Erste Lektion für Führungsnachwuchs auf See: Mit sich und anderen umgehen können
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- Ort:
- in See
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Offizieranwärterinnen und Offizieranwärter haben Ende Februar ihr Praktikum auf der Fregatte „Brandenburg“ beendet. Über den Kernauftrag der Marine und den Wert von Kameradschaft haben sie viel gelernt. Sie erlebten bei Seegang nicht nur das „Meer als Schule“, sondern auch das NATONorth Atlantic Treaty Organization-Manöver Northern Quadriga.
Das Praktikum auf See ist abgeschlossen. Die Zukunft hält Führungsaufgaben bereit. Dabei wird es auch auf das Zusammenwirken im internationalen Verbund ankommen.
Bundeswehr/Caroline LindnerVerteidigungsbereitschaft beginnt mit der persönlichen Bereitschaft jeder Soldatin und jedes Soldaten, die eigenen Grenzen auszuloten, offen für Neues zu sein und selbst Verantwortung zu übernehmen. Dienst zu tun, auch wenn die Fregatte ordentlich schwankt, der Wellengang höher wird und wenn sich der Schlafmangel nach dem Dienst als Ausguck bemerkbar macht. Damit mussten manche Praktikantinnen und Praktikanten erst zurechtkommen. Andere kannten die Gepflogenheiten an Bord und die Seefahrt bereits.
Paul, einer von ihnen, machte es sich deshalb zur Aufgabe, den Neuen das Praktikum etwas leichter zu machen. Etwa mit Unterstützung bei Abläufen, die ihm bereits vertraut sind. Ein Ansatz, der nicht nur von einem ausgeprägten Kameradschaftssinn, sondern auch von Führungswillen zeugt. Sein Wunsch, die Offizierlaufbahn einzuschlagen, beruht auf seiner Erfahrung: „Weil ich es besser machen wollte.“ Ein gutes Vorbild, ein guter Vorgesetzter wolle er sein.
Seinen Kameraden Piet, der als Neuling noch Respekt vor Schlafentzug und starkem Wellengang hatte, überraschte diese Kameradschaft positiv. Auch er will „schon im jungen Alter führen“, erklärt er seine Motivation. Dazu gehört in Zukunft mehr als das, was sie auf der Fregatte gelernt haben.
Rede und Antwort stehen, Abläufe und Zusammenhänge präzise erklären – das müssen die angehenden Offizierinnen und Offiziere bald selbst beherrschen. Trotz ihres straffen Dienstplans organisierten sie ein Interview mit dem Kommandanten der Fregatte „Brandenburg“, Fregattenkapitän Philipp Schuster. Ein nicht einfach zu organisierender Termin mit dem, der über 200 Frauen und Männer Besatzung befehligt. Stellvertretend für die 30 Offizieranwärterinnen und Offizieranwärter stellte Nikolas die Fragen:
Der Kommandant erläutert die Ausbildungsschritte – von Gefechtsübungsfähigkeiten, Brand- und Leckbekämpfung bis hin zu einer simulierten äußeren Bedrohung mit Schießen im internationalen Verband, der den Über- und Unterwasserseekrieg übte.
Eine „Sonderrolle“ hatten Praktikantinnen und Praktikanten auf der „Brandenburg“ nicht. Stattdessen waren sie voll und ganz in die Besatzung integriert, wie der Kommandant betont. So waren sie aktiv in die Abläufe des deutschen Übungsteils MASCALMass Casualty von Northern Quadriga eingebunden, also des Massenanfalls von „Verwundeten“. Die Praktikantinnen und Praktikanten unterstützten bei der Organisation der Verwundeten-Aufnahme. Außerdem koordinierten sie die medizinische Sichtung sowie die Abstimmung zwischen Sanitätsdienst, Flugdeck und Führungselementen.
Eine Aufgabe, die selbst erfahrene Einsatzkräfte vor große Herausforderungen stellt. Neben Kenntnissen in Erster Hilfe standen bei der Ausbildung vor allem Führungsfähigkeit, Stressresistenz und Teamarbeit im Fokus. Fehler der Offizieranwärterinnen und Offizieranwärter konnten im „geschützten Raum“ analysiert und im Anschluss gemeinsam ausgewertet werden.
Der Führungsnachwuchs auf der Fregatte „Brandenburg“ hat Kurs genommen: Erst das Studium bestehen, später noch die Ausbildung, dann ein eigenes Schiff führen. Nicht alle 30 werden es schaffen. Doch die, die diese Gelegenheit erhalten, sind künftig an Bord die einzigen mit der „weißen Mütze“.
von Christina Moritz E-Mail schreiben