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U-Boot-Abwehr, Teil 1: Neue Gefahren unter Wasser

U-Boot-Abwehr, Teil 1: Neue Gefahren unter Wasser

  • Landes- und Bündnisverteidigung
  • Marine
Datum:
Ort:
Rostock
Lesedauer:
3 MIN

Moderne Unterseeboote sind trotz kleiner Stückzahlen eine überproportionale Bedrohung. Schon lange nicht mehr nur mit Torpedos allein.

Die Ruhe kann trügen. Unter der Oberfläche des Nordatlantik lauern neue Bedrohungen.

Edward Weston/CC BY-NC-ND 2.0

U-Boote sind eine unsichtbare Gefahr, auch für große Seemächte. Denn weil sie so schwer zu finden sind, binden sie Ressourcen – Schiffe, Hubschrauber, Flugzeuge –, die dann für andere Operationen nicht mehr verfügbar sind. Und weil sie eine so große asymmetrische Bedrohung in Krisen und Konflikten sein können, ist es auch für Seemächte wie die NATONorth Atlantic Treaty Organization so wichtig, sie aufspüren und bekämpfen zu können. Doch je moderner sie werden, desto größer ist die Gefahr, die auch nur von einzelnen U-Booten ausgeht.

Aus Perspektive des westlichen Bündnisses heißt das: Auch wenn die Zahl russischer Boote seit Ende des Kalten Krieges abgenommen hat, sind die verbliebenen, einschließlich neugebauter, durchschnittlich deutlich leistungsfähiger als die alten sowjetischen. Zugleich beschafft China immer mehr moderne Unterseeboote. Der wichtigste NATONorth Atlantic Treaty Organization-Partner USAUnited States of America muss deshalb für seine Landes- und Bündnisverteidigung U-Boot-Abwehr-Fähigkeiten im Pazifik zu Kosten des Atlantik bereithalten.

Dabei ist der Bedarf auch in der nordatlantischen Region wieder größer geworden. Ungefähr seit Beginn des Russland-Ukraine-Konflikts 2014 verzeichnet die NATONorth Atlantic Treaty Organization verstärkte Aktivitäten russischer U-Boote. Im Dezember 2019 etwa sollen laut norwegischen Quellen im Europäischen Nordmeer und in der Barentssee zehn Boote gleichzeitig Manöver abgehalten haben. So viele wie seit Ende des Kalten Krieges nicht mehr, und überhaupt eine außergewöhnliche Konzentration, allein weil die 58 Unterseeboote der russischen Marine auf vier räumlich getrennte Meere verteilt sind.

Torpedos sind nicht mehr die gefährlichste Waffe aller U-Boote

Ziel der Übungen sei gewesen, schätzen Experten und Medien ein, der NATONorth Atlantic Treaty Organization die eigene Einsatzbereitschaft zu demonstrieren einschließlich der Fähigkeit, tief in den Atlantik vorstoßen zu können. Das zeigen auch weitere einzelne Erprobungs- und Patrouillenfahrten, soweit westliche Seestreitkräfte sie haben feststellen können.

Das Hauptoperationsgebiet der U-Boote der russischen Nordmeerflotte bleibt aber die Barentssee. Hier sind auch die meisten russischen U-Boote stationiert. Dienten früher Jagd-U-Boote im angrenzenden Nordmeer eher nur der vorgeschobenen Verteidigung der strategischen Raketen-U-Boote weiter im Nordosten, ist die Region heute ein Aufmarschraum für offensive Waffen.

К-560_Severodvinsk

Jagd-U-Boot „Severodvinsk“ ist das Typschiff der modernsten U-Boot-Klasse der russischen Marine. Ihr Hauptwaffensystem: eine Startanlage für Dutzende von Anti-Schiff- und Marschflugkörpern

Verteidigungsministerium der Russländischen Föderation

Denn die Hauptwaffen der neuen U-Boot-Flotte Russlands sind nicht mehr Torpedos, sondern weitreichende Marschflugkörper. „Die größte Herausforderung für defensive Operationen der Anti-Submarine Warfare ist die Reichweite gegnerischer Anti-Schiff-Marschflugkörper, die innerhalb des nächsten Jahrzehnts 1.000 Seemeilen erreichen werden“, warnen Experten des amerikanischen Think Tanks Hudson Institute in einer jüngst veröffentlichten Analyse.

Landziel-Lenkflugkörper vom Typ Kalibr, westlich vor Norwegen von Raketen-U-Booten der neuen Yasen-Klasse gestartet, können bereits heute Punkte überall an der europäischen Nordseeküste erreichen, darunter auch militärisch wichtige Umschlaghäfen wie Bremerhaven oder Rotterdam. Die Fähigkeit dieser Rakete demonstrierte Russland 2015, als Schiffe aus dem Kaspischen Meer mit ihr Orte in Syrien beschossen.

Experten empfehlen, die U-Boot-Abwehr der NATONorth Atlantic Treaty Organization zu verlagern

Um der Gefahr der Raketen-bestückten U-Boote im Europäischen Nordmeer zu begegnen, empfiehlt der Bericht des Hudson Institute, von einer großräumigen Defensive abzusehen. „Anstatt zu versuchen, U-Boote aus immer größeren Gebieten zu vertreiben“, meinen die Autoren, „sollten die Strategien der USAUnited States of America und ihrer Verbündeten zur U-Boot-Abwehr ihren Schwerpunkt dahin verlagern, mit offensiven Operationen zu verhindern, dass feindliche Boote ihre Einsatzgebiete erreichen.“

Ein Marschflugkörper vom Typ MdCN für die französische Marine, unter Wasser gestartet. Die Waffe soll angeblich eine Reichweite von über 1.000 Kilometern haben. Wie U-Boote proliferiert auch diese Technologie immer weiter.

MBDA/DGA EM

Laut Fachgemeinde eigneten sich U-Boote darüber hinaus für die sogenannte hybride Kriegführung. Sie können Spezialkräfte unerkannt anlanden, die wie auf der Krim ohne Hoheitszeichen vorgehen könnten. Das trifft vor allem auf die dieselelektrischen U-Boote zu, die Russland unterhält. Das befindet auch der Bericht des Hudson Institute: Russische konventionelle Jagd-U-Boote würde hybride Operationen in Ostsee und Mittelmeer ergänzen.

Und eine weitere Gefahr sieht die Community: Neue Spezial-U-Boote sind auch in der Lage, so tief zu tauchen, dass sie Unterwasserkabel kappen könnten. Gerade die Verbindungen zwischen Europa und Nordamerika sehen die Experten bedroht, über die 90 Prozent des behördlichen und kommerziellen Datenaustausches der NATONorth Atlantic Treaty Organization-Partner und anderer verlaufen.

Das russische U-Boot „AS-31“ zum Beispiel kann vermutlich Tauchtiefen von bis zu 2.500 Metern erreichen. Von einem modifizierten strategischen U-Boot zu einem Einsatz transportiert, kann es sein Ziel unerkannt erreichen und dort Seekabel manipulieren. Gab es diese Fähigkeiten schon zu Zeiten des Kalten Krieges, ist sie noch einmal prominent bekannt geworden, als das auch „Loscharik“ genannte Boot im Sommer 2019 einen Unfall hatte. Im Moment, so wird vermutet, muss das U-Boot repariert werden, bevor es wieder einsatzfähig ist.

von Marcus Mohr  E-Mail schreiben

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