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Indo-Pacific Deployment: Die „Bayern“ übt multinational

Indo-Pacific Deployment: Die „Bayern“ übt multinational

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in See
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6 MIN

Im Indo-Pazifik tauscht sich die Fregatte nicht nur in Häfen mit anderen Nationen aus. Passing Exercises auf See gehören zur Marinediplomatie und sind Kernauftrag der Präsenz- und Ausbildungsfahrt des deutschen Kriegsschiffs.

Marinesoldaten in hellblauer Uniform stehen auf dem Deck eines Schiffes und winken einem grauen Kriegsschiff zu.

Noch gut 12.000 Seemeilen und zehn Wochen vom Hafen Tokio entfernt: Deutschland trifft Japan im Indischen Ozean.

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„Ich fühle mich geehrt, mit der Deutschen Marine zusammenarbeiten zu dürfen“, so Fregattenkapitän Takeshi Kumashiro. Der Kommandant des japanischen Zerstörers „Yuugiri“ lobte damit das Treffen mit der deutschen Fregatte „Bayern“ am 29. August mitten im Golf von Aden. Deutschland und Japan sind keine offiziellen militärischen Verbündeten, aber befreundete Nationen mit vergleichbaren Werten und Interessen. Die Begegnung der beiden Schiffe nutzten die Besatzungen also zum gemeinsamen seemännischen und militärischen Üben – praktischer Ausdruck der politischen Verbundenheit.

„Durch diese Ausbildung haben wir unsere taktischen Fähigkeiten verbessert“, meint Kumashiro. Ergänzend dazu erklärte die japanische Marine, dass sie auf diese Weise trotz COVID-19Coronavirus Disease 2019-Pandemie Kooperation mit den Seestreitkräften Deutschlands vertiefe, „um einen freien und offenen Indo-Pazifik zu verwirklichen, den Frieden und die Sicherheit Japans zu wahren und zur Unterstützung der Stabilität in der Region beizutragen.“

„Bis dato konnte ich noch nicht mit der japanischen Marine üben, insofern war das auch für mich persönlich eine große Ehre“, sagt Fregattenkapitän Tilo Kalski, der Kommandant der „Bayern“. Die sehr gute Vorbereitung der Übung durch die Crew Kumashiros habe die Zusammenarbeit auch extrem einfach gemacht.

Professionalität und Brauchtum machen den Auftrag fassbar

Neben der Professionalität gehört beim gemeinsamen Trainieren am Ende ein sogenanntes Steampast zum militärischen Brauchtum. In Passieraufstellung angetreten winken die Besatzungen der Schiffe einander zu, während das „verlassende“ Schiff am „zu verlassenden“ von achtern kommend nach vorn vorbeifährt. Beim Abschluss dieser Übung überraschte Kumashiro über Funk mit „fantastischem Deutsch“, so Kalski. „Das hat uns alle sehr berührt.“

Es tue ihm leid, dass er diese Freundlichkeit nicht auf Japanisch erwidern konnte. Immerhin: Es seien Gelegenheiten wie diese, die für die Besatzung des deutschen Schiffes den Auftrag im Indo-Pazifik fassbar und sinnhaft machten.

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Zwei Kriegsschiffe fahren hintereinander; im Vordergrund zeigt ein Marinesoldat mit Händen die Position der Schiffe.

Quasi fester Bestandteil von Passing Exercises ist das Formationsfahren. Allerdings fahren Kriegsschiffe in der Regel nicht für Paraden so genau neben- oder hintereinander, auch wenn es aussieht wie Exerzieren auf Kasernenplätzen.

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Ein graues Kriegsschiff in See von vorne, im Vordergrund graue Aufbauten eines zweiten Schiffs.

Es gibt handfeste taktische Gründe fürs „Flottenballett“: Hier die spanische „Navarra“ achteraus der „Bayern“, im Abstand von 1.000 Yards. Von dieser Position kann die Fregatte schnell auf die eine oder andere Seite der deutschen wechseln.

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Zwei graue Kriegsschiffe in See.

