Marine

Dynamic Mongoose

Jährlich trainieren NATONorth Atlantic Treaty Organization-Marinen den Kampf gegen Unterseeboote im Nordatlantik. Das Gebiet ist für alle Beteiligten eine Herausforderung: Die Weite und Tiefe des Ozeans machen es nicht einfach, einen Gegner unter Wasser zu finden – und ihn zu bekämpfen.

Drei aufgetauchte U-Boote auf offener See.
NATO/C. Artigues

Weshalb gibt es Dynamic Mongoose?

U-Boote zu bekämpfen ist eine schwierige Aufgabe. Denn die Umgebung unter der Wasseroberfläche ist sehr komplex: Unterschiedliche Wassertiefen, Strömungen, Salzgehalte und Temperaturen schaffen unter der Meeresoberfläche eine Umwelt, in der sich U-Boote leicht verbergen können.

Die technologische Entwicklung leistet ein Übriges: Moderne U-Boote-Klassen werden immer leiser. Ihre weiteren Leistungsparameter wie die Leistungsfähigkeit ihrer Sensoren und Waffen wie auch ihre Einsatzreichweiten steigern sich von Jahrzehnt zu Jahrzehnt.

Eine graues Kriegsschiff vor einer bergigen Küste. Ein graues, viermotoriges Propellerflugzeug überfliegt das Schiff.

Ein deutscher Seefernaufklärer P-3C Orion überfliegt die dänische Fregatte „Esbern Snare“ vor der Küste Islands während Dynamic Mongoose 2017.

NATO/Christian Valverde

Für das maritime Bündnis NATONorth Atlantic Treaty Organization ist es deshalb essenziell, die eigenen Fähigkeiten zur Anti-Submarine Warfare, kurz ASWAnti-Submarine Warfare und zu Deutsch U-Boot-Jagd genannt, ebenfalls zu steigern. Manöver bieten dafür eine doppelte Gelegenheit: Soldatinnen und Soldaten trainieren ihre Taktiken, Planer und Entwickler können neue Verfahren und Technologien testen.

Das Allied Maritime Command der NATONorth Atlantic Treaty Organization organisiert deshalb seit 2012 jährlich große ASWAnti-Submarine Warfare-Übungen: Dynamic Mongoose im Atlantik und Dynamic Manta im Mittelmeer. Das Bündnis hatte damit nach einer langen Pause nach dem Ende des Kalten Krieges solche Übungstätigkeit wieder aufgenommen.

Wo findet Dynamic Mongoose statt und warum dort?

Dynamic Mongoose findet im tiefen, kalten Wasser des nördlichen Atlantiks statt, abwechselnd im Nordmeer vor der Küste Norwegens und im offenen Nordatlantik westlich und südlich Islands. Hier trainieren Seestreitkräfte der NATONorth Atlantic Treaty Organization ihre ASWAnti-Submarine Warfare-Fähigkeiten unter den spezifischen geografischen und hydrografischen Bedingungen.

Damit hilft das Manöver nicht nur, dass die Verbündeten sich kontinuierlich an neue militärische und taktische Herausforderungen anpassen können. Es trägt auch dazu bei, dass militärische Wissenschaft und Forschung ihr Verständnis für den Nordatlantik verbessern – eine maritime Großregion, die hunderttausende Quadrat- und Kubikseemeilen groß ist.

Das Niveau der Übung verschärft sich zusätzlich durch wechselhaftes Wetter, starke Winde und raue See. Typisch für den Nordatlantik erfordert das von den Übungsteilnehmern, sich und ihre Taktiken laufend an die Umwelt anzupassen.

Vor Island

Die Insel Island liegt in einer strategischen Position zwischen Grönland und Großbritannien. Hier verläuft eine imaginäre Trennung zwischen dem Nordmeer und dem offenen Nordatlantik: das sogenannte Greenland Iceland United Kingdom Gap, kurz GIUK Gap.

Eine Karte des Nordatlantik.

