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Marinemanöver: Die „Bayern“ bei ANNUALEX 2021

Marinemanöver: Die „Bayern“ bei ANNUALEX 2021

  • Indo-Pazifik
  • Marine
Datum:
Ort:
Rostock
Lesedauer:
4 MIN

Vom 20. bis 30. November war die deutsche Fregatte an der jährlichen Großübung der japanischen Marine beteiligt. Zu diesem Manöver in der Philippinensee hatten außerdem vor allem die USAUnited States of America, aber auch Australien und Kanada Kriegsschiffe abgestellt.

Vier graue Kriegsschiffe fahren nebeneinander parallel in See.

Pazifische Partner: links von der deutschen Fregatte der japanische Zerstörer „Inazuma“, rechts der Zerstörer „Chokai“, hinten rechts die kanadische Fregatte „Winnipeg“

US Navy/Jeff D. Kempton

Die Übungsreihe „Annual Exercise“ richtet die japanische Marine, formell Maritime Selbstverteidigungskräfte genannt (Japan Maritime Self-Defense Force/JMSDF), regelmäßig seit 1996 aus. In der Regel ist seither auch immer der wichtigste Verbündete des Kaiserreichs, die Vereinigten Staaten, stark mit Schiffen der in Japan stationierten 7. USUnited States-Flotte vertreten. Ziel ist, die Marine-Partnerschaften des Inselstaats zu stärken, und dabei gemeinsam seemännische und maritim-militärische Fähigkeiten aller Beteiligten zu verbessern – von der operativen Führungs- bis zur taktischen Arbeitsebene.

Dieses Ziel hat das diesjährige Großmanöver laut Vizeadmiral Hideki Yuasa, Befehlshaber der japanischen Flotte, erreicht. „Während ANNUALEX hat die JMSDF ihre bilaterale Reaktionsfähigkeit und Interoperabilität mit der USUnited States-Marine verbessert“, erklärte er, „sowie unser gegenseitiges Verständnis und unsere Zusammenarbeit mit der australischen, kanadischen und deutschen Marine vertieft.“

Im strategischen Kontext des Indo-Pacific Deployment

Dieses Jahr waren an dem Manöver zusammen über 20 Kriegsschiffe mit mehr als 9.000 Besatzungsmitgliedern beteiligt. Der Gastgeber Japan stellte rund ein Dutzend Zerstörer und Fregatten, angeführt vom Hubschrauberträger JS „Izumo“, plus mindestens ein U-Boot. Von der USUnited States Navy kam die Kampfgruppe Carrier Strike Group 1 um den Flugzeugträger USS „Carl Vinson“, ebenfalls inklusive eines U-Boots, aber auch zweier Flottentanker. Aus Kanada beziehungsweise Australien waren die Fregatte HMCS „Winnipeg“, der Zerstörer HMAS „Brisbane“ und die Fregatte HMAS „Warramunga“ beteiligt. Hinzu kamen Dutzende Flugzeuge und Hubschrauber.

Ein grauer Kampfjet steht auf den Flugdeck eines Schiffes.

Weiterentwicklung der japanischen Marine: Erst im Oktober war erstmals ein USUnited States-Senkrechtstarter auf dem Hubschrauberträger „Izumo“ gelandet. Das Schiff soll künftig selbst mit Kampfjets vom Typ F-35B ausgerüstet werden

US Marine Corps/Tyler Harmon

„Die USUnited States Navy fühlt sich geehrt, erneut teilzunehmen“, erklärte Konteradmiral Dan Martin, Kommandeur der Carrier Strike Group 1. ANNUALEX biete Gelegenheit, Allianzen strategisch zu koordinieren und weiter zu stärken, mit dem Ziel, „eine flexible, anpassungsfähige und beharrliche vereinte Kraft bleiben können, die in der Lage ist, bei Bedarf schnell Macht zu projizieren, wo und wenn sie benötigt wird.“

Die deutsche Fregatte war damit nur eine von vielen Teilnehmerinnen des multinationalen Seemanövers. Ihre Anwesenheit bei ANNUALEX war in einen außergewöhnlichen strategischen Kontext eingebettet. Denn die Manövertätigkeit in der Großregion hat laut Experten in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen, gerade angesichts der militärischen Aufrüstung Chinas und seiner territorialen Ambitionen. Allein auf dem Programm für die japanische Marine standen dieses Jahr Dutzende kleinere und größere Manöver.