Der rasche und präzise taktische Stellungswechsel ist in einem Marineverband enorm wichtig, um flexibel auf Bedrohungen reagieren zu können. Hier die indische Fregatte „Trikand“ backbord achteraus der „Bayern“

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Die Ausbildung hatte die Form einer mehrstündigen Passing Exercise angenommen. Militärisch kurz PASSEX, beschreibt die NATO das als eine Übung zwischen zwei oder mehr Marinen, die aus Teilübungen in Navigation und Kommunikation besteht, während Schiffe neben- und umeinander manövrieren.

Solche bi- und multinationalen Trainings erhöhen die operative Einsatzfähigkeit und Interoperabilität der teilnehmenden Kriegsschiffe. Oder wie die einschlägige NATO-Vorschrift besagt: „Hauptgrund für das Üben der Schiffe der alliierten Nationen besteht darin, das höchstmögliche Maß an Koordination und Teamarbeit beim Führen eines Seekriegs gegen einen gemeinsamen Feind zu gewährleisten.“

PASSEX: Ein Portfolio an Standardübungen

Zusätzlich können PASSEXe Teilübungen umfassen wie: Mann-über-Bord, Boarding, Cross-Deck-Flugbetrieb, taktisches Formationsfahren sowie weitere Kommunikations- und Datenverbindungsübungen. Die letzteren umfassen sowohl Lichtmorsen und Flaggensignale als auch den vertraulichen Datenaustausch zwischen Lagebild- und Führungssystemen.

Von größeren Manövern unterscheiden sich PASSEXe vor allem dadurch, dass sie vergleichsweise kurzfristig arrangiert werden, sobald absehbar ist, dass sich zwei oder mehr verbündete oder wenigstens befreundete Kriegsschiffe auf ihren jeweiligen Wegen begegnen. Deshalb dauern sie in der Regel auch nur wenige Stunden – ebenfalls ein Unterschied zu echten Manövern, die normalerweise bis zu zwei Wochen dauern und mehrere Monate akribische Vorbereitung benötigen.

Das alles bedeutet zugleich, dass für diese Form von maritimen Übungen zwei unterschiedliche Marineschiffe schon genügen. Auch einzelne Aufklärungsflugzeuge oder U-Boote reichen als ernster „Spielpartner“ für ein Schiff aus.

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Ein Hubschrauber schwebt über dem Flugdeck eines Schiffes.

Die Piloten der Bordhubschrauber können Cross-Deck Flight Operations üben, also das wechselseitige Landen auf fremden Flugdecks. Hier der Helikopter der indischen Fregatte „Trikand“ über dem Heck der „Bayern“

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Ein Hubschrauber schwebt dicht über dem Flugdeck eines grauen Kriegsschiffs.

Einer der beiden deutschen Bordhubschrauber bei der Landung auf dem japanischen Zerstörer. Die Marineflieger lernen nicht nur, wie sich Flugdecks von Kriegsschiff zu Kriegsschiff im Detail unterscheiden können, …

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Ein Hubschrauber steht mit drehendem Rotor auf dem Flugdeck eines Schiffs; zwei Marinesoldaten bewegen sich gebückt

… sondern erleben auch, wie genau andere die standardisierten Verfahren im Einzelnen anwenden – wie hier mit der japanischen Flight Deck Crew.

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Das Handbuch für die Teilübungen von PASSEXen wie auch großen Manövern ist das Allied Maritime Above Water Warfare Exercise Manual, kurz AXP-2. Diese bündnisgemeinsame Vorschrift definiert die Trainingsstandards, die alle NATO-Schiffe erfüllen sollen. Die AXP-2 ist ein eingestuftes Dokument, aber ihre nicht geheimen Anteile sind in der MXP-2 veröffentlicht, einem multinationalen Handbuch, das das gemeinsame Üben von NATO-Schiffen mit denen dritter Partnernationen erlaubt – wie zum Beispiel Japan, Australien oder Südkorea.

