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Minenjagd

Über Wasser ist ein Minenjagdboot und unter Wasser eine Unterwasserdrohne zu sehen.

NATO

Für offene Seewege

Minenjagd: Wie die Marine Seeminen räumt

Seeminen sind günstige und effektive Waffen. Sie zu räumen, ist anspruchsvoll. Dazu nutzt die Marine spezielle Boote, Drohnen und Taucher.

Seeminen können Schifffahrtswege sperren, ganze Gebiete vom Seeverkehr abschneiden oder auch einzelne Häfen blockieren. Um diese Gefahr aus der Tiefe zu entschärfen, gibt es in der Marine verschiedene Systeme und zahlreiche Fachleute – vom Minenjagdboot über Drohnen bis hin zu Minentauchern.

Seeminen sind mit Blick auf ihre Wirkung vergleichsweise günstige Waffen, die obendrein schnell verlegt sind. Ungleich anspruchsvoller ist hingegen die Suche nach ihnen sowie die sichere Beseitigung. Die Fähigkeit dazu wird aber nicht erst im Verteidigungsfall gebraucht, wenn es darum geht, die Bewegungsfreiheit der eigenen Seestreitkräfte sicherzustellen:

Die drei Techniken der Minenabwehr 

Je nach Situation und Art der Seemine nutzen die Minenabwehrkräfte verschiedene Verfahren, um die Sprengsätze unschädlich zu machen: das Räumen, das Jagen und das Tauchen. 

Minenräumen

Beim Minenräumen kommen Simulationsboote zum Einsatz, in der Marine Seehunde genannt. Die kleinen robusten Boote imitieren mithilfe von Magnetspulen und Lautsprechern die Schall- und Magnetsignaturen größerer Schiffe und bringen so Seeminen zur Explosion. Die Seehunde selbst sind so gebaut, dass sie die Explosionen überstehen und somit nicht nur eine Seemine entschärfen, sondern große Minenfelder räumen können. 

Minenjagd

Die Jagd auf Seeminen erfolgt durch den Einsatz von Sonaranlagen, die den Meeresboden scannen. Hierzu haben die Minenjagdboote der Frankenthal-Klasse ein Sonar in ihrem Rumpf verbaut. Zudem können autonome Unterwasserfahrzeuge wie die SeaCat oder die Remus 100 eingesetzt werden, um Objekte unter Wasser zu finden. Mithilfe der ferngelenkten Kleindrohne Seefuchs werden diese anschließend genauer untersucht oder per Sprengladung zu zerstört.

Minentauchen

Das Tauchen übernehmen die Minentaucher des Seebataillons. Sie kommen zum Einsatz, wenn eine Räumung durch technische Mittel nicht möglich ist. Das kann beispielsweise der Fall sein, wenn die Mine zu nah an einem Hafen oder an einer Pipeline liegt. Dabei müssen die Minentaucher besonders auf zusätzlich angebrachte Sprengfallen achten, die das Räumen der Seemine verhindern sollen.

Diese Mittel nutzt die Marine zur Seeminenabwehr

Die Minenjagdboote – Basis der Seeminenabwehr

Zehn Minenjagdboote des Typs MJ332 der Frankenthal-Klasse bilden den Kern der Minenjagdflotte der Marine. Die knapp 55 Meter langen und etwa neun Meter breiten Boote sind in speziell auf die Bekämpfung von Minen ausgerichtet. So bestehen sie beispielsweise zum großen Teil aus amagnetischem Stahl, um nicht von den Magnetfeldsensoren der Seeminen erfasst zu werden.

Mit den zwei Dieselmotoren, die eine Gesamtleitung von 5.600 PS haben, können die Boote eine Geschwindigkeit von über 18 Knoten (33 Kilometer pro Stunde) erreichen. Verglichen mit Fregatten sind sie damit deutlich langsamer. Dies ist aber für die Arbeit der Minensucher nicht relevant, da die Jagd auf Minen mithilfe des bordeigenen Sonars bei extrem langsamer Fahrt und präziser Steuerbarkeit des Bootes durchgeführt werden muss.

