier kommt das Torpedo-Übrohr zum Einsatz.
Bundeswehr/Nico TheskaKampfschwimmer bilden die Kernfähigkeit des Kommando Spezialkräfte der Marine (KSM). Binnen 24 Stunden müssen sie für Einsätze in der Luft, an Land, auf dem Wasser und unter Wasser bereit sein – und das weltweit. Diese Alleskönner, die man genauso gut auf Skiern, an Unterwasser-Scootern oder in Flugzeugen antreffen könnte, sind besonders ausgebildete Kräfte mit vielen Fähigkeiten.
Schwimm-, Schiffs- und Minentaucher hingegen arbeiten Unterwasser im Umfeld von Schiffen, Hafenanlagen oder bei der Räumung von Seeminen. Sie sind Spezialistinnen und Spezialisten für bestimmte Aufgabengebiete und enorm wichtig für die Kampffähigkeit der deutschen Seestreitkräfte.
Kampfschwimmer können von allem etwas. Warum das? Weil die Einsätze, in die sie als Spezialkräfte gehen, besondere Anforderungen stellen – in den unterschiedlichsten Szenarien, bei jedem Wetter und in allen Dimensionen, über, auf und unter Wasser oder auch der Kombination aus allen dreien. Aus diesem Grund ist neben Teamfähigkeit auch Flexibilität ein absolutes Muss, vor allem im Zusammenwirken mit internationalen Partnern.
Für die Ausbildung der Kampfschwimmer in Eckernförde geht es zuerst in die Schwimmhalle, dann in den Hafen und später auf die offene See. Voraussetzung für den gesamten Ausbildungsprozess ist das Bestehen eines ärztlichen Tests zur Taucher-, U-Boot-Fahrer und Kampfschwimmerverwendungsfähigkeit, kurz TUKV, sowie die Erfüllung von sportlichen Mindestanforderungen während des Potenzialfeststellungsverfahrens Teil 1: Auf Ausdauer angelegtes Lauftraining, ein sich in rascher Folge mit Sit-ups oder Kniebeugen abwechselndes Zeit- und Streckentauchen sowie ein 30-Kilometer-Langstreckenschwimmen durch die Ostsee – all dies legt den Grundstein für die körperliche Leistungsfähigkeit, die es in den Spezialkräften der Marine braucht, bis zur individuellen Belastungsgrenze und darüber hinaus.
Ein Kamel passt bekanntlich nicht durchs Nadelöhr, ein Kampfschwimmer aber durch das Torpedorohr eines U-Boots, wenn Kopf und Körper mitspielen. Das zu erreichen, ist Teil der Ausbildung.
Bundeswehr/Martin PätzoldDie anschließenden Speziallehrgänge sind weitere Bausteine: Bootsausbildung, Freifallen, Schießen, Häuserkampf auf engem Raum in kleinen Teams, das sogenannte Close Quarters Battle, und vieles mehr. Entscheidend ist, dass die Kampfschwimmer am Ende den hohen physischen und psychischen Belastungen standhalten können, die gerade internationale Missionen mit sich bringen.
Die in der Summe der Ausbildung vermittelten Kampftechniken und Überlebensstrategien müssen Kampfschwimmer in Einsatzgebieten überall auf dem Globus beherrschen. Dort angekommen, müssen die Soldatinnen und Soldaten der Einsatzteams perfekt aufeinander eingespielt sein und abgestimmt vorgehen, ohne dass es vieler Worte bedarf. Das ist leicht nachvollziehbar, weil die meisten ihrer Missionen geheim sind und unentdeckt ablaufen müssen.
Hier vermutet man sie nicht: Kampfschwimmer werden auch im Häuserkampf ausgebildet. Da müssen nicht nur Türen, sondern auch Wände durchbrochen werden.
Bundeswehr/Nico TheskaFertig ausgebildete Kampfschwimmer wechseln in die Einsatzkompanie. Dort beginnt das Training im Einsatzteam, das idealerweise immer in derselben Zusammensetzung beisammenbleiben wird. Alle zusammen müssen alles können, jedoch nicht jeder Einzelne alles.
Können ist wichtig, aber nicht das einzig ausschlaggebende Kriterium. Fast noch wichtiger ist Vertrauen. Sich auf den anderen in jeder Situation „blind“ verlassen zu können, ist insbesondere bei gefährlichen Operationen überlebenswichtig. Fähigkeiten können erlernt werden, charakterliche Stärke aber nicht.
von Christina Moritz E-Mail schreiben