„Die MXP-2 betrifft generell Verfahren, die weniger taktischer Natur sind, sondern im Schwerpunkt eher auf die navigatorische, nautische und seemännische Ausbildung abzielen“, erläutert Kalski. Über die gemeinsame Verbindung USUnited States Navy haben viele westliche Marinen vergleichbare Verfahren. In einzelnen PASSEXen lernt man dann schnell Unterschiede, aber auch Gemeinsamkeiten, auf die es ankommt.

Die Erste Schiffseinsatzoffizierin, Kapitänleutnant Ulrike B. schränkt das noch einmal ein: „Schwierig wird es allerdings vor allem dann, wenn es einer gewissen Interoperabilität bedarf, um gewisse Übungen durchzuführen. Dazu gehören vor allem Kommunikationswege über Funk sowie der Lagebild-Austausch über taktische Datenverbindung.“

Einfach für Kriegsschiffe: gemeinsame Übungen trotz Pandemie

B. ist verantwortlich für die Operationszentrale, das militärisch-taktische Hirn der Fregatte. „Auch wenn’s mal kurzfristig kommt: Die Chance für ein PASSEX muss man ergreifen, wenn sie sich einem anbietet“, erklärt sie. „Wenn die Zeit zum Ausplanen knapp ist, dann hat man am besten schon vorher mit allen Beteiligten an Bord gesprochen und weiß genau: Welche Übungen wären für die Ausbildung zum Beispiel der Wachoffizier-Schüler oder der Operateure noch gut?“

Ein großer Vorteil der vielen möglichen Einzelübungen, die die MXP-2 umfasst, für diese Pandemiezeiten ist, dass sich die Planer genau die Anteile heraussuchen können, die auch kontaktlos verlaufen können. Oder besser: Sie können diejenigen Drills vermeiden, die persönlichen Kontakt erfordern; denn moderne Kriegsschiffe kooperieren in der Regel ohnehin praktisch auf teils große Distanz.

„In Zeiten der Pandemie ist es trotzdem schade, dass wir unseren Seefahrerstolz und den gegenseitigen Respekt nicht mehr durch gegenseitige Besuche an Bord ausdrücken können“, sagt B. „So ein Cross-Pooling ist ja der sonst übliche Austausch von Soldaten in See aufs jeweils andere Schiff. Das ist immer ein Highlight bei PASSEXen, macht aber insgesamt nur den kleinsten Teil aus.“

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Ein graues Kriegsschiff in See; im Vordergrund hält eine Marinesoldatin ein Mikrofon in der Hand.

Wichtiges Training für junge Wachoffiziere sind gegenseitige Anläufe zur Versorgung in See. Die Schiffe kommen sich dafür sehr nahe, und die Leiter der Teams auf den beiden Brücken müssen sich aufs exakte Fahren konzentrieren.

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Zwei Marinesoldaten stehen nebeneinander auf dem Oberdeck eines Schiffes; einer hält eine große leuchtende Signallampe.

Eine scheinbar simple Übung: das Lichtmorsen. Gerade weil es so low-tech ist, hat es für moderne Kriegsschiffe immer noch die Bedeutung, eine sichere Rückfalloption zu sein.

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Mehrere Marinesoldaten auf dem Oberdeck eines Kriegsschiffs posieren für ein Gruppenfoto.

Es gibt in Pandemiezeiten zwar keine gegenseitigen Besuche an Bord – aber immer noch Möglichkeiten für Erinnerungsfotos. Das zeigen Soldaten auf der spanischen „Navarra“, die die „Bayern“ als Hintergrund nutzen.

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Mit manchmal nur ein paar Tagen Vorlauf vor einem PASSEX gibt es für B. und ihr knapp 30-köpfiges Team einiges vorzubereiten. Die Ausplanung übernehmen in der Regel federführend die Operateure. Sie tauschen und werten Fernschreiben mit exakten Anweisungen aus, bereiten Briefings vor. Kurz: „Sie stricken einen operativen Plan“, wie B. sagt. „Manchmal reicht es dann eben auch nicht aus, eine Teilübung nur mit einer normalen Seewache von neun Leuten in der Operationszentrale zu bestreiten, dann stocken wir den Personalansatz auf und sitzen mit der Gefechtsbesatzung in unserem ‚Keller‘.“