Bewaffnet sind die Boote der Frankenthal-Klasse mit einem Marineleichtgeschütz, Maschinengewehren und schultergestützten Flugabwehrraketen. Ihre wichtigsten Einsatzmittel sind aber ihr Sonar, ihre Unterwasserdrohnen und die Minentaucher.

Die zehn Minenjagdboote im Bestand der Bundeswehr haben unterschiedliche Aufgaben und unterscheiden sich in ihrer Konfiguration:

  • Die meisten Boote der Frankenthal-Klasse sind für die Minenjagd mithilfe des Seefuchs vorgesehen. Daher sind sie darauf ausgelegt, möglichst viele dieser ferngesteuerten Drohnen mit ins Einsatzgebiet zu nehmen.
  • Daneben gibt es Boote, auf denen 16 Minentaucher inklusive ihrer umfangreichen Ausrüstung Platz finden. An Bord eines solchen Minentauchereinsatzboots sind dann genug Kräfte, um ausdauernd Minen untersuchen, entschärfen oder beseitigen zu können.
  • Als dritte Variante gibt es Boote, die auf das Minenräumen mithilfe der unbemannten Überwasserfahrzeugen vom Typ Seehund optimiert sind. Vom Boot aus werden die Seehunde ferngesteuert, sodass diese vorgegebene Muster abfahren. 
Sieben Minenjagdboot fahren hintereinander auf hoher See.

Die Minenjagdboote der Frankenthal-Klasse sind das Rückgrat der Minenabwehrkräfte. Sie fungieren als Plattform zur Steuerung unbemannter Systeme, bringen Taucher zum Einsatzort oder scannen mit ihrem Sonar den Meeresboden ab.

Bundeswehr/Friedrich Weishaupt
Unterwasserdrohne Seefuchs – Minen suchen und zerstören per Fernsteuerung

Die 1,2 Meter lange Unterwasserdrohne ist die Hauptwaffe bei der Minenjagd. Den Seefuchs gibt es in drei Varianten: Der Seefuchs I ist für die Identifizierung von Objekten ausgelegt. Mithilfe eines Scheinwerfers, einer Kamera und einem eigenen Sonar gibt er den Operateuren an Bord des Minenjagdboots ein Live-Bild von der Situation unter Wasser. Der Seefuchs C (Combat) ist eine Einwegdrohne. Ausgestattet mit einer Sprengladung wird er an eine identifizierte Seemine gesteuert, um diese zu sprengen. Der Seefuchs T ist die Trainingsvariante des Seefuchs C. Mit ihm können die Soldatinnen und Soldaten den Einsatz üben. 

Eine Unterwasserdrohne Seefuchs hängt an einem Seil und wird zu Wasser gelassen.

Mit einem Kran lässt die Besatzung den Seefuchs zu Wasser. Je nach Variante sucht die Drohne nach einer Mine oder macht sich auf den Weg, diese zu sprengen.

Bundeswehr/Nico Theska
Unterwasserdrohne SeaCat – hochauflösend und autonom

Fast vier Meter lang und etwa 400 Kilogramm schwer – das sind die Maße der autonomen Unterwasserdrohne SeaCat. Ausgestattet mit hochauflösenden Sonaren kann die Drohne den Meeresboden in großen Tiefen detailliert absuchen und mittels der eingebauten Software die Daten selbstständig vorverarbeiten. Das erleichtert den Soldatinnen und Soldaten an Bord des Minenjagdboots später die Auswertung. Zudem erhöht sich die Suchleistung eines Minenjagdboots: Mit der SeaCat können große Flächen auf Seeminen gescannt werden. 

Die Unterwasserdrohne SeaCat liegt an Bord eines Minenjagdbootes.