„Die Einladung zur ANNUALEX 2021 ist der operative Höhepunkt des Einsatzes der ‚Bayern‘ in der Region Indo-Pazifik“, sagte Fregattenkapitän Tilo Kalski, der Kommandant des deutschen Schiffs. Dabei sei ein deutsches Marineschiff erstmals in das Großmanöver eingebunden gewesen. Kalski führt aus: „Als erstes Kriegsschiff der Deutschen Marine seit fast zwei Jahrzehnten, das diese Seegebiete befährt, ist es eine große Ehre, die Möglichkeit zu haben, mit unseren Partnern in einer so beeindruckenden Seestreitmacht zusammenzuarbeiten.“

Altbekannte Verfahren im größten Ozean der Welt

Ein hellgrauer Hubschrauber fliegt über See; im Hintergrund mehrere graue Kriegsschiffe.

U-Jagd-Werkzeug und Allzweck-Transportmittel: ein Helikopter vom Typ MH-60R der USUnited States Navy. Zum Flugbetrieb während ANNUALEX 2021 steuerte die „Bayern“ ihre zwei Bordhubschrauber Sea Lynx bei

US Navy/Haydn N. Smith

Die deutsche Fregatte hatte in den ersten Monaten ihres Indo-Pacific Deployments seit Anfang August bereits mehrere Einzelübungen, sogenannte PASSEXe, mit Schiffen von Partnermarinen gefahren. Das aber in deutlich kleinerem Maßstab: meist nur mit ein oder zwei weiteren Schiffen und höchstens einen Arbeitstag lang von Dauer.

Das Übungsgebiet für diese ANNUALEX, die Philippinensee, lag südlich der japanischen Inseln, nördlich und östlich der namensgebenden Inselgruppe. Mit rund 5,7 Millionen Quadratkilometern ist dieses Randmeer gut zehn Mal so groß wie die Nordsee – ein gutes Beispiel für die räumlichen Dimensionen und Distanzen, mit denen die „Bayern“ während ihres Indo-Pacific Deployment umgehen muss.

Die Übung diente dazu, die beteiligten Kriegsschiffe und ihre Besatzungen in der Zusammenarbeit als Verband im Kampf gegen Ziele über, auf und unter Wasser zu trainieren. Dabei lag dieses Mal ein Schwerpunkt der ANNUALEX darauf, Fähigkeiten zur Abwehr gegnerischer U-Boote zu vertiefen. Die „Bayern“ konnte daher einen elementaren Beitrag leisten, denn sie ist – mit Bordhubschraubern und Sonarausstattung – auf die U-Jagd spezialisiert.

„Es war eine Bestätigung für das Schiff und die maritimen Fähigkeiten der Besatzung“, meint Kommandant Kalski, „Sie haben ihre Leistungsfähigkeit unter Beweis gestellt.“ Neben der U-Boot-Abwehr war die Fregatte auch an weiteren Abschnitten der ANNUALEX beteiligt, darunter Versorgung in See oder allgemeiner Flugbetrieb.

In der ersten Reihe unter den Verbündeten Japans

Luftaufnahme von mehreren Kriegsschiffen in See, die in symmetrisch geordneter parallel neben- und hintereinander fahren.

Pole position: Die deutsche „Bayern“, hier exakt in der Mitte des Manöververbands, durfte beim PHOTEX an die Spitze der Formation aus Fregatten und Zerstörer. Links Japans Hubschrauberträger „Izumo“, rechts der USUnited States-Flugzeugträger „Carl Vinson“

US Navy/Haydn N. Smith

„Das Besondere für uns war die hohe Wertschätzung durch die japanischen Kameraden“, so Kalski. Das habe schon zu Beginn der Großübung ein sogenanntes PHOTEX „auf beeindruckende Weise hervorgehoben“. In der Regel fahren Kriegsschiffe in Marinemanövern bei einer extra eingeplanten Gelegenheit, einer Photographic Exercise, einmal eng in einem Verband zusammen, um von einem der Bordhubschrauber aus quasi ein Gruppenfoto der Beteiligten aufzunehmen – als Erinnerung, aber auch für die Öffentlichkeitsarbeit.

„Es war besonderes Privileg für die ‚Bayern‘, eine prominente Position in der Verbandsaufstellung einzunehmen“, erklärt Kalski. Sein Schiff durfte beim PHOTEX die Formation der übrigen zwölf Fregatten und Zerstörer anführen.

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