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Neue Dimensionen für die Seesoldaten

Neue Dimensionen für die Seesoldaten

  • Ausbildung
  • Marine
Datum:
Ort:
Eckernförde
Lesedauer:
4 MIN

Ihre künftigen Einsätze mit den neuen Fregatten der Baden-Württemberg-Klasse vergrößern die Maßstäbe für die Bordeinsatzsoldaten des Seebataillons.

Boarding auf einem fremden Schiff: Für die Seesoldaten lauern potentielle Gefahren hinter jeder Ecke.

Bundeswehr/Julius Grändorf

Ende Juli trainierten die Soldaten der Bordeinsatzkompanie 2 des Seebataillons erstmals mit allen beteiligten Kräften einer Bordeinsatzgruppe (BEG) F125. Übungsobjekt war ein ziviles Schiff: der 80 Meter lange Küstenfrachter „Simon B.“, extra für diese Ausbildung für eine Woche gechartert. Die Ausbildung endete mit einer Zertifizierung für die Arbeit auf den neuesten Schiffen der Flotte.

Seesoldaten aus Eckernförde sind bereits seit über zehn Jahren vor allem auf den Fregatten der Flotte eingeschifft, wenn diese in Einsätze fahren, zu deren Aufgaben gehört, fremde Schiffe zu kontrollieren. Dazu zählte in der Vergangenheit etwa die Anti-Piraterie-Mission Atalanta vor der Küste Somalias und heute die Operation EUNAVFOREuropean Union Naval Forces MEDMediterranean Irini, die vor allem Waffenschmuggel über See nach Libyen verhindern soll. Gerade für solche Einsätze sind die Schiffe der Baden-Württemberg-Klasse spezialisiert: mit vier großen Einsatzbooten und ausreichend Platz an Bord für Zusatzpersonal.

„Neu an der Bordeinsatzgruppe F125 ist, dass wir über erweiterte Möglichkeiten durch die neue Plattform verfügen“, erklärt Oberleutnant zur See Julius Grändorf, einer der stellvertretenden Zugführer in der Bordeinsatzkompanie 2. „Das beinhaltet vor allem eine größere Personalstärke mit drei Bootsteams.“ Auch sind die Speedboote vom Typ Buster deutlich größer als die Beiboote des Typs Boomeranger der übrigen Marineschiffe. Mit maximal 15 Personen passen mehr als doppelt so viele Menschen auf die Buster.

Mehr Boote und größere Boote

Von den vier Einsatzbooten der 125er-Fregatten stehen den Seesoldaten drei zur Verfügung. Eines bleibt immer eiserne Reserve für Seenotrettungsaufgaben. Dafür stellt die Crew des Schiffs ein eigenes Bootsteam.

Die wichtigsten taktischen Einsatzmittel der Stabilisierungsfregatten der Baden-Württenberg-Klasse sind nicht ihre Waffen, sondern ihre Einsatzboote – zusammen mit den Bordeinsatzsoldaten des Seebataillons.

Bundeswehr/Marcel Kröncke

Die Teams des Seebataillons setzen sich zusammen aus den eigentlichen Bordeinsatzsoldaten, geführt von einem Boarding-Offizier, einem Notfallsanitäter und zwei Soldaten der sogenannten Taktischen Einsatzkräfte See, die den Buster fahren. Je nach Lage kommt noch ein weiterer Experte hinzu: ein Embargo Control Liasion Officer der Marineschifffahrtleitung. Er ist der Fachmann für die zivile Handelsschifffahrt, kann eine zivile Besatzung gezielt befragen oder weiß, wo an Bord sich die besten Schmugglerverstecke befinden.

Das Training übt das Zusammenspiel zwischen unterschiedlichen Elementen: dem Seebataillon, den Stabilisierungsfregatten der der Baden-Württemberg-Klasse, den Einsatzbooten und nicht zuletzt den Schiffsbesatzungen. Für die Seesoldaten der Bordeinsatzkompanien sind sowohl die Schiffe als auch die Boote noch neu.