Mithilfe der SeaCat können hochauflösende Bilder vom Meeresboden erstellt werden. Dazu taucht die Drohne autonom und fährt schematisch ein festgelegtes Seegebiet ab.

Bundeswehr/Nico Theska
Die Minentaucher – Profis an der Mine

Sie sind die Fachleute für die Untersuchung oder Beseitigung von Seeminen und anderen Kampfmitteln unter besonders schwierigen Bedingungen – dann, wenn unbemannte Systeme nicht zum Einsatz kommen können. Dank ihrer fordernden und intensiven Ausbildung können die Minentaucher Seeminen auch in der Nähe von kritischer Infrastruktur, wie Pipelines, unschädlich machen, ohne diese in Mitleidenschaft zu ziehen. Auch für die Räumung von Minen in flachem Wasser oder am Strand sind sie prädestiniert. 

Ein Taucher taucht am Meeresboden neben einer Mine.

Ganz nah dran und in bis zu 80 Meter Tiefe im Einsatz: Ein Minentaucher kann auch bei trüber oder gar keiner Sicht Seeminen unschädlich machen

Bundeswehr/Andrea Bienert
Unterwasserdrohne Remus 100 – autonome Suche für die Taucher

Die autonome Unterwasserdrohne Remus 100 ist etwa 1,7 Meter lang und wird im flachen Wasser eingesetzt, bevor die Minentaucher zum Einsatz kommen. Entsprechend programmiert fährt sie bis zu sechs Stunden selbstständig ein festgelegtes Suchgebiet ab und erstellt mithilfe ihres Sonars Aufnahmen vom Meeresboden. Die entstandenen Bilddateien werden anschließend an Bord ausgewertet. Ist ein verdächtiges Objekt erkannt, gehen die Taucher ins Wasser und führen eine genaue Untersuchung durch. 

Eine Unterwasserdrohne mit der Aufschrift „REMUS“ liegt an Bord eines Minenjagdbootes.

Mithilfe der Unterwasserdrohne Remus 100 können Seeminen in flachen Gewässern gefunden werden. Anschließend kommen Minentaucher zum Einsatz, um sie zu beseitigen.

Bundeswehr/Steve Back
Überwasserfahrzeug Seehund – ferngelenkte Simulationsboote

Die fernlenkbaren Boote vom Typ Seehund sind etwa 25 Meter lang und circa 4,5 Meter breit. Das kleine Deckshaus ermöglicht die bemannte Steuerung der Boote auch von Bord aus, beispielsweise für eine kurze Transitfahrt. Mit Magnetspulen können die Seehunde im Minenräumbetrieb ein Magnetfeld erzeugen und so die Anwesenheit eines deutlich größeren Schiffs simulieren. Zudem kann über Unterwasserlautsprecher die Geräuschkulisse von Schiffen erzeugt werden, um auch auf diese Weise die akustischen Sensoren von Seeminen anzusprechen. Der Seehund soll also die Ziel-Logik der Mine überlisten und sie zum Zünden bringen. 

Ein Boot der Marine fährt auf einem Gewässer im Hafen.

Mit Magnetspule und Tonanlage löst der unbemannte Seehund Seeminen aus und sorgt so für die Beseitigung der Gefahr

Bundeswehr/Nico Theska

Die Drohnen zur Minenräumung im Überblick

SystemEinsatzgebietEinsatzzweckGröße
Unterwasserdrohne SeaCatKüstennah bis offene SeeGroßräumige Suche nach SeeminenLänge: 4 Meter
Unterwasserdrohne Remus 100Flache GewässerSuche nach SeeminenLänge: 1,7 Meter
Unterwasserdrohne SeefuchsKüstennah bis offene SeeIdentifizieren (Seefuchs I) und zerstören (Seefuchs C) von SeeminenLänge: 1,2 Meter
Überwasserdrohne SeehundKüstennah bis offene SeeGezieltes Auslösen von Seeminen durch SimulationstechnikLänge: 25 Meter
Breite: 4,5 Meter
 
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