Die wichtigsten Meeresgebiete für die NATONorth Atlantic Treaty Organization: Im Nordatlantik verlaufen die Seewege, die Nordamerika und Europa miteinander verbinden. Von Stützpunkten in Island und in Norwegen aus findet jedes Jahr Dynamic Mongoose statt.

Bundeswehr

Weil die Straße von Dover zwischen Nordsee und Ärmelkanal schmal und flach ist, lässt sie sich in einem Ernstfall leicht überwachen und damit für U-Boote blockieren. Die besseren Wege für einen potentiellen Gegner der NATONorth Atlantic Treaty Organization, um aus Norden und Osten die Verbindungslinien der Alliierten über den Atlantik zu erreichen, liegen nördlich der britischen Inseln.

Die deutsche Kriegsmarine etwa hatte während des Zweiten Weltkriegs ihr Schlachtschiff „Bismarck“ durch die Dänemarkstraße zwischen Grönland und Island geschickt, um den Nordatlantik zu infiltrieren. Dieselbe Route und die Seewege zwischen Island, den Färöer-Inseln und Großbritannien nahmen im Kalten Krieg sowjetische U-Boote, um ins gleiche strategisch wichtige Gebiet zu gelangen. Die Bedeutung des GIUK Gap hat seither nur wenig abgenommen, es bleibt der Weg in den „Hinterhof“ der NATONorth Atlantic Treaty Organization.

Vor Norwegen

Weil aber Waffenreichweiten zugenommen haben, besonders die von Lenkflugkörpern, die von U-Booten aus gestartet werden können, übt die NATONorth Atlantic Treaty Organization auch die U-Boot-Jagd auch vor dem GIUK Gap: in den Gewässern westlich und nördlich Norwegens.

Das Europäische Nordmeer liegt zwischen Grönland, Island, Norwegen und Spitzbergen. Es grenzt im Nordosten an die Barentssee und im Süden an die Nordsee. Das Nordmeer ist wie der offene Atlantik extrem tief, teilweise bis zu 4.000 Meter. Solche Tiefen können selbst modernste U-Boote nicht voll ausnutzen, aber sie haben hier sehr viel Manövrierraum – im Unterschied etwa zur Nordsee, die größtenteils flacher als 200 Meter ist.

Deshalb liegen im Nordmeer potentielle Aufmarschgebiete für Raketen-tragende U-Boote. Sie könnten von hier ihre Waffen etwa auf Häfen in Nordwesteuropa abfeuern, um die Verbindungswege über den Atlantik dort zu kappen, wo sie in Europa ankommen. Deshalb üben NATONorth Atlantic Treaty Organization-Marinen auch in diesem großen Seegebiet.

U-Jagd-Helikopter in Aktion

Bordhubschrauber von Fregatten und Zerstörern sind die Hauptwaffe der U-Boot-Jagd. Sie gehen gezielt mit Torpedos gegen entdeckte Ziele unter Wasser vor.

Welche Flottenteile üben bei Dynamic Mongoose?

Bei der jährlichen ASWAnti-Submarine Warfare-Großübung der NATONorth Atlantic Treaty Organization treten U-Boote und U-Boot-Jäger gegeneinander an. Sie sind in allen drei Dimensionen unter, auf und über dem Wasser unterwegs: Denn die U-Boot-Jagd ist eine komplexe Aufgabe, die eine enge Koordination zwischen Kriegsschiffen, Bordhubschraubern, Langstreckenflugzeugen und eigenen U-Booten erfordert.

Ein Mensch fotografiert das Periskop eines getauchten U-Boots aus einem Flugzeug.

Erwischt: Der Beobachter eines französischen Seefernaufklärers entdeckt eines der U-Boote bei Dynamic Mongoose 2017.

NATO/ChristianValverde

Jede Art dieser Plattformen bringen ihre individuellen Fähigkeiten ein: Fregatten und Zerstörer haben große Ausdauer und leistungsfähige Sonare. Diese Schiffe verfügen über U-Jagd-Hubschrauber, die zielgenau in einem mittleren Umkreis U-Boote suchen und fixieren können. An Land stationierte Seefernaufklärer haben eine hohe Geschwindigkeit, können große Entfernungen schnell zurücklegen und mit ganzen Feldern von Sonarbojen große Gebiete auf einmal überwachen.

