Marineinfanterie stellt sich für Kriegstüchtigkeit auf
Zäsur im Seebataillon: Küstenverteidigung statt internationales Krisenmanagement steht im Fokus. Die Marine passt Ausbildung und Struktur an.
Bei der Marine ist Taucher nicht gleich Taucher. Anfangs werden alle Soldatinnen und Soldaten gemeinsam in Neustadt in Holstein zu Schwimmtauchern ausgebildet. Danach trennen sich die Wege. Schwimmtaucher unterstützen in der bordeigenen Tauchergruppe und als Rettungsschwimmer. Schiffs- und Minentaucher erhalten zusätzlich Spezialausbildungen.
In der Ausbildung lernen die angehenden Minentaucherinnen und Minentaucher, mithilfe verschiedener Methoden Minen zu suchen, diese zu identifizieren und durch eine kontrollierte Sprengung unschädlich zu machen
BundeswehrDie auf den Schiffen verbleibenden Schwimmtaucher werden acht Wochen ausgebildet und tauchen bis zu einer Wassertiefe von 30 Metern. Sie kommen bei Rettungseinsätzen und planmäßiger Materialerhaltung am Unterwasserschiff zum Einsatz. Ein anderer Teil der Taucher schützt Schiffe oder Unterseekabel, ein weiterer beseitigt Seeminen und sorgt für sicheres Geleit – auf allen Weltmeeren. Während sich die Sicherheitslage rasant verändert, sind dies Aufgaben, die zunehmend an Bedeutung gewinnen.
Ausgebildet am Einsatz- und Ausbildungszentrum Schadensabwehr Marine (EAZS M) in Neustadt in Holstein sind die Schiffstaucher gerüstet für schwere Arbeiten unter Wasser. Sie tauchen bis zu einer Tiefe von 50 Metern. Bevor sie nach bestandener Schwimmtaucherprüfung und 170 Tauchstunden ihre knapp sechsmonatige Spezialausbildung beginnen können, müssen sie den Kettensägen- und Schweißschein machen.
Als Erkennungszeichen der Schiffstaucher gilt der gelbe Helm. Deshalb werden sie in der Marine auch „Helmtaucher“ genannt. Mit dem Tauchereinsatzleiter und dem Leinenmann an Deck verbindet jeden Taucher ein Versorgungsschlauch, auch „Umbilical“ genannt, mit Atemluft. Zudem überwacht der Leiter den Tauchgang und hält über eine Sprechverbindung am Oberdeck ständig Kontakt. Das ist überlebenswichtig. Zu Einsätzen gelangen die Schiffstaucher auf Tauchereinsatzbooten. In ihren Notluftflaschen befindet sich Atemluft. Anders als die wesentlich tiefer arbeitenden Minentaucher brauchen sie also kein zusätzliches Gasgemisch.
Die Schiffstaucher gelten als die „Handwerker unter Wasser“. Den Umgang mit Schweißgerät, Abbruchhammer oder Kettensäge beherrschen sie auch bei Sichtweiten gegen Null perfekt. Sie suchen den Schiffsrumpf in der näheren Umgebung oder beispielsweise Seekabel unter Wasser nach möglichen Gefahrenquellen und Beschädigungen ab. Deshalb ihr Name. Hindernisse unter Wasser, wie etwa herausstehende Teile, beseitigen sie in Handarbeit. Auch bei der Bergung von Wracks werden sie eingesetzt. Außerdem übernehmen die Schiffstaucher den Schutz von Marinestützpunkten, Hafenanlagen und Booten gegen Sabotage, indem sie unter Wasser Unregelmäßigkeiten oder Schäden ausmachen. Beide Aufgaben werden zunehmend wichtiger. Denn Sabotageakte in der Ostsee nehmen zu. Überdies sind solche Einrichtungen wichtige logistische Drehscheiben und gewährleisten mit Schleusenanlagen die Bewegungen der Schiffe.
Mit ihrer schweren Montur haben die „Unterwasserhandwerker“ einen festen Stand bei der Arbeit. Vor jedem Tauchgang müssen der Versorgungsschlauch und der Tiefenmesser akribisch geprüft werden. Das Handzeichen signalisiert „Alles okay“.
BundeswehrOft werden Minentaucher mit Kampfschwimmern verwechselt. Doch nur die Minentaucher sind Teil des Seebataillons. Sie durchlaufen eine sehr harte, fordernde Ausbildung und sind absolute Spezialisten auf ihrem Gebiet. Ihr Hauptauftrag ist die Munitionsbeseitigung auf See und an Land. Dafür sind sie weltweit im Einsatz.
Die in Eckernförde ausgebildeten Minentaucher erreichen eine maximale Tauchtiefe von mittlerweile 84 Metern. Ermöglicht wird dies durch das Trimix-Tauchen mit einem Atemgasgemisch aus Sauerstoff, Helium und Stickstoff. Über einen Tauchcomputer, der am Handgelenk und zusätzlich am Gerät des Tauchers befestigt ist, erhält er alle Informationen und Tauchparameter wie z.B. die Tauchzeit und Tauchtiefe.
Zum Einsatz gelangen die Minentaucher in der Regel auf den Minenjagdbooten der Frankenthal-Klasse. Denn die kontrollierte Sprengung von Seeminen erfordert eine Spezialausrüstung und ein Team, das den Taucher vom Boot aus unterstützt. Für längere Fahrten in internationalen Gewässern braucht es zusätzlich ein Versorgungsschiff, in Krisengebieten auch eine Fregatte als Geleitschutz.
Die Entscheidung über einen gemeinsamen Minenräumeinsatz mit Verbündeten in der Straße von Hormus steht noch aus. Die deutschen Minentaucher würden dort geschützt durch den Verband agieren. Gleichwohl bleiben ihre Einsätze gefährlich. Deshalb kommt es nicht nur auf eine gründliche Ausbildung, Konzentration und Genauigkeit, sondern auch auf Teamarbeit und den Austausch von Erfahrungen an.
Nur die Schiffstaucher müssen neben einer militärischen auch eine Prüfung bei der Industrie- und Handelskammer (IHK) ablegen. Voraussetzungen sind eine zweieinhalbjährige Ausbildung und mindestens 170 Tauchstunden. Der Abschluss „Geprüfter Taucher“ ist eine auch zivil anerkannte Berufsbezeichnung. Tauchergruppen gibt es an den Marine-Stützpunkten Kiel, Warnemünde und Wilhelmshaven.
von Christina Moritz E-Mail schreiben