Ziel der Zertifizierung im Juli war es, den Ausbildungsstand der BEG vor ihrer Einschiffung an Bord der Fregatte „Nordrhein-Westfalen“ zu überprüfen. Die Zertifizierung hat der Kompaniechef der Bordeinsatzkompanie, Kapitänleutnant Erik Hawelky, selbst abgenommen.

„Maßstab dafür ist das grundlegende Anforderungsprofil und die Ausbildungsinhalte eines Bordeinsatzsoldaten beziehungsweise eines Bordeinsatzteams“, sagt Grändorf. Er hat die unterschiedlichen Lagen auf der „Simon B.“ mit zunehmenden Schwierigkeitsgraden für das Training geplant und organisiert. „Die Vorgaben sind aus dem internationalen ‚Boardinggeschäft‘ abgeleitet, allerdings hat die Marine aus ihrer bisherigen Erfahrung heraus eigene Handlungsanweisungen erstellt.“

Um nun ihren Einsatzklarstand beweisen zu können, war die BEG mit verschiedensten Lagen konfrontiert. Das Lagentraining beinhaltete den Transport der Soldaten per Speedboot oder per Helikopter genauso wie den Schutz eines zivilen Schiffes oder taktische Vorgehensweisen auf einem unbekannten Zielschiff.

Eine neue Schiffsklasse erfordert mehr Seesoldaten

Für Kompaniechef Hawelky haben die Soldaten bewiesen, dass sie die unterschiedlichen Einsatzverfahren beherrschen, haben Belastbarkeit und Willen an den Tag gelegt. „Erstmalig war es uns als Kompanie, aber auch dem Seebataillon möglich, eine Zertifizierung einer Bordeinsatzgruppe für die Fregatte F125 durchzuführen“, so der Kapitänleutnant. „Spannend wird es, zukünftig mit Notfallsanitätern, Minentauchern, Scharfschützen und Feldnachrichtensoldaten regelmäßig zu üben. Denn nur wer in Übungen wieder und wieder auf die Probe gestellt wird, kann auch im ernsten Einsatz bestehen.“

Die Schiffe der Baden-Württemberg-Klasse werden zukünftig die Standard-Einsatzplattform für die Bordeinsatzsoldaten sein. Die gut 150 Meter langen Schiffe haben eine vergleichsweise kleine Stammbesatzung von 126 Soldatinnen und Soldaten, bieten aber 70 Kojenplätze für Zusatzpersonal – wie eben die BEGs des Seebataillons. Sobald absehbar also alle vier Fregatten dieses Typs in der Marine in Dienst gestellt sind, werden sie auch mehr Kopfstärke des Bataillons benötigen. Das ist auch der wichtigste Grund, warum der Personalbestand des Seebataillons wächst, und der Verband 2018 eine zweite Bordeinsatzkompanie aufgestellt hat.

Die frisch zertifizierten Seesoldaten der BEG F125 nun werden im September nach Wilhelmshaven fahren, um sich für mehrere Wochen der Crew Alpha des 4. Fregattengeschwaders auf der „Nordrhein-Westfalen“ anzuschließen. Für Schiff und Gesamtbesatzung steht dann das fordernde German Operational Sea Training an, das sie als ganzes Team in einer letzten Ausbildungsstufe auf künftige Einsätze vorbereitet.

von  Presse- und Informationszentrum Marine (mmo)  E-Mail schreiben

Die Bordeinsatzgruppe F125 im Training

Geleitschutz für eigene zivile Schiffe, Hilfeleistung in See, Sicherung eigener Schiffe im Hafen, Boarding-Operationen – die Palette der Fähigkeiten der Bordeinsatzkompanien des Seebataillons ist breit. Das bedeutet für die Soldaten selbst: üben, üben, üben.

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