Dass „Yuugiri“ und „Bayern“ ausgerechnet im Arabischen Meer ihr PASSEX gefahren sind, ist kein Zufall. Hier, am nordwestlichen Ende des Indischen Ozeans, begegnen sich deutsche, europäische und japanische Interessen. Das deutsche Kriegsschiff befindet sich auf seinem Indo-Pacific Deployment, unterstützt in diesem Seegebiet die europäische Anti-Piraterie-Operation Atalanta. Das japanische Schiff gehört zur Parallelmission der multinationalen Combined Maritime Forces, die quasi arbeitsteilig mit Atalanta im selben Gebiet am Horn von Afrika Handelsschiffe schützen. „Die ‚Yuugiri‘ ist ein sehr fähiges Kriegsschiff“, ergänzt Kalski, „das nicht ohne Grund für diese herausfordernde Mission ausgewählt worden ist.“

„Bayern“ trifft Indien, Japan und viele mehr

Überhaupt ist die internationale Flottenpräsenz im nördlichen Teil des Indischen Ozeans relativ dicht. Hier entlang verläuft nicht nur der maritime Handel zwischen Europa und Asien. In die gleichen Seewege kreuzen hier Öltanker aus dem Persischen Golf ein, die ihren gebunkerten Rohstoff in beide Richtungen transportieren.

Für die Fregatte „Bayern“ und ihre Besatzung macht sich das bemerkbar in der Anzahl der PASSEXe, die für sie anstehen. Drei Tage vor dem Treffen mit der „Yuugiri“ hatte das deutsche Schiff weiter westlich mit der indischen Fregatte „Trikand“ geübt – für die Deutschen ihre erste binationale Übung im Auftragsgebiet Indo-Pazifik. Einen Tag später war die „Bayern“ dem Flaggschiff der Operation Atalanta begegnet, der spanischen Fregatte „Navarra“.

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Ein graues Kriegsschiff in See.

Bestandteil praktisch eines jeden PASSEX: Mit einem sogenannten Steampast verabschieden sich die Marineschiffe am Ende der Übungen. Hier zieht die griechische Fregatte „Hydra“ an der „Bayern“ vorbei.

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Ein graues Kriegsschiff in See; im Vordergrund grüßen zwei Marinesoldaten militärisch.

Solche Gesten militärischer Höflichkeit sind zwischen allen Kriegsschiffen möglich, egal ob verbündet oder nicht. Zuerst förmlich die Hand an die Mütze zum militärischen Gruß, wie hier Kommandant und Erster Offizier der „Bayern“, …

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Ein graues Kriegsschiff in See; im Vordergrund winkt ein Marinesoldat mit einer Mütze.

… und danach ist es erlaubt zu winken. Am besten mit der Mütze, damit es besser zu sehen ist. Das erwidert hier Fregattenkapitän Kumashiro von der japanischen „Yuugiri“.

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Nach einer eher ruhigen Arbeitswoche nach dem deutsch-japanischen PASSEX ging es weiter mit einem Seeversorgungsmanöver mit einem USUnited States-Flugzeugträgerverband; und darauf wieder Training mit einem pakistanischen und einem amerikanischen Kriegsschiff. Für die übrigen Monate des Indo-Pacific Deployment 2021 wird es für die Männer und Frauen auf der „Bayern“ ähnlich weitergehen.

„PASSEXe sind der Schwerpunkt unseres Indo-Pacific Deployment“, schließt Kalski. Sie seien auch der Kern des Auftrags der deutschen Fregatte. Bei diesen Gelegenheiten könne die Besatzung ihre Fähigkeiten demonstrieren und ausbauen, und so auch die der Deutschen Marine. „Ein automatisch erzeugter Meldepunkt auf der elektronischen Seekarte ist zwar eine Art der Präsenz in diesen Gewässern – sie kann sich aber nur mit direkter Zusammenarbeit in den Köpfen der Partnernationen als solche festsetzen.“

von Mark Dopitz  E-Mail schreiben

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