Minenjagd: Wie die Marine Seeminen räumt
Seeminen sind günstige und effektive Waffen. Sie zu räumen, ist anspruchsvoll. Dazu nutzt die Marine spezielle Boote, Drohnen und Taucher.
Seeminen sind günstige und effektive Waffen. Sie zu räumen, ist anspruchsvoll. Dazu nutzt die Marine spezielle Boote, Drohnen und Taucher.
Seeminen können Schifffahrtswege sperren, ganze Gebiete vom Seeverkehr abschneiden oder auch einzelne Häfen blockieren. Um diese Gefahr aus der Tiefe zu entschärfen, gibt es in der Marine verschiedene Systeme und zahlreiche Fachleute – vom Minenjagdboot über Drohnen bis hin zu Minentauchern.
Seeminen sind mit Blick auf ihre Wirkung vergleichsweise günstige Waffen, die obendrein schnell verlegt sind. Ungleich anspruchsvoller ist hingegen die Suche nach ihnen sowie die sichere Beseitigung. Die Fähigkeit dazu wird aber nicht erst im Verteidigungsfall gebraucht, wenn es darum geht, die Bewegungsfreiheit der eigenen Seestreitkräfte sicherzustellen:
Je nach Situation und Art der Seemine nutzen die Minenabwehrkräfte verschiedene Verfahren, um die Sprengsätze unschädlich zu machen: das Räumen, das Jagen und das Tauchen.
Beim Minenräumen kommen Simulationsboote zum Einsatz, in der Marine Seehunde genannt. Die kleinen robusten Boote imitieren mithilfe von Magnetspulen und Lautsprechern die Schall- und Magnetsignaturen größerer Schiffe und bringen so Seeminen zur Explosion. Die Seehunde selbst sind so gebaut, dass sie die Explosionen überstehen und somit nicht nur eine Seemine entschärfen, sondern große Minenfelder räumen können.
Die Jagd auf Seeminen erfolgt durch den Einsatz von Sonaranlagen, die den Meeresboden scannen. Hierzu haben die Minenjagdboote der Frankenthal-Klasse ein Sonar in ihrem Rumpf verbaut. Zudem können autonome Unterwasserfahrzeuge wie die SeaCat oder die Remus 100 eingesetzt werden, um Objekte unter Wasser zu finden. Mithilfe der ferngelenkten Kleindrohne Seefuchs werden diese anschließend genauer untersucht oder per Sprengladung zu zerstört.
Das Tauchen übernehmen die Minentaucher des Seebataillons. Sie kommen zum Einsatz, wenn eine Räumung durch technische Mittel nicht möglich ist. Das kann beispielsweise der Fall sein, wenn die Mine zu nah an einem Hafen oder an einer Pipeline liegt. Dabei müssen die Minentaucher besonders auf zusätzlich angebrachte Sprengfallen achten, die das Räumen der Seemine verhindern sollen.
Zehn Minenjagdboote des Typs MJ332 der Frankenthal-Klasse bilden den Kern der Minenjagdflotte der Marine. Die knapp 55 Meter langen und etwa neun Meter breiten Boote sind in speziell auf die Bekämpfung von Minen ausgerichtet. So bestehen sie beispielsweise zum großen Teil aus amagnetischem Stahl, um nicht von den Magnetfeldsensoren der Seeminen erfasst zu werden.
Mit den zwei Dieselmotoren, die eine Gesamtleitung von 5.600 PS haben, können die Boote eine Geschwindigkeit von über 18 Knoten (33 Kilometer pro Stunde) erreichen. Verglichen mit Fregatten sind sie damit deutlich langsamer. Dies ist aber für die Arbeit der Minensucher nicht relevant, da die Jagd auf Minen mithilfe des bordeigenen Sonars bei extrem langsamer Fahrt und präziser Steuerbarkeit des Bootes durchgeführt werden muss.
Bewaffnet sind die Boote der Frankenthal-Klasse mit einem Marineleichtgeschütz, Maschinengewehren und schultergestützten Flugabwehrraketen. Ihre wichtigsten Einsatzmittel sind aber ihr Sonar, ihre Unterwasserdrohnen und die Minentaucher.
Die zehn Minenjagdboote im Bestand der Bundeswehr haben unterschiedliche Aufgaben und unterscheiden sich in ihrer Konfiguration:
Die Minenjagdboote der Frankenthal-Klasse sind das Rückgrat der Minenabwehrkräfte. Sie fungieren als Plattform zur Steuerung unbemannter Systeme, bringen Taucher zum Einsatzort oder scannen mit ihrem Sonar den Meeresboden ab.