Nicht zuletzt gelten U-Boote für viele Experten als die besten U-Boot-Jäger: Ihre Sonaranlagen sind häufig noch leistungsfähiger als die von Kriegsschiffen, allein weil sie sich in der gleichen Umgebung wie andere Unterseeboote tief unter Wasser bewegen. U-Boote eignen sich daher hervorragend für die verdeckte Suche nach Zielen unter Wasser und deren Verfolgung über große Entfernungen.

An Dynamic Mongoose haben bisher jeweils bis zu zehn U-Boote teilgenommen. Sie lösen sich in der Rolle als Angreifer und Verteidiger, als Gejagte und Jäger ab. Hinzu sind bislang bis zu einem Dutzend Fregatten und Zerstörer mit ihren Bordhubschraubern gekommen sowie bis zu einem halben Dutzend Seefernaufklärer. Sie alle stammen aus verschiedenen NATONorth Atlantic Treaty Organization-Nationen, in der Regel Anrainer des Atlantik von Deutschland bis zu den USAUnited States of America.

Welche U-Jagd-Methoden gibt es?

Alle diese U-Boot-Jäger – Schiffe, Hubschrauber, Flugzeuge und U-Boote – trainieren und verbessern bei Dynamic Mongoose gemeinsam ihr Handwerk. Ihre optimale Kooperation hat wegen der komplexen Umgebung unter Wasser und der immer größeren Leistungsfähigkeit von U-Booten oberste Priorität. Das neueste taktischen Verfahren dafür ist die sogenannte Bi- und Multistatik.

Das Prinzip der Bistatik ist noch relativ simpel: Ein U-Boot-Jäger, in der Regel eine Fregatte, sendet aktive Sonarimpulse auf der Suche nach U-Booten. Ein zweiter Jäger empfängt diese Impulse, wenn sie auf ein Unterwasserziel treffen, und bekämpft dieses Ziel dann. Multistatik erweitert die Zahl der Empfänger und der Sender solcher aktiven Sonarsignale.

Mehrer Schiffe und U-Boote fahren in See in zwei Reihen hintereinander.

Grauer Stahl in grauer See: internationale Teilnehmer der Übung Dynamic Mongoose 2017 in Formationsfahrt. Ganz vorn: das atomgetriebene Jagd-U-Boot USS „Toledo“ der USUnited States Navy

NATO/Christian Valverde

Neue Kommunikationstechnologie macht die Vernetzung von immer mehr Sendern und Empfängern über und auch unter Wasser möglich. Diese Technologie, wie auch die genauen taktischen Vorgehensweisen, entwickelt die NATONorth Atlantic Treaty Organization laufend weiter – die Details unterliegen strengster Geheimhaltung.

Über die bisher üblichen Verfahren der U-Boot-Jagd hinaus sind neue Ortungsmethoden und neue taktische Ansätze in der Entwicklung. Sie sollen den U-Jägern einen Vorteil verschaffen, um das seit Jahren wachsende Ungleichgewicht in der Leistungsfähigkeit zwischen Jägern und Gejagten zu reduzieren.

Bi- und Multistatik sind dabei nur eine Möglichkeit. Monostatik wie mit einem geschleppten Sonar von einer Fregatte etwa bleibt eine enorme Bedrohung für ein U-Boot. Denn auch moderne Schleppsonare für Überwasserschiffe haben eine riesige Reichweite. Wie ein U-Boot selbst kann so ein Sensor tief in die unterschiedlichen Schichten unter Wasser eindringen und dort nach Zielen horchen.

Mehr zum Thema

Nutzen Sie bitte nachfolgend die Pfeiltasten (links/rechts) um zum vorherigen/nächsten Slide zu springen. Nutzen Sie die Tabtaste um innerhalb des aktiven Slides Elemente (wie Links) anzuspringen.

Sie verlassen jetzt das Slide Modul. Drücken Sie die Tabtaste zum Fortfahren oder navigieren Sie andernfalls einfach weiter mit den Pfeiltasten.