Bedarfsstudie: Seelsorge und Religion in der Bundeswehr
„Was kann und was leistet Militärseelsorge?“ Diese Frage untersuchte eine wissenschaftliche Studie auf Grundlage einer repräsentativen Umfrage.
„Was kann und was leistet Militärseelsorge?“ Diese Frage untersuchte eine wissenschaftliche Studie auf Grundlage einer repräsentativen Umfrage.
Welche religiösen Angebote wünschen sich Soldatinnen und Soldaten? Wie können sie ihren Glauben im Bundeswehr-Alltag leben? Welche Hilfen durch die Militärgeistlichen der Bundeswehr erhoffen sich auch diejenigen, die selbst keiner Religionsgemeinschaft angehören und keinen Glauben praktizieren? Und schließlich: Welche Erfahrungen machen Bundeswehrangehörige in diesem Bereich?
Rund 7.000 Soldatinnen und Soldaten gaben ihre Erfahrungen und Ansprüche an. Die Ergebnisse dienen der Militärseelsorge als Ausgangspunkt für die Qualitätssicherung und die Weiterentwicklung ihrer Angebote. Die Militärseelsorge-Studie entstand als Forschungskooperation zwischen dem Zentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr und dem Sozialwissenschaftlichen Institut der Evangelischen Kirche in Deutschland. Gemeinsam führten die beiden Einrichtungen im Herbst 2022 eine groß angelegte Repräsentativbefragung unter Soldatinnen und Soldaten durch.
In der Studie werden erstmals vertieft und empirisch folgende Fragen betrachtet:
Die Studienergebnisse sind als kostenloser PDF-Download (PDF, 9,8 MB) verfügbar. Einen kompakten Überblick über die Einzelergebnisse bietet Kapitel 5 „Militärseelsorge in der Zeitenwende“.
Ob konfessionslos oder Kirchenmitglied: Die Militärseelsorge wird von den Soldatinnen und Soldaten in der Bundeswehr nahezu einhellig gutgeheißen. 91 Prozent begrüßen ihre Präsenz im Grundbetrieb, 95 Prozent möchten sie in Einsätzen an ihrer Seite wissen. Rund die Hälfte der Befragten hat die Angebote bereits in Anspruch genommen und würde dies künftig wieder tun. Die Zahl derjenigen, die die Angebote erstmals oder erneut nutzen würden, ist seit 2013 deutlich gestiegen. Hohe Zustimmungswerte (88 Prozent) verzeichnet die Militärseelsorge auch bei Soldatinnen und Soldaten ohne Religionszugehörigkeit, die zum Umfragezeitpunkt 44 Prozent der Befragten ausmachten.
Die Befragten wurden auch gebeten, die Angebote der Militärseelsorge zu beurteilen. Die größte Zustimmung erhielten Angebote für einsatzbelastete Soldatinnen und Soldaten sowie deren Familien, gefolgt von Angeboten für Soldatenfamilien. Gottesdienste und Andachten im Auslandseinsatz würden gut die Hälfte der Befragten weiterempfehlen, gefolgt von Seelsorge, Beratung und Beichte. In seelsorglichen Gesprächen sind den Soldatinnen und Soldaten vor allem die Themen wichtig, die in direktem Zusammenhang mit ihrem Dienst stehen. Danach folgen allgemeine berufliche und private Ängste und Sorgen.
Die absolute Verschwiegenheitspflicht der Militärseelsorgenden ist für die Befragten von zentraler Bedeutung: 95 Prozent halten sie für sehr oder eher wichtig. Zudem werden die Unabhängigkeit der Militärseelsorgerinnen und Militärseelsorger sowie ihre Stellung außerhalb der militärischen Hierarchie als entscheidend für ihre Rolle als Vertrauenspersonen und Ratgebende angesehen.
Neben der Bestätigung der bisherigen Arbeit identifiziert die Studie auch zukunftsweisende Handlungsfelder für die den Fall der Landes- und Bündnisverteidigung: So wünschen sich 57 Prozent der Befragten von den Militärseelsorgenden eine verstärkte ethische Bildung in der Bundeswehr durch den Lebenskundlichen Unterricht. Dieser soll die konkreten Herausforderungen des Dienstalltags aufgreifen und reflektieren, etwa den Umgang mit Konflikten, belastenden Situationen und Extremsituationen, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf sowie Fragen zu Leben und Tod, Freiheit, Gewissen und Verantwortung.
Die Militärseelsorge-Studie ist bei Vandenhoeck & Ruprecht als gedrucktes Buch erhältlich. Ergänzend dazu erschien ein Kommentarband mit Stellungnahmen aus Bundeswehr, Kirche und Wissenschaft. Beide Publikationen sind als PDF-Downloads kostenfrei verfügbar.