Bundeswehr/Friedrich WeishauptDie 1,2 Meter lange Unterwasserdrohne ist die Hauptwaffe bei der Minenjagd. Den Seefuchs gibt es in drei Varianten: Der Seefuchs I ist für die Identifizierung von Objekten ausgelegt. Mithilfe eines Scheinwerfers, einer Kamera und einem eigenen Sonar gibt er den Operateuren an Bord des Minenjagdboots ein Live-Bild von der Situation unter Wasser. Der Seefuchs C (Combat) ist eine Einwegdrohne. Ausgestattet mit einer Sprengladung wird er an eine identifizierte Seemine gesteuert, um diese zu sprengen. Der Seefuchs T ist die Trainingsvariante des Seefuchs C. Mit ihm können die Soldatinnen und Soldaten den Einsatz üben.
Mit einem Kran lässt die Besatzung den Seefuchs zu Wasser. Je nach Variante sucht die Drohne nach einer Mine oder macht sich auf den Weg, diese zu sprengen.
Bundeswehr/Nico TheskaFast vier Meter lang und etwa 400 Kilogramm schwer – das sind die Maße der autonomen Unterwasserdrohne SeaCat. Ausgestattet mit hochauflösenden Sonaren kann die Drohne den Meeresboden in großen Tiefen detailliert absuchen und mittels der eingebauten Software die Daten selbstständig vorverarbeiten. Das erleichtert den Soldatinnen und Soldaten an Bord des Minenjagdboots später die Auswertung. Zudem erhöht sich die Suchleistung eines Minenjagdboots: Mit der SeaCat können große Flächen auf Seeminen gescannt werden.
Mithilfe der SeaCat können hochauflösende Bilder vom Meeresboden erstellt werden. Dazu taucht die Drohne autonom und fährt schematisch ein festgelegtes Seegebiet ab.
Bundeswehr/Nico TheskaSie sind die Fachleute für die Untersuchung oder Beseitigung von Seeminen und anderen Kampfmitteln unter besonders schwierigen Bedingungen – dann, wenn unbemannte Systeme nicht zum Einsatz kommen können. Dank ihrer fordernden und intensiven Ausbildung können die Minentaucher Seeminen auch in der Nähe von kritischer Infrastruktur, wie Pipelines, unschädlich machen, ohne diese in Mitleidenschaft zu ziehen. Auch für die Räumung von Minen in flachem Wasser oder am Strand sind sie prädestiniert.
Ganz nah dran und in bis zu 80 Meter Tiefe im Einsatz: Ein Minentaucher kann auch bei trüber oder gar keiner Sicht Seeminen unschädlich machen
Bundeswehr/Andrea BienertDie autonome Unterwasserdrohne Remus 100 ist etwa 1,7 Meter lang und wird im flachen Wasser eingesetzt, bevor die Minentaucher zum Einsatz kommen. Entsprechend programmiert fährt sie bis zu sechs Stunden selbstständig ein festgelegtes Suchgebiet ab und erstellt mithilfe ihres Sonars Aufnahmen vom Meeresboden. Die entstandenen Bilddateien werden anschließend an Bord ausgewertet. Ist ein verdächtiges Objekt erkannt, gehen die Taucher ins Wasser und führen eine genaue Untersuchung durch.
Mithilfe der Unterwasserdrohne Remus 100 können Seeminen in flachen Gewässern gefunden werden. Anschließend kommen Minentaucher zum Einsatz, um sie zu beseitigen.
Bundeswehr/Steve BackDie fernlenkbaren Boote vom Typ Seehund sind etwa 25 Meter lang und circa 4,5 Meter breit. Das kleine Deckshaus ermöglicht die bemannte Steuerung der Boote auch von Bord aus, beispielsweise für eine kurze Transitfahrt. Mit Magnetspulen können die Seehunde im Minenräumbetrieb ein Magnetfeld erzeugen und so die Anwesenheit eines deutlich größeren Schiffs simulieren. Zudem kann über Unterwasserlautsprecher die Geräuschkulisse von Schiffen erzeugt werden, um auch auf diese Weise die akustischen Sensoren von Seeminen anzusprechen. Der Seehund soll also die Ziel-Logik der Mine überlisten und sie zum Zünden bringen.
Mit Magnetspule und Tonanlage löst der unbemannte Seehund Seeminen aus und sorgt so für die Beseitigung der Gefahr
Bundeswehr/Nico Theska| System | Einsatzgebiet | Einsatzzweck | Größe |
|---|---|---|---|
| Unterwasserdrohne SeaCat | Küstennah bis offene See | Großräumige Suche nach Seeminen | Länge: 4 Meter |
| Unterwasserdrohne Remus 100 | Flache Gewässer | Suche nach Seeminen | Länge: 1,7 Meter |
| Unterwasserdrohne Seefuchs | Küstennah bis offene See | Identifizieren (Seefuchs I) und zerstören (Seefuchs C) von Seeminen | Länge: 1,2 Meter |
| Überwasserdrohne Seehund | Küstennah bis offene See | Gezieltes Auslösen von Seeminen durch Simulationstechnik | Länge: 25 Meter Breite: 4,5